Seltene Form eines Doppelsternsystems identifiziert

  • ESO-Aufnahme des auffälligen planetarischen Nebels Fleming 1.
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    foto: eso/h. boffin

    ESO-Aufnahme des auffälligen planetarischen Nebels Fleming 1.

Planetarischer Nebel Fleming 1 wurde von einem Dienstmädchen entdeckt, das zur Astronomin wurde - und enthält in seinem Inneren offenbar zwei eng verbundene Weiße Zwerge

Heidelberg - Seinen Namen hat der planetarische Nebel Fleming 1 von einer Frau, die im späten 19. Jahrhundert eine ungewöhnliche wissenschaftliche Karriere machte: Eigentlich war die in Schottland geborene Williamina Fleming nämlich als Dienstmädchen im Haus des Bostoner Astronomen Edward Charles Pickering angestellt. Der erkannte jedoch Williaminas Fähigkeiten und übertrug ihr zunehmend Aufgaben, die seine Forschungen unterstützen sollten. So wurde Fleming schließlich zu einer anerkannten Astronomin, die mehr als 10.000 Sterne katalogisierte sowie eine Reihe von Himmelsobjekten - Sterne und Gasnebel - entdeckte.

... so auch Fleming 1, einen planetarischen Nebel im Sternbild des Zentauren. Astronomen haben mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) im Zentrum des Nebels nun ein Pärchen eng umeinander kreisender Weißer Zwerge entdeckt. Die Beobachtung bestätigt eine in der Fachwelt bereits seit längerem diskutierte Theorie über ein mit solchen Nebeln assoziiertes spektakuläres Phänomen: Material, das in entgegengesetzte Richtungen symmetrisch ausgestoßen wird.

Ein Objekt ...

Planetarische Nebel haben mit Planeten nichts zu tun, sondern sind leuchtende Gashüllen um Weiße Zwerge. Die Bezeichnung geht einfach nur darauf zurück, dass sie in der Regel rund sind. Nähert sich ein Stern mit einer Masse von bis zum Achtfachen unserer Sonne dem Ende seines Lebens, dann stößt er seine äußeren Schichten ab und verliert dabei einen Großteil seiner Masse. Starke Strahlung aus dem heißen Kernbereich des Sterns lässt die nach außen driftende Hülle später als Nebel hell aufleuchten. Fleming 1 weist zusätzlich noch zwei auffällig symmetrische Jets mit knotenartigen, S-förmig geschwungenen Strukturen auf.

Mit dem VLT untersuchten die ESO-Astronomen um Henri Boffin das Sternenlicht in der Mitte des planetarischen Nebels. Dabei stellte sich heraus, dass es sich bei dem vermeintlichen Zentralstern von Fleming 1 wahrscheinlich nicht nur um einen, sondern gleich um zwei Weiße Zwerge handelt, die einander einmal alle 1,2 Tage umkreisen. Zwar ist dies nicht der erste Nachweis von Doppelsternen in den Zentren von planetarischen Nebeln. Aber Systeme bestehend aus zwei Weißen Zwergen sind äußerst selten.

... und seine Entstehung

Die Beobachtungsdaten des VLT wurden mit bereits vorhandenen Computermodellen kombiniert, um im Detail nachvollziehen zu können, wie Fleming 1 zu seiner auffälligen Form kam. Das Pärchen aus Weißen Zwergen ist dafür direkt verantwortlich: Als die beiden ursprünglich unserer Sonne ähnlichen Sterne sich dem Ende ihres Lebens näherten, begannen sie, sich auszudehnen. Dabei begann einer der beiden Materie von seinem Partner abzusaugen. Dieses Material sammelte sich zunächst in einer Akkretionsscheibe rund um den Stern an.

Bei ihrem gegenseitigen Umlauf kam es zu Wechselwirkungen beider Sterne mit der Scheibe, so dass diese begann, wie ein schief stehender Kreisel zu schwanken. Diese "Präzessionsbewegung" beeinflusst auch Materie, die von den Polen in Form von Jets senkrecht zur Akkretionsscheibe nach außen getrieben wird. Die neue Studie hat bestätigt, dass präzidierende Akkretionsscheiben in Doppelsternsystemen die symmetrischen Muster um planetarische Nebel wie Fleming 1 erzeugen. (red, derStandard.at, 10. 11. 2012)

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Das nachfolgende ESO-Video veranschaulicht etwas deutlicher, was denn wirklich BEOBACHTET wurde, und was dann schließlich daraus GEMACHT wurde…

…Ein ko(s)mischer Sprinkler:
http://www.youtube.com/watch?v=HGivkI9dPhM

Kein Wunder, wenn die ESA-Astronomologen dieses Phänomen als "bizarr" beschreiben, vor allem weil die beiden Jets ja so wunderschön SYMMETRISCH sind und jene für verdrillten Birkeland-Filamente typischen "KNOTEN" zeigen.

Also wurde fluggs per COMPUTERMODELL (Das beobachtete Ergebnis war der Ausgangspunkt!) ein zweiter(sic!) Weißer Zwerg evoziert,um dann stolz behaupten z.können,daß die so berechnete "Simulation genau die Struktur des Nebels beschreibe".

Dann folgen wieder einmal der übliche "Vampirismus, präzidierene Akkretionsscheiben",sowie jede Menge weiterer Nebelkerzen,um ja nicht eingestehen z.müssen, daß hier wie immer Ursache u.Wirkung vertauscht werden.

Ich glaube sie denken das die Leute wohl oft irrational denken dem ist nicht so . Es kommt darauf an was das Ziel ist und welche Fähigkeiten die Menschen in ihrem Leben entwickeln konnten . Selbst wenn etwas irrational scheint ist es aus den gegeben Umständen des Indsividuum der direkteste weg gewesen den er gehen konnte . Wer an Determinismus glaubt wird sich auch eingestehen müssen das dieser die Leute zu ihren Handeln und denken zwingt . Falsche Vorstellungen von der Wirklichkeit können sich vielleicht den Umständen entsprechend schneller verbreiten doch die Realität hat bestand und wird diese irgendwann verdrängen . http://www.youtube.com/watch?v=MiteblrDV5Y

Mitnichten! Wir leben in einer kränkelnden Gesellschaft, wo uns Horden von Mitläufern, die glauben "Experten" zu sein, die Welt erklären wollen. Die Astrophysik -einst als "Königin der Naturwissenschaften" bezeichnet- ist das Musterbeispiel…

…f.den Niedergang der freien Lehre, der gemeinsamen Reise in ein unentdecktes Land u.der kreativen Wissensschöpfung v.den Naturphilosophen hin zu den Technokraten.

Die Lehren vom Verständnis um die Eigenheiten der Natur sind zur Anhäufung v.Technologien mißbraucht worden, und -ähnlich wie bei den dogmatischen Religionen- zur Manipulation der Massen verkommen.

Gelehrt werden zunehmend Anhäufungen v.Methodiken zur Anwendbarkeit u.nicht das Verständnis um die Vorgänge dahinter, wie auch nicht ihre Ursachen.

Das FS3 zeigt dieses Manko hier tagtäglich aufs Neue auf u.blickt traurig auf die vielen Bretter, die stolz vor der eigenen, engen Stirn getragen werden, weil verlernt wurde, miteinander z.reden u.wirklich Neues erforschen zu wollen.

Mir ist jetzt unklar auf was speziell das " mitnichten " bezogen war aber an sonst stimme ich mit ihnen überein . Das die meisten lehren an der Realität vorbeigehen sollte jedem klar sein der fähig ist logische Schlüsse zu ziehen . Ich denke man kann die Realität eingrenzen und somit unsinniges ausgrenzen . Wenn man an Naturgesetze glaubt muss man sich eingestehen das es eine logische Erklärung dafür geben muss das Menschen an unlogische Dinge glauben . Man kann so manchen mit besseren Erklärungen überhäufen doch können diese aufgrund ihrer Erfahrungen diese Erklärungen nicht übernehmen . Man kann machen was mann will aber nicht wollen was man will.

Ich glaub ich bin kurz eingenickt beim ESO Video Schauen... nichtsdestotrotz, danke für den Link! Ja, das ist alles was sie haben: eine tolle Aufnahme von einem zugegebenermaßen schön anzuschauenden Nebel.
Ich stell mir zwei eng umeinander kreisende Sterne vor, die gleichzeitig(!) ihre Hüllen abstoßen, sich aber weiterhin schnell umeinander bewegen. Wie kommt man auf eine Umlaufgeschwindigkeit von 1,2 Tagen? Die Simulation hat bei dieser Geschwindigkeit eine ähnliche Form des beobachteten Nebels ergeben? Versteh ich das schon richtig? Die sehen diese Weißen Zwerge nicht, oder?! Ich weiß nicht, was ich davon halten soll - Computersimulationen haben uns immerhin schon eine unfaßbare Theorie zur Entstehung des Mondes beschehrt!

In der "modernen" Astrophysik ist es wie mit dem Bett des Procrustos…

…Die beobachteten Fakten werden so lange abgesägt, gezerrt und hingebogen, bis sie ins gemachte Bett hineinpassen.

Williamina Fleming war nicht die einzige, siehe "Pickering's Harem". Viele grundlegende astronomische Arbeiten gehen auf diese Frauen zurück.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia... y_1913.jpg

Auch "The Lady Computers of Harvard" genannt:

http://www.underthemicroscope.com/blog/the-... of-harvard

Die Rolle von Frauen in der Astronomie(geschichte) wäre mal ein wirklich dankbares, interessantes Thema.

So in die Richtung:

"Von Caroline Herschel bis Jane Luu"

Danke für den Link!

Ein (kleiner) Teil von "Pickering's Harem" auf einem Photo von 1891/92 (die Angaben unterscheiden sich ein bisschen):
http://ids.lib.harvard.edu/ids/view/... ?buttons=y
Fleming ist die Dame (stehend) in der Mitte

Hallo trurl, wir haben anscheinend ähnliche Ideen :-)

Btw.
Kleines Detail am Rande:
Zoom mal in das Photo oben rein: An der Wand im Hintergrund (links von Fleming) hängt eine Grafik mit der Helligkeitskurve des Bedeckungsveränderlichen "Beta Aurigae" ("Menkalinan") für den Dezember 1889
;)

Tatsächlich. Das Bild rechts von ihr im Hintergrund dürfte auch eine Helligkeitskurve sein.

Erschütternd ist die damalige spärliche Bezahlung der Wissenschaftlerinnen Sieh dir mal den letzten Tagebucheintrag von Fleming hier

http://pds.lib.harvard.edu/pds/view/... mbnails=no

an. Da ist schon etwas Verbitterung spürbar. Irgendwo war von 25 Cent pro Tag die Rede ... ich finde den Link leider nicht mehr

Dieses nicht ganz unbekannte Objekt hat sie übrigens auch entdeckt:

http://www.nasa.gov/multimedi... re_89.html

Und den Mondkrater der nach ihr benannt wurde, muß sie sich auch noch mit Alexander Fleming teilen...
http://en.wikipedia.org/wiki/Flem... g_(crater)

Stimmt ...

übrigens: Der Asteroid 5383 wurde auch nach ihr benannt.

http://astronomy.meta.org/monatlich... thema.html

(letztes Drittel der Seite)

Somit u. a. ein Mondkrater und ein Asteroid.

Nebenbei eine Parallele: Da gibt es einen Nobelpreisträger aus einem skandinavischen Land; nach dem ist a u c h ein Krater und ein Asteroid benannt ...

Falls das ein Omen sein sollte:

Möge wenigstens Williamina Fleming die peinliche Vereinnahmung durch elektrophile Ver[w]irrte erspart bleiben.

;-))

Der Asteroid 5383 wurde aber, glaub' ich, nach einer anderen von Pickerings "Haremsdamen" benannt
http://ssd.jpl.nasa.gov/sbdb.cgi?sstr=5383
nach der hier:
http://en.wikipedia.org/wiki/Henr... an_Leavitt

Es gibt zwar einen '91006 Fleming', aber der wurde nun rein nur nach Alexander Fleming benannt:
http://ssd.jpl.nasa.gov/sbdb.cgi?... ng#content

Ich fürchte fast, Williamina Fleming hat gar keinen eigenen Asteroiden abgekriegt, nicht mal einen halben.
Aber stimmt, dafür wurde sie bisher wenigstens noch nicht 'geblitzdingst' oder wie das heißt...

Trurl, Du hast recht. Bei Asteroid 5383 habe ich mich geirrt. Danke für die Richtigstellung.

Dass Alexander Fleming durch solche Benennungen geehrt wurde, ist angesichts der enormen Bedeutung seiner Entdeckung mehr als angebracht.

Apropos Fleming. Wer weiß, vielleicht wird ein gewisser Ian Fleming auch noch geehrt. Einen Stundenglasnebel gibt es ja auch. Wenn man jetzt einen Nebel in der Form eines Martiniglases entdecken würde ...

Sorry, ich bin ja schon still ... :-)

Von einem 'Martiniglasnebel' weiß ich nichts, aber, Du wirst lachen, es gibt:
http://ssd.jpl.nasa.gov/sbdb.cgi?... ng#content

:-))

91007 Ianfleming: Großartig, Trurl!

Immerhin ist er (siehe Bahndaten) glücklicherweise kein 'Erdbahnkreuzer', trotz seiner Doppelnull-Lizenz zum Töten ...

:-)

Schaut so aus!
;)

Henry Boffin :-)

Hat das Dienstmädchen diese zwei Zwerge gegessen oder ist es mit Zwillingen schwanger?

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