China und Indien hängen den Rest der Welt ab

Neue Wirtschaftsmächte lösen traditionelle Industrienationen ab, Japan und die Eurozone leiden an Überalterung

Wien - China und Indien werden nach einer aktuellen OECD-Studie in den kommenden Jahrzehnten den Rest der Welt bei der Wirtschaftsentwicklung hinter sich lassen. Bis 2060 soll der Anteil beider Länder am weltweiten Bruttoinlandsprodukt von zusammen 24 Prozent im Jahr 2011 auf dann 46 Prozent steigen. Gleichzeitig prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in der am Freitag in Paris veröffentlichten Studie für die 34 OECD-Länder ein Absinken des Anteils an der industriellen Produktion von 65 auf 43 Prozent.

Im Schnitt drei Prozent Wachstum

Im Schnitt rechnet die Studie mit einem weltweiten Wachstum von jährlich drei Prozent. Aufstrebende Volkswirtschaften werden demnach weiterhin sehr viel schneller wachsen als etablierte Industrienationen. Diese werden laut Projektion im Schnitt maximal zwei Prozent BIP-Zuwachs pro Jahr verzeichnen.

Für Österreich rechnet die OECD mit einem Durchschnitt von nur 1,4 Prozent, für Deutschland von 1,1 Prozent. Auf 3,0 Prozent und mehr kommen Indien (5,1 Prozent), Indonesien (4,1 Prozent), China (4,0 Prozent), Saudi Arabien (3,1 Prozent), Mexiko und Südafrika (jeweils 3,0 Prozent). Deutschland, der wichtigste Handelspartner Österreichs, wird laut Studie in den kommenden 50 Jahren seinen Platz als fünftstärkste Wirtschaftsmacht verlieren und weltweit auf Platz zehn zurückfallen.

China könnte die USA bereits im Jahr 2016 als größte Wirtschaftsmacht der Welt ablösen. Auch Indien wird die USA längerfristig überholen. Zusammengenommen werden die beiden asiatischen Wirtschaftsriesen schon in wenig mehr als zehn Jahren ein größeres BIP erwirtschaften als die G-7-Staaten.

"Alte" von "jungen" Ländern verdrängt

Die rasche Bevölkerungsalterung in Japan sowie in wichtigen Volkswirtschaften der Eurozone wird dazu führen, dass diese immer stärker von "jungen" Ländern wie Brasilien oder Indonesien verdrängt werden. Innerhalb Europas kommt dabei auf Deutschland, Luxemburg und Österreich der größte Verlust an wirtschaftlicher Bedeutung zu, so die OECD.

Die Verschiebung des wirtschaftlichen Gewichts in Richtung Niedriglohnländer wird dort dazu beitragen, die Lebensstandards zu verbessern. So dürfte sich etwa das Pro-Kopf-Einkommen in den ärmsten Ländern bis 2060 vervierfachen. In China und Indien könnte es dann sogar sieben Mal höher sein als heute. In einem halben Jahrhundert wird die Kluft zwischen den Lebensverhältnissen in aufstrebenden und hochentwickelten Nationen weniger ausgeprägt sein als heute. Zwischen einzelnen Ländern werden allerdings weiterhin klare Unterschiede bestehen. (APA, 9.11.2012)

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