Sängerknaben-Konzertsaal heißt nun "MuTh"

  • Bauarbeiten noch im Gange: das Portal des neuen Konzertsaales.
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    foto: apa/hans klaus techt

    Bauarbeiten noch im Gange: das Portal des neuen Konzertsaales.

Eröffnungsfestival startet am 9. Dezember mit Welser-Möst und Philharmonikern

Wien - Das Geheimnis um den Namen des lang umstrittenen neuen Konzertsaals der Wiener Sängerknaben am Augartenspitz ist gelüftet: Nach Ideen wie "Dr. Eugen Jesser-Saal" (nach dem 2008 verstorbenen Sängerknaben-Präsidenten, Anm.), "Konzertkristall" oder "voxaugarten" ist es nun "MuTh" geworden.  "MuTh" stehe für die Verbindung zwischen Musik und Theater, so Konzertsaal-Geschäftsführerin Elke Hesse in einer Pressekonferenz am Freitag.

Klangportal und Kugelhimmel

Der neue Konzertsaal mit knapp 400 Sitzplätzen wird am 9. Dezember um 11.00 Uhr mit einem von Franz Welser-Möst geleiteten Konzert der Wiener Philharmoniker und der Sängerknaben eröffnet.  Schon zuvor haben Besucher die Möglichkeit, den Vorplatz vor dem neuen Gebäude akustisch zu erleben: "Unsere Mitarbeiter haben in den vergangenen Tagen Bauschutt gesammelt. Daraus wird ein Klangportal entstehen, das Elemente aus der Entstehungsphase des Hauses hörbar machen soll", erklärte die Konzertsaal-Geschäftsführerin. Zudem werde ein roter Kugelhimmel, der als langer schmaler Baldachin entlang des benachbarten Pförtnerhauses hängt, errichtet. Mehr als 1.000 Kugeln, die von unten beleuchtet werden, sollen den Weg in den "MuTh"-Saal erhellen.

Aktuell wird am neuen Gebäude noch gearbeitet. Während es vor allem im Publikumsbereich noch einiges zu tun gibt, ist die Bühne mit ihrer Portalbreite von zwölf Metern fast fertig: "Der Parkettboden ist gemacht, wir haben gestern noch die Bretter verlegt. Jetzt wird nur mehr die Farbe eingelassen", erzählte Hesse. Man liege vollkommen im Zeitplan. Die Konzertsaal-Geschäftsführerin zeigte sich zuversichtlich, dass in einem Monat alles planmäßig fertiggestellt sein wird.

Kooperation mit Volksoper

Mit der Eröffnung und dem anschließenden Tag der offenen Tür startet man auch in die erste Saison unter dem Namen "Auftakt". Bis Juni 2013 möchten Hesse und der künstlerische Leiter der Wiener Sängerknaben, Gerald Wirth, einen Vorgeschmack geben, was künftig im Saal gezeigt wird. Das Festivalprogramm reicht dabei vom Weihnachtskonzert bis zu einem "Kongress über Mut", bei dem die Künstlerin Carmen Brucic am 14. und 15. Dezember 80 Gäste für Einzelgespräche mit den Zuschauern einladen wird. Der Vorverkauf zu diesen Programmpunkten beginnt am 12. November.

Zunächst sind 120 jährliche Veranstaltungen geplant. Neben klassischen Sängerknaben-Konzerten soll "MuTh" vor allem als Raum zur Förderung von Nachwuchstalenten genutzt werden. So seien Kooperationen mit diversen Kulturinstitutionen, wie dem DschungelWien oder dem Wiener Kindertheater ein weiterer Programmschwerpunkt.  Auch eine Zusammenarbeit mit der Volksoper Wien soll es geben, wie Direktor Robert Meyer bestätigte: "Wir denken daran, Kleinproduktionen, für die die Volksoper zu groß ist, hier heraus zu bringen. Außerdem wünsche ich mir hier Kinderopern zu machen. Vorstellbar ist eine Mischung aus den Wiener Sängerknaben sowie einem Teil unseres Orchesters und unserer Sänger."

Die Entstehungsgeschichte des neuen "MuTh"-Gebäudes war durchaus von Konflikten geprägt. Anrainerinitiativen wollten das Gelände am Augartenspitz für die Allgemeinheit öffnen und protestierten gegen die Verbauung. Auch die Architektur des vom Büro "archipel" geplanten, modern gestalteten Objektes war kritisiert worden.  Finanziert wurde das neue Gebäude durch den privaten Investor Peter Pühringer. Die gesamten Bau- und Errichtungskosten betrugen rund 15 Mio. Euro. Das künstlerische Budget müsse selbst erwirtschaftet werden, hieß es am Freitag.    (APA, 9.11.2012)

Siehe dazu die STANDARD-Reportage:
Nach Jahren der Proteste: Konzertsaal der Wiener Sängerknaben eröffnet
Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit ist der neue Konzertsaal im Wiener Augarten fertig. Das Haus will offen für alle sein - einer kleinen Gruppe von Besetzern ist das noch immer zu wenig.

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