Gigaliner: Monster im Anrollen

Kolumne |
  • Da fährt er hin, der Gigaliner.
    foto: ap/augstein

    Da fährt er hin, der Gigaliner.

Die Industrie pocht auf Einführung der Monstertrucks. Die Folgen für die Infrastruktur sind fatal

Das Straßengüterverkehrsgewerbe fordert vehement die Einführung von Gigalinern (weitere Namen lauten Lang-Lkw, Monstertruck oder Ecocombi) auch in Europa, also Lkws mit deutlich mehr als 40 Tonnen Gesamtgewicht und 18,75 Meter Länge. Die Taktik der kleinen Schritte zeigt Erfolge: Eine spezielle Ausnahmeregelung der EU erlaubt unter bestimmten Bedingungen bereits bis 60 Tonnen und 25,25 Meter für einen Praxistest.

Argumentiert wird mit der Umwelt: je größer der Lkw, umso geringer der CO2-Ausstoß je beförderte Tonne. Der Verschleiß an Straßen und Brücken steigt aber exponentiell mit dem Gewicht, damit explodieren Infrastrukturkosten. So stammt die Abnutzung von Straßen nachweislich ausschließlich vom Lkw-Verkehr. 

Gefährliche Gänseblümchen

Ein Personenwagen kann einer asphaltierten Straße über Jahrzehnte nichts anhaben. Da ist das Gänseblümchen noch gefährlicher, wenn es sich im Frühling mithilfe des vorangegangenen Frosts durch die Asphaltdecke quetscht. Das heißt, der permanente Sanierungsbedarf samt daraus folgender Baustellenorgie kommt jetzt schon vom Lkw-Verkehr und würde sich noch drastisch verschärfen.

Auch Brücken ermüden bei höherer Belastung früher. Genauso wären die Gigaliner der Lebensqualität der Menschen nicht förderlich (noch höhere Schallschutzwände?). Was aber doch viel wichtiger ist als diese technischen Details: Die Attraktivität des Straßengüterverkehrs für die Wirtschaft würde damit noch weiter steigen, die Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene noch viel schwieriger werden. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 9.11.2012)

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