Gigaliner: Monster im Anrollen

Kolumne | Rudolf Skarics
11. November 2012, 17:05
  • Da fährt er hin, der Gigaliner.
    foto: ap/augstein

    Da fährt er hin, der Gigaliner.

Die Industrie pocht auf Einführung der Monstertrucks. Die Folgen für die Infrastruktur sind fatal

Das Straßengüterverkehrsgewerbe fordert vehement die Einführung von Gigalinern (weitere Namen lauten Lang-Lkw, Monstertruck oder Ecocombi) auch in Europa, also Lkws mit deutlich mehr als 40 Tonnen Gesamtgewicht und 18,75 Meter Länge. Die Taktik der kleinen Schritte zeigt Erfolge: Eine spezielle Ausnahmeregelung der EU erlaubt unter bestimmten Bedingungen bereits bis 60 Tonnen und 25,25 Meter für einen Praxistest.

Argumentiert wird mit der Umwelt: je größer der Lkw, umso geringer der CO2-Ausstoß je beförderte Tonne. Der Verschleiß an Straßen und Brücken steigt aber exponentiell mit dem Gewicht, damit explodieren Infrastrukturkosten. So stammt die Abnutzung von Straßen nachweislich ausschließlich vom Lkw-Verkehr. 

Gefährliche Gänseblümchen

Ein Personenwagen kann einer asphaltierten Straße über Jahrzehnte nichts anhaben. Da ist das Gänseblümchen noch gefährlicher, wenn es sich im Frühling mithilfe des vorangegangenen Frosts durch die Asphaltdecke quetscht. Das heißt, der permanente Sanierungsbedarf samt daraus folgender Baustellenorgie kommt jetzt schon vom Lkw-Verkehr und würde sich noch drastisch verschärfen.

Auch Brücken ermüden bei höherer Belastung früher. Genauso wären die Gigaliner der Lebensqualität der Menschen nicht förderlich (noch höhere Schallschutzwände?). Was aber doch viel wichtiger ist als diese technischen Details: Die Attraktivität des Straßengüterverkehrs für die Wirtschaft würde damit noch weiter steigen, die Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene noch viel schwieriger werden. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 9.11.2012)

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Schwachsinn

Der Güterverkehr auf der Straße ist noch viel zu billig. Solange Produkte wie Lebensmittel mehrfach durch Europa gekarrt werden bis sie die Produktionskette abgeschlossen haben, brauchen wir über Mehrkapazitäten für die Straße überhaupt nicht reden.

Ab auf die Schiene, oder auf den Fluß. Aber am besten zu einem kostenwahren Preis, der solchen ökonomischen Unfug unterbindet (und dennoch den Wettbewerb am Laufen hält).

Der Verschleiß an Straßen und Brücken steigt aber exponentiell mit dem Gewicht,

Wirklich? Mit dem Gesamtgewicht des Gespanns? Am Metergewicht und den Achslasten würde sich weniger ändern...

Bewirkt so ein langer LKW einen anderen Verschleiß als 2 normale Sattelzüge hintereinander?

Das Metergewicht steigt um 13%

Es ist gut möglich, dass ein Gigaliner den selben Verschleiß verursacht wie 2 LKW, doch transportieren 2 LKW um 1/3 mehr Güter als ein Gigaliner.

buali....

Mehr gewicht....mehr beschaedigung der strasse.

Macht die Bahn nicht attraktiver ...

... aber die LKW erträglicher. Der gute alte Oberleitungsbus, aber so dass der Abnehmer nicht von den Leitungen springen kann.

http://www.heise.de/autos/art... 24424.html

Jetzt muß nur noch der Gesetzgeber Klartext reden: LKW mit Oberleitung, elektronischer Deichsel und elektronischer Überwachung des Fahrers (Müdigkeit, etc.) dürfen 80 Tonnen, der Rest in spätestens 20 Jahren nur noch 10 Tonnen haben.

Und ich wünsch´ mir einen Elektro-PKW, der auf der Autobahn gelden wird, nicht am Parkplatz ;-)

Dümmer geht´s immer

Ich warte drauf bis jemand vorschlägt Schienen auf der Straße zu verlegen - wie bei der guten, alten Straßenbahn. Das wäre dann noch umweltschonender, weil der Rollwiderstand geringer wäre.

Und was soll das bringen ??

Jede zusätzlich verbrauchte KWh Strom kommt heute zu 100,00% aus kal. KW (woher denn sonst).

Dann sind die LKWs halt Kohle-betrieben anstatt mit Diesel.
Feinstaub aus Kohle-KW ist eher höher als bei Diesel-LKW mit Filter.
Straßenbelastung, Lärmemission, ... ist gleich ... (weil Lärm kommt überwiegend von den Reifen)

Sehe keinen Sinn darin LKWs elektrisch zu betreiben.

Selbst wenn der Strom aus kalorischen Kraftwerken kommt

1. Neu gebaute kalorische Kraftwerke haben einen ungleich höheren Wirkungsgrad als ein LKW-Motor, auch wenn man die Übertragungsverluste hinein rechnet. Die Abwärme kann im Kraftwerk genutzt werden, im LKW heizt nur ein kleiner Teil davon die Fahrerkabine.

2. LKW-Motoren können nie über die aufwendige Filtertechnologie eines kalorischen Kraftwerks verfügen. Dort sorgen Elektrofilter, Rauchgaswäsche etc. für vernachlässigbare Feinstaub- und Schwefeldioxidemissionen.

3. Natürlich muß unser Energiesystem in allen Teilen umgestellt werden. Viele regenerative Primärenergieträger sind direkt aber nur für die Verstromung nutzbar (z.B. Windenergie). Natürlich könnten wir aus Zelluslose (Stroh, etc) synthetischen Diesel herstellen. Ist aber teurer

TOLLE IDEE!

Und in diese fahrenden Superlative steckt man dann einen relativ unterbezahlten, dauernd übermüdeten Trucker, den man unter Druck setzt, dass er möglichst pünktlich möglichst schnell von A nach B kommt?!

Von mir aus sollen die Zusatzkosten für einen Bahntransport, die es eigentlich nicht geben dürfte, auch noch auf die Lebensmittel/Güter aufgeschlagen werden - bei der momentan Inflation ist das eh schon wurscht, und als Steuerzahler zahlt man die ÖBB sowieso mit und die Straßen auch.

Offensichtlich sind die Kosten für diese Straßenverwüster nämlich unzureichend internalisiert. Bis zum nächsten Kaufhaus fährt so ein Trumm nicht, die Güter müssen zumindest einmal umgeladen werden. Das kann man besser per Bahntransport lösen.

Bis zum nächsten Kaufhaus fährt so ein Trumm nicht,

Das ist genau die Gefahr. Man müsste diese Trucks vom örtlichen Straßennetz fernhalten. Das ist aber, soweit ich weiß, noch überhaupt nicht geregelt.

Man müsste wohl nationale Regeln für allfällige Praxistests aufsetzen: zB dass diese nur zwischen Quellen und Zielen mit unmittelbarer Autobahnanbindung stattfinden dürfen.

"Bis zum nächsten Kaufhaus fährt so ein Trumm nicht, die Güter müssen zumindest einmal umgeladen werden."
Wetten? Das selbst heute schon die "normalen" Großtransporter bis ins "letzte Eck" (sprich schmalste Gasse) fahren, kann man ohne viel Nachdenken annehmen, dass diese Gigaliner bis zum Endkunden fahren werden - auch weil sie sonst durch das Umladen weitere Kosten&Zeitverlust generieren...

Eine weitere EU Lüge

Als ein Argument für den Beitritt zur EU wurde den Menschen damals versprochen, dass wir uns nur als EU Mitglied gegen die Transitlawine wehren könnten. War ebenfalls, wie sonst alles, eine Lüge.

danke

an herrn mock, der damals so vehement für die eu gekämpft hat !

.. und die Dame, die nun bei Siemens werkt...

Von der kriegen wir noch a paar Tausender!

stellen sie das ganze auf die schiene u sie haben einen wunderbaren gigaliner.
anstatt sich hier zu bemühen wäre es endlich sinnvoll langstreckentransporte auf die schiene zu verlegen (wir reden nicht vom zustelldienst etc.). natürlich müsste das schienennetz dann auch attraktiver werden und unsere bahn sich tatsächlich um service bemühen.

ja.. das liegt tatsächlich nur an der ÖBB.

Wenn die Schiene schneller & billiger wäre, würde kein Spediteur seine Reifen abnutzen.. aber teuer und langsam ist halt ein gewisses Problem am Markt.

Wegen: Fehlender Kostenwahrheit.

Wie beim Auto oder Atomenergie: Wenn alle Kosten dem Verursacher zugeordnet werden, kommt sowas von einem negativen ROI raus, dass des Pivot wackelt.

der Staktiker muss erst gefunden werden

der seine Unterschrift ohne entsprechenden Verstärkungsmaßnahmen unter so eine Entscheidung setzt. In Österreich sind die Brücken auf 25 to LKW bemessen, alle was darüber ist von Übel, soll heissen Brücke sperren, Einzelfahrt ect.

Es geht doch eigentlich nur darum, dass zwei statt drei LKWs fahren.

Vernünftigerweise müsste man die Achslasten entsprechend beschränken, unter dieser Voraussetzung können auch längere LKWs keine zusätzlichen Strassenschäden verursachen. Und die Vorteile liegen doch für jeden sichtbar auf der Hand:
-1/3 weniger Motorlärm
-knapp 1/3 weniger Abgase/Treibstoffverbrauch
-generell niedrigere Kosten

Woher haben Sie Ihre Zahlen?

Derartigen Unfug behaupten nicht einmal die Befürworter der Gigaliner.

1/3 weniger Fahrten, stimmt nur theoretisch. Praktisch kommt es zu einer Verdrängung des Schienenverkehrs.

Aber ein Gigaliner braucht mehr Treibstoff als ein LKW und er verursacht mehr Lärm. Nur der Personalbedarf ist tatsächlich gleich, und sinkt daher in Bezug auf das Transportvolumen um 1/3.

Es geht hier also nicht um Umweltschutz sondern einfach nur darum bei den Personalkosten zu sparen.

Das Problem kommt erst, wenn diese Dinger tatsächlich auf den Straßen unterwegs sind - denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie nur über Autobahnen bewegt werden! Gibt es heute bereits die größten Probleme mit den LKWs bzgl. der Manövrierbarkeit in den Städten - wie sieht es dann mit diesen Monstern aus? Und es soll mir niemand erzählen, dass diese Gigaliner nie in eine Stadt hinein kommen - das wäre Unsinn! In Städten der USA würde so was funktionieren, aber nicht in den engen Gassen von Europas Städten.

absolut korrekt!

die achslasten sind ja onehin bei max 10to/achse also dürfte es eigentlich kein problem sein!

Naja, da Hr. Skarics den Verschließ als großes Problem anführt,

Ist es bei einer Asphaltfahrbahn vielleicht keine so einfache Frage der Achslasten, evtl. wirkt die Kombination zusätzlicher Achsen – im knapperen Abstand als wenn 2 LKW hintereinander fahren – anders.

.

Völliger Schwachsinn.

Wünschenswert wären max. 7.5 t für den Transport vom nächsten Bahnhof zum Endabnehmer und mittels Steuerschraube eine Deattraktivierung des Strassentransports zugungsten der Schiene.

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