Gedenken an die Novemberpogrome von 1938

9. November 2012, 12:26

Kranzniederlegung am Judenplatz und Mahnwache

Wien - Mit den Novemberpogromen von 1938, der sogenannten "Reichskristallnacht", begann im gesamten Dritten Reich die systematische Vertreibung, Enteignung und Ermordung von Juden. Mehrere Gedenkveranstaltungen sollten am Freitag in Wien an diesen Tag erinnern, am Wochenende folgen weitere.

Bundespräsident Heinz Fischer legte am Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoa am Wiener Judenplatz einen Kranz nieder. Begleitet wurde der Bundespräsident dabei vom Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, und vom Wiener Militärkommandanten Kurt Wagner.

Im Jüdischen Museum Wien war für 14.00 Uhr eine Gedenkveranstaltung geplant. Museumsdirektorin Danielle Spera sollte vor einer Schweigeminute in einer kurzen Rede über den historischen Kontext sprechen, bevor in einer Führung ausgewählte Objekte und deren Geschichte präsentiert werden. Um 18.00 Uhr findet vor dem ehemaligen Aspangbahnhof in Wien-Landstraße die jährliche Mahnwache und Kundgebung statt. Von hier aus wurden in den Jahren 1939 bis 1942 Zehntausende österreichische Jüdinnen und Juden in Vernichtungslager deportiert. (APA/red, derStandard.at, 9. 11. 2012)

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18 Postings
Begleitet wurde der Bundespräsident dabei vom Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, und vom Wiener Militärkommandanten Kurt Wagner.

Schön dass auch die österreichische Armee wieder daran erinnert, wofür sie gegründet worden ist!

Auch die Armeeführung hat dafür zu sorgen zu erinnern, daß Antisemitismus und Neo-Nazitum in der Republik Österreich keinen Platz haben!

aha ..

dafür, dass sich das österreichische bundesheer so willig und billig dem nationalsozialismus hingegeben hat und auch nach dem ende des nationalsozialismus NOCH IMMER probleme damit hat, sich von dessen folgen zu distanzieren ..

Werden wir hier auch über Straches Anti-Muslim Pogrome lesen. Ich sehe da viele Parallelen, denn in beiden Fällen hält man eine Gruppe die eine andere Religion als die andere hat, für Sündenböcke, und deportiert sie.
Lernen wir denn nichts aus der Geschichte?

Leider nein! Wir lernen kaum aus der Geschichte. Das ist eine äußerst traurige Erkenntnis!

Das ist aus meiner Sicht zu negativ formuliert.

Wir lernen doch aus der Geschichte, nicht immer und überall, aber doch. Beispiele gefällig? Vor 800 Jahren wurden alle Fäden der Macht, ob politische oder religiöse, von der Kirche kontrolliert. In Mitteleuropa gab es vor nur 300 Jahren ein einziges, kleines Land, das sich seine Regierung selbst bestimmen konnte, die meisten anderen Länder waren absolutistische Monarchien. Noch vor 120 Jahren durften Frauen weder wählen, noch konnten sie einflußreiche Posten besetzen. Und bis vor 67 Jahren wurden bei den unzähligen und permantent im Interesse der Machthaber geführten Konflikten irgendwo in Europa Menschen verheizt - also getötet, verwundet und verkrüppelt. Darüber sind wir erst mal hinweg.

Sie haben recht, zu pessimistisch darf man nicht sein. ABER dass die Shoa in einem hochentwickelten Land wie D es war - das Land von Goethe und Schiller wie es oft gesagt wird - möglich wurde gibt mir schon immer noch Rätsel auf. Und es wirft die Frage auf ob so etwas nicht irgendwann wieder passieren kann...

rätsel? hören sie doch einfach bei manchen parlamentssitzungen zu, wenn bestimmte politikerInnen reden halten ..

vor allem WIE sie reden .. und was alles in ihren reden mitschwingt .. da werden sie gehässigkeit, neid, usw. hören .. auch dass menschen nicht als menschen gesehen werden. wo ohne viel aufsehens menschen die menschenwürde abgesprochen wird.

verfolgen sie die asyl-diskussionen .. wenn eine ministerin in jedem zweiten satz davon spricht "asylmissbrauch" zu bekämpfen .. obwohl es diesen tatbestand laut gesetz usw. gar nicht gibt ..

wo övp-politiker sich aufregen, dass grüne die unterbringung von asylsuchenden in containern als "schlecht" bezeichnen, weil ja der temporäre unterricht von schulklassen in containern von grünen "befürwortet" wird
da sprich das menschenbild bände .. 6-8 h unterricht mit 24 h dauerunterbringung vergleichen usw.

Eine sachliche Frage:

Die Novemberpogrome 1938 werden ja "umgangssprachlich" oft als Reichskristallnacht bezeichnet.

Ist Reichskristallnacht jetzt als Begriff eine unerwünschte Abschwächung bzw. gar eine Verharmlosung oder doch, ein in der Geschichtswissenschaft üblicher Ausdruck?

In der englischsprachigen Literatur werden die Novemberpogrome 1938 mit "Kristallnacht" bezeichnet.

Es würde mich diesbezüglich sehr interessieren was jetzt wissenschaftlicher Konsens ist. Danke für alle Art von Informationen dazu!

Sind wir schon so weit das man jetzt fragt wie man gerade was zu benamsen hat?
Political correctness - mir graut vor Dir.

Na ja dazu erzähle ich immer die Geschichte von Heinrich Lübke der einmal in Afrika war und bei einer Rede die anwesenden mit "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger" begrüßt haben soll.
Es ändern sich eben Begriffe und Meinungen! Und ich finde das nicht so schlecht das eben ein wenig nachgedacht wird welche Wirkung gewisse Worte und Begriffe haben!

Oder das Gegrüßet seist Du, Maria... wurde früher mit dem Wort Weiber gebetet. Damals hat sich keiner was dabei gedacht.
Dinge verändern sich eben!

Hier geht es nicht um natürliche Veränderung, sondern um eine selbsternannte Elite die glaubt, sie könnte diktieren wie man zu sprechen hat.
Und jeder anständige Demokrat muss gegen solchen Größenwahn auftreten, schon aus Prinzip.

Schauen Sie, ganz ehrlich: Ich finde das Herumreiten auf manchen Begriffen auch teilweise lächerlich - hier sei nur die "Genderisierung" in der Sprache genannt.

Zum Thema Reichskristallnacht "gegen" Novemberpogrome: Würden all jene Leute die sich ärgern dass man Reichskristallnacht als Begriff vermeiden soll, mit der selben Vehemenz gegen alles was da so an Neonazis herumspukt kämpfen wie für die "Erhaltung" des Begriffs "Reichskristallnach" dann hätten wir eh kein Problem mit dem extrem rechten Rand!
Anders gesagt: Diejenigen die sich aufregen dass man Reichskristallnacht nicht mehr sagen soll sind eben in vielen Fällen mit einer gewisen Affiniät zum rechten Rand ausgestattet.
Es liegt mir fern Sie dort anzusiedeln, oft ist es aber so!

Affinität...

Üblicherweise wird im wissenschaftlichen Diskurs der historisch belastete Begriff "Reichskristallnacht" vermieden, je nach Kontext höchstens von der "sogenannten Reichskristallnacht" gesprochen. Grundsätzlich wird heute das im Artikel verwendete "Novemberpogrome" bevorzugt.

ein tag wie dieser ist wertlos

wenn wir sonst unsere politische kultur nicht schützen.

http://bernhardjenny.wordpress.com/2012/11/0... ag-werden/

Grundsätzlich muss man dem rechtsextremen Gedankengut allen 365 Tagen im Jahr entgegentreten und nicht bloß an einem speziellen, das ist schon richtig!

Aber der Umkehrschluss - sprich weil 365 Tage lang leider zu wenig gegen rechtsextreme Gedanken getan wird und daher ist gleich jegliches Gedenken an die Novemberpogrome "wertlos" - ist grundfalsch! Man kann nie genug tun um solchen Ereignissen zu gedenken, aber nur weil leider Rechtsextremismus wieder zunimmt gleich mit dem Gedenken überhaupt aufzuhören käme einer Kapitulation vor den Neonazis gleich!

Weitere Termine: http://www.ikg-wien.at/?page_id=3650

9. Nobvember:

* Gedenkfeier und Stolperstein für Walter Schwarz, Kaufhaus Schwarz Alter Markt 12, Salzburg, 18 Uhr

* Gottesdienst im Gedenken an das Novemberpogrom 1938, 19 Uhr Ruprechtskirche

* Lesung Im Gedenken an die Opfer der Novemberprogrome, ARENA BAR, Margaretenstr. 117, 1050, 19:30

10 November:

* Eröffnung Gedenktafel für Prof. Peter Herz, Fischerstiege 1-7, 1010 Wien, 18:30

* Gedenken an die Pogromnacht, Alte Synagoge Graz David-Herzog-Platz 1, 19 Uhr

11. November:

* Eröffnung Gedenkstellen im 3.Bezirk, Details siehe Link oben

* Antifaschistischer Gedenkrundgang in Wieden und Margareten, U1 Taubstummengasse (Ausgang Taubstummengasse/Floragasse), 15 Uhr, http://rundgang.blogsport.de/

Weitere Details siehe Link oben.

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