Spannende Zeiten für Privatbanken

13. November 2012, 16:46
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Gewinn erwirtschaften, aber trotzdem sicher investieren – die Ansprüche der Großanleger an Privatbanken sind hoch

Über einen Mangel an potenzieller Kundschaft können sich Privatbanken in Österreich nicht beschweren. 88.300 Millionäre leben laut dem jährlich erscheinenden "World Wealth Report 2012" derzeit im Land. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt das ein leichtes Plus von 400 Personen, die sich jetzt mit dem Titel "High Net-Worth Individuals" schmücken dürfen und statistisch gesehen über ein anlagefähiges Vermögen von zumindest einer Million US-Dollar (etwa 792.000 Euro) verfügen. Der Volksmund würde sie wohl als die "Oberen Zehntausend" bezeichnen. Zurecht, besitzt diese Gruppe schließlich das nötige Kapital, um theoretisch gewinnbringend zu investieren.

Trotzdem: Die Zeiten für die rund zwei Dutzend Privatbanken, die in Österreich um Kunden mit großem Vermögen buhlen, sind "spannend", sagt Dorotea-E. Rebmann, Leiterin des Bankenprüfungsteams von PricewaterhouseCoopers (PwC) Österreich. Die Menschen zeigten sich aufgrund der Wirtschaftskrise besonders misstrauisch, was die Geldanlage betreffe. Die Erträge der Institute im Private-Banking-Sektor stagnieren laut Rebmann.

Festgeld statt Aktien

In gewisser Weise teilen die "Oberen Zehntausend" in Sachen Geldanlage im Moment die gleichen Probleme wie Mittelständler - wenn auch auf höherem Niveau. Das Bedürfnis nach der Sicherheit der Ersparnisse beziehungsweise des Vermögens muss unter einen Hut gebracht werden mit dem Wunsch nach hoher Rendite. Angesichts des derzeitigen Zinsniveaus und der Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone ein hartes Unterfangen.

Österreichs Großanleger gehen offenbar eher auf Nummer sicher. Eine im Frühjahr durchgeführte Studie der Abteilung für Asset Management der Johannes Kepler Universität Linz zeigt, dass sich der durchschnittliche Cash-Anteil in den österreichischen Portfolios seit 2010 auf 44 Prozent verdoppelt hat. "Vor dem Hintergrund der anhaltenden Finanzkrise bleibt die Mehrheit der Private-Banking-Kunden risikoscheu und hält den Grossteil des Portfolios in Cash", folgern die Experten der Hochschule in ihrem Bericht.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung lassen sich zudem herauslesen aus dem "Private Banking Survey 2012", für den die Unternehmensberatung "McKinsey & Company" über 160 Banken aus Europa, dem Nahen Osten, Asien und Nordamerika befragte. Der Aktienanteil an den Portfolios der privaten Institute schrumpfte europaweit von 26 auf 24 Prozent, im Gegenzug wuchs die Rate der festverzinslichen Wertpapier und der Festgelder auf 59 Prozent (von zuvor 56 Prozent).

Unzufriedene Kunden

Die Konsumenten bewerten die Leistungen der Privatbanken zusehends kritischer. Diesen Schluss legt die oben erwähnte Studie der Kepler-Uni nahe. Die Wissenschafter befragten im Auftrag der Liechtensteiner Bank LGT Group eine (repräsentative) Reihe von betuchteren Privatanlegern. Fazit: 2010 zeigten sich 91 Prozent zufrieden mit der Arbeit der Geldhäuser. Heuer sank dieser Wert auf 73 Prozent. Noch stärker fiel die Anzahl der „begeisterten" Kunden; von 81 auf aktuell 49 Prozent. Vor allem die schmalen Renditen lassen die Anleger zürnen. Nur 16 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mit dem erwirtschafteten Ergebnis zufrieden waren.

"Die Erwartungshaltung der Kunden ist groß", erzählt Helmut Siegler, Leitender Direktor im Bereich Financial Planning & Family Office bei der Schoellerbank. Er ortet einen erhöhten Bedarf an Beratung, beispielsweise bei steuerrechtlichen Fragen. Die Klienten hegten zudem verstärkt den Wunsch nach Diversifikation - ihr Geld nicht nur in eines, sondern verschiedene Finanzprodukte zu investieren.

Transparenz bei Kosten

Neben dem schwieriger werdenden Umgang mit den Kunden machen Rechtsvorschriften auf europäischer Ebene dem Private-Banking-Sektor zu schaffen. Damit gemeint sind weniger die verschärften Eigenkapitalvorschriften, zusammengefasst unter Basel III. "So lange die Banken nur Vermögen verwalten, haben sie es nicht in den Büchern. Daher treffen sie die strengeren Eigenkapitalvorschriften nicht in diesem Bereich", sagt PwC-Expertin Rebmann.

Im Gegensatz dazu könnte eine Änderung der "Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente" der EU-Kommission die Privatbanken sehr wohl treffen. Auf Englisch heißt sie "Markets in Financial Instruments Directive", daher die Abkürzung "MiFID".

Vereinfacht gesagt, versucht die EU-Kommission mit der Richtlinie, die Finanzmärkte der Mitgliedsstaaten zu harmonisieren. Im Oktober des Vorjahres wurde bekannt, dass die Kommission "MifID" nach den Erfahrungen der Finanzkrise im Sinne der Verbraucher überarbeiten will, nicht zuletzt, um für höhere Transparenz zu sorgen - und im Zuge dessen ein Verbot für Provisionen bei unabhängiger Finanzberatung erwägt. Hintergrund: Scheinbar unabhängige Berater empfehlen bisweilen die Investition in das Finanzprodukt einer Firma, von der sie verdeckt Honorare kassieren. Versicherungen und Pensionsvorsorgeprodukte sind von der Regelung ausgenommen. Wie mit Versicherungen, die als Vorsorgeprodukt verwendet werden, umgegangen wird, ist noch offen.

"Wir haben All-in-Jahresgebühren oder Performance-orientierte Gebühren", zeigt Schoellerbank-Direktor Siegler einen Weg auf, der geplanten Richtlinie Rechnung zu tragen. Die Schoellerbank ist mittlerweile eine 100 prozentige Tochtergesellschaft der Bank Austria - habe aber nicht nur Produkte der Großbank im Angebot, sagt Siegler: "Man orientiert sich an eigenen Produkten. Die Schoellerbank hat nur ein kleines Portfolio. Im Private-Banking-Bereich wird aber viel von Fremdanbietern geliefert." (Philip Pfleger, derStandard.at, 13.11.2012)

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    Auch Menschen mit viel Geld haben Sorgen - wem das Vermögen anvertrauen? Worin investieren?  Im Bild: Octopus, im Besitz von Microsoft-Co-Gründer Paul Allen.

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