Studie warnt: Wetterbericht in Radio und Fernsehen nicht weiter kürzen

9. November 2012, 11:19
26 Postings

Nicht immer wird der Wetterbericht verstanden: Es wird zu schnell gesprochen, Fachbegriffe werden gelegentlich falsch verstanden

Salzburg - Der Wetterbericht in Radio und Fernsehen ist nicht immer so, dass die Hörer und Seher das erfahren, was sie wissen wollen. Mitunter wird zu schnell gesprochen, und teils kommen zu viele Fachbegriffe vor, die gelegentlich auch falsch verstanden werden. Das ergab eine Studie der Universität Salzburg, die kürzlich publiziert und inzwischen auch den "Wetterfröschen" des ORF präsentiert wurde.

Unter der Leitung des Psychologen und studierten Meteorologen Alexander Keul wurden bei 250 Personen in Österreich das Verständnis von Wetterberichten und Reaktionen darauf analysiert. Dabei zeigte sich beispielsweise, dass im Radio häufig zu rasch gesprochen wird und dadurch Information auf der Strecke bleibt. Für knapp jeden Dritten war dies ein Problem. "Viele Sendeformate räumen dem Wetterbericht gerade eine Minute ein, da bleibt für die aktuelle Lage, die Temperaturen und Niederschläge des nächsten Tages und möglicherweise auch noch für Wetterwarnungen zu wenig Zeit", so Keul. Genau diese Informationen würden aber alle wissen wollen.

Warnung vor amerikanischen Modellen

Etwas leichter hat es das Fernsehen, weil dieses durch Bild- und Filmunterstützung mehr Möglichkeiten der Information hat. Hier bestehe jedoch die Gefahr, die Seherschaft "optisch zuzumüllen". "Wenn da ein Flug von der Eiffel bis nach Buxtehude gezeigt wird, ist die Frage, brauche ich das wirklich?" Keul warnt insbesondere vor amerikanischen Modellen, "dort wird ein Hurrican mit bewegten Bildern und Farben dargestellt, dass man glaubt, man hätte eine LSD-Tablette geschluckt". Zuviel Bildzauber verwirre eher. "Ist es beispielsweise nötig, ein Tiefdruckgebiet als Bogen mit Zacken darzustellen, wenn viele mit der genauen meteorologischen Bedeutung eines Tiefdrucks gar nichts anfangen können?"

"Bedeckt" ist schlechter als "stark bewölkt"

Der Psychologe rät überhaupt dazu, mit Fachbegriffen sehr zurückhaltend umzugehen. So würde nämlich eine Mehrheit "stark bewölkt" für schlechteres Wetter halten als "bedeckt", dabei sei es genau umgekehrt: "Stark bewölkt ist die vorletzte Stufe, bedeckt die letzte vor dem Niederschlag."

Wetterwarnungen

Insgesamt rät die Studie den Medienmachern, die Zeit für das Wetter nicht weiter zu kürzen, "sonst kann es gefährlich werden, wie wenn man die Ampelphase am Zebrastreifen immer mehr kürzt". Wichtigster Bestandteil des Wetterberichtes sei die Wetterwarnung, weil diese Personen- und Sachschäden verhindern könne.

Die Studienergebnisse wurden den ORF-Hörfunk- und -Fernseh-Wetterleuten bereits präsentiert und auf einem internationalen Wetterkongress in Spanien diskutiert. Die Publikation dazu ist eben in der Fachzeitschrift "Atmospheric Research" erschienen und unter "articles in press" auf sciencedirect.com im Internet zugänglich. (APA, 9.11.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Medienmacher sollten die Zeit für das Wetter nicht weiter zu kürzen. "Sonst kann es gefährlich werden, wie wenn man die Ampelphase am Zebrastreifen immer mehr kürzt", sagt Studienleiter Alexander Keul.

Share if you care.