Über das Wechselspiel von Kompaktheit und Cremigkeit des Fettranderls

Ansichtssache
10. November 2012, 12:00
  • Liste der Wurst-WM-Preisträger 2012

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Die Preisträger der Wurst-WM stammen zwar fast alle aus Österreich, um das heimische Fleischerhandwerk steht es trotzdem gar nicht gut

Extrawurst, Leberkäse, Frankfurter, Knacker, Krakauer, Pikantwurst, Blutwurst, Pressschinken, Kantwurst, Dürre, Kalbsbratwurst, Grillbratwürstel, Debreziner, Streichwurst, Jagdwurst, Mettwurst... die Liste der Wurst- und Fleischwaren ließe sich noch lange fortsetzen.

Anlässlich des 19. Internationalen Fleisch- und Wurstwettbewerbes - auch Wurst-WM genannt - ehrte die Bundesinnung Lebensmittelgewerbe im Wiener "Zigarren & Klub" die Besten der Besten. 20 Fleischer wurden mit Ehrenpreisen ausgezeichnet.

Vorausgeschickt: Obgleich rund 1.300 Produkte aus sieben Ländern und vier Kontinenten ins Rennen gingen, kommen die Preisträger, mit Ausnahme eines deutschen Fleischers, allesamt aus Österreich.

Hat Österreich die beste Wurst? Dazu meint Oberjuror Wolfgang Seidl mit eigenem Fleischhandwerkbetrieb in Neunkirchen: "Es handelt sich um eine Weltmeisterschaft, man muss aber bedenken, dass es ein österreichischer Wettbewerb ist. Wir sind dabei, ihn noch stärker zu bewerben und die Kontakte zu internationalen Fleischer-Innungen auszubauen." Eine Herausforderung seien die eingereichten Wurst- und Fleischwaren aus Indien oder Neuseeland: An die regionalen Geschmacksvorlieben müsse man sich erst gewöhnen. Angesichts einer Jury von zehn österreichischen Wurst- und Fleischexperten, ist es nicht wirklich Wunder, dass die exotischen Erzeugnisse leer ausgegangen sind.
In drei Bewerben sind die Fleischmeister angetreten: Fleisch und Wurst, Plattenlegen und Convenience. Die Bewertung erfolgte nach dem Geschmack, dem Aussehen und der Sensorik. So lautete die Begründung der Jury für den Weltmeister-Backschinken von der Fleischerei Feichtinger aus Schärding: "Ein imposantes Bratenstück, die wunderbar ausgeprägte Kruste verbreitet einen intensiven Bratenduft. Definiert im Anbiss, schmilzt der Schinken fast im Mund. Das Wechselspiel von Kompaktheit und Cremigkeit des Fettranderls beeindruckt und hinterlässt edle
Rauigkeit am Gaumen." Eine "Wurstansprache" wie diese kann durchaus mit einer Weinbeschreibung mithalten.

Hauptpreisträger der Wurst-WM sind der Betrieb Ellegast aus Amstetten, Feichtinger aus Schärding und Rewe Austria aus St. Johann im Pongau. Alle drei Siegerbetriebe erreichten die gleiche Punkteanzahl. Links im Bild der Geschäftsführer der Bundesinnungsgruppe für Lebensmittel und Natur, Reinhard Kainz, rechts der Vizepräsident der Wirtschaftskammer Wien, Paulus Stuller.
In den Bewerben Plattenlegen und Convenience schnitten die Betriebe Tann aus Dornbirn, die Fleischerei Steiner aus Sollenau, Moser aus Sigharting und Moßhammer aus Zinzendorf am besten ab.

Der Preis für das schönste Naturdarmprodukt ging an das Fleischermeister-Ehepaar Herzog aus Vitis für seine vier Kilogramm schwere Käswurst-Variante - "eine ganz besondere Herausforderung, weil sie extrem leicht brechen kann", begründete die Jury. Naturdärme seien keine Selbstverständlichkeit mehr, so die Jury. "Sie sind hochpreisig und hochwertig, verleihen dem Produkt vom Biss und Aroma her eine besondere Note und zeugen von gutem Fleischerhandwerk."
Um die Befindlichkeit der österreichischen Fleischhauer steht es trotz reger Teilnahme an der Wurst-WM gar nicht gut. Oberjuror Wolfgang Seidl schildert die Situation am Beispiel Niederösterreich: "Von 700 Fleischern gibt es heute noch 150. Brutale Prophezeiungen besagen, dass 50 übrig bleiben werden. Was hier an Handwerk und Kultur verloren geht, ist gewaltig."

Für Traditionsfleischereien finden sich keine Nachfolger. "Es ist ein sehr aufwändiges Gewerbe, wo man viel Zeit inverstieren und viel Geld in die Hand nehmen muss", so Seidl, der die letztendliche Entscheidung über den Fortbestand der Fleischhauer bei den Konsumenten sieht: "Es geht darum, das Fleisch Wert zu schätzen und 'ja' zu regionalen Produkten zu sagen." (Eva Tinsobin, derStandard.at, 9.11.2012)

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Mich würde interessieren, welche Produkte von REWE da bewertet wurden ...

Soviel mir bekannt ist, werden an den "Feinkost"-Theken bei Billa und Merkur fast ausschließlich zugekaufte Markenprodukte aus Großbetrieben (Berger, Wiesbauer, ...) angeboten!?

Wo also kommen dann die ja offenbar ausgezeichneten selbst gefüllten Würste etc. von den REWE-Fleischhauern hin ...?

Das kommt mir jetzt - abgesehen von der Frage nach der Sinnhaftigkeit, eine solche Veranstaltung als WM zu bezeichnen - ein bisschen nach "nur niemanden verprellen" vor ...

Vermutlich die ausm Fleischregal?

Auch Frauen können Superleistung erbringen!!!

Nirgends steht dass diesmal eine Fleischermeisterin und zwar Doris Steiner aus Sollenau im Verhältnis die meisten Preise abgeräumt hat. Ein kleiner Betrieb in Sollenau mit wunderbaren Wurstwaren. Ich hätte gerne mehr gewußt über die Rewe Erzeugnisse die gewonnen haben. Ich habe bei Billa oder Merkur noch nie wahnsinnig tolle oder frische Wurstwaren bekommen.
In Zukunft ein bißchen besser recherchieren!!!

feichtinger und moser, hut ab vor dem letzten eck von österreich ;)

meine gedanken dazu: ich gehe nie zu einem fleischer/metzger/whatever weil sie ein weiterer Weg wären... ich gehe in den InterSPAR, dort kaufe ich meine Lebensmittel und auch mein Fleisch. Extra nur für 1 Stück fleisch und Würste zum Metzger am anderen Ende der Stadt radeln ? Ohne Auto siegt da einfach die Faulheit.

Oiso i geh' zum Fleischer am Samstag

und hab' 2 zur Auswahl nebeneinander, die schauen auch richtig aus wie fleischer: dick, single, mit der mama im Gschäft! Mir taugt's und ist sicher net' teurer als beim spar oder rewe.

'rewe austria' als ex aequo-sieger, die wursttheke vom billa?! das ist erstens relativ schwer vorstellbar und zweitens auch nicht gerade ein lob für die teilnehmenden fleischhauer...

Was glauben Sie wer bei Rewe arbeitet? Da sind genauso gelernte Fleischhauer für die Qualität verantwortlich.

Ich bevorzuge jedpch meinen Lieblingsfleischhauer, da werd ich einfach persönlicher beraten und der kann mir sogar sagen, von welchem Bauernhof mein Stück Steak kommt.

auch das mit der Beratung/Betreuung

hängt sehr von der Filiale ab. Bei uns herovrragend (war eine Überraschung und Umstellung, im Billa auf einmal ausgezeichnetes Fleisch und tollen Service zu bekommen, wie ich es aus Wien nur vom Fleischhauer kannte).

der vollständigkeit halber

Fleisch, nicht Schinken oder Wurst - die sind Standard.

geil,

mein lover findet die kompaktheit und cremigkeit der fettranderln an gewissen stellen meines körpers als äußerst aufreizend. gut zum ausdruck dürfte diese kompaktheit und cremigkeit auch in der nächsten badesaison auf der donauinsel kommen.

wortless without pics

Die kunstvolle Wurst-Rosette aus dem Bereich "Plattenlegen und Covenience" am letzten Bild, hätt ich auch zusammengebracht ... ; )

Möglicherweise ging es auf Zeit...

Für Traditionsfleischereien finden sich keine Nachfolger. "Es ist ein sehr aufwändiges Gewerbe, wo man viel Zeit inverstieren und viel Geld in die Hand nehmen muss", so Seidl,

am besten bei der UNESCO um aufnahme in die liste der immateriellen güter ansuchen

"Edle Rauigkeit am Gaumen"

Die Fleisch und Wurst-Texter sind offenbar genauso unbegabt, wie die hiesigen Wein-Texter und sonstigen Werbe-Texter ... : P

Ich will ja kein Grammar Nazi sein aber...

Debreziner kommt im ersten Absatz 2 mal vor. Wenn ich mich richtig an den Deutschunterricht erinnere ist das Wortwiederholung.... z.z.z!

fleisch und wurst ist eigentlich grindig. bashed mich soviel ihr wollt; ich sehe das wirklich und ideologiefrei so, wenn ich mir die bilder anschaue. ich habe keinen natürlichen guster auf wurst + fleisch.

und warum sollte uns das interessieren?

Wurst"guster" schon...

..aber die Bilder reißen mir nix raus, die verderben mir eher den Appetit.

Passt schon. Es muss ja nicht jeder alles mögen.

Erinnert mich an "Sechs Österreicher unter den ersten fünf".

Vergiss den "Feinkostladen Europas".

Gerade im Veneto gewesen, fantastischen 18 Monate luftgetrockneten Schinkan am Stück um € 16,50 / kg.

Dann am Weg in Kärnten noch einen zugegebenermaßen auch guten Karrespeck gekauft - € 18 / kg.

Preis / Leistung trotzdem kein Vergleich. Um 16,50 krieg ich bei der Billa-Wursttheke gerade mal einen mit Wasser gestreckten Industrie-Pressschinken.

Wurst-WM“ mit SIEBEN teilnehmenden Ländern.
Klingt wie eine Fußball- WM mit Österreich als Austragungsland und dazu noch San Marino, Andorra, Liechtenstein.......

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