Moleküle gegen Hepatitis-C-Virus

  • HCV-infizierte Zellen: Fetttröpfchen, in denen die Viren zusammengebaut werden (grün), ein Bestandteil des Virus (rot) und Zellkerne (blau).
    foto: twincore / t. pietschmann

    HCV-infizierte Zellen: Fetttröpfchen, in denen die Viren zusammengebaut werden (grün), ein Bestandteil des Virus (rot) und Zellkerne (blau).

Neue Therapieansätze nutzen kleine Moleküle, die bestimmte Schritte der Virus-Vermehrung hemmen

Braunschweig - Weltweit sind rund 160 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) infiziert, das zu den häufigsten Ursachen von Leberzirrhose und Leberkrebs zählt. Als klassische Medikamente gegen das Hepatitis C-Virus nutzen Mediziner Interferone. Diese Botenstoffe kommen auch natürlich im menschlichen Körper vor und regulieren Entzündungsreaktionen des Immunsystems. Allerdings ist die Interferon-Therapie langwierig, teuer und mit teilweise gravierenden Nebenwirkungen verbunden.

Als Hoffnungsschimmer gelten seit einigen Jahren kleine Moleküle, die direkt gegen das Virus wirken, allen voran die sogenannten Protease-Hemmer. Diese verhindern die Produktion neuer Virus-Partikel, denn HCV lässt seine einzelnen Bestandteile "in einem Stück" von der Wirtszelle produzieren und schneidet diese hinterher mit bestimmten Enzymen, den Proteasen, auseinander. Weil aber das Hepatitis C-Virus sehr variabel ist, kommt es schnell zur Ausbildung von Resistenzen und die Protease-Hemmer verlieren ihre Wirksamkeit.

Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig berichten in der Fachzeitschrift "Journal of Biological Chemistry" davon, dass sie neue Moleküle entdeckt haben, die auch gegen solche resistenten Viren wirksam sind.

Vielversprechender "Finger"

Wissenschaftlern aus der Arbeitsgruppe von John Collins am HZI ist es nun gelungen, neue Kleinmoleküle zu identifizieren, die gegen HCV wirken. "Unsere neuen Moleküle nutzen mehrere Angriffspunkte, um die virale Protease zu hemmen. Darunter auch einen von Protease-Hemmern bisher nicht genutzten Bereich", erklärt Jonas Kügler vom HZI. "Dadurch sind die Moleküle wirksam gegen resistente Viren und wir erwarten, dass die Ausbildung von neuen Resistenzen erschwert wird", ergänzt sein Kollege Stefan Schmelz.

Zur Entwicklung der Moleküle nutzten sie einen Ansatz, der zwei verschiedene Taktiken kombiniert: In einem speziellen Auswahlprozess, der "empirischen Selektion", suchen die Forscher zunächst nach kleinen Eiweißstoffen, die besonders fest an die gewünschte Zielstruktur im Hepatitis C-Virus binden. Geeignete Kandidaten werden anschließend im nächsten Schritt, dem "rationalen Design", leicht verändert und dadurch weiter optimiert. So erhalten die Wissenschaftler Moleküle, die durch die starke Bindung schon bei geringer Konzentration eine hohe Hemmwirkung haben. Allen Molekülen ist eine neue Struktur gemeinsam, welche die Forscher "Tyrosin-Finger" nennen. Dieser "Finger" bindet an einer Stelle der Virus-Protease, die bisherige Moleküle nicht genutzt haben.

"Wir erwarten nicht, dass die entwickelten Moleküle direkt als antivirale Medikamente benutzt werden können. Für die Entwicklung neuer Medikamente gegen resistente Viren sind unsere Ergebnisse aber von großer Bedeutung", ist John Collins überzeugt. (red, derStandard.at, 9.11.2012)

Share if you care
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.