Leopold-Ungar-Preis an Elisabeth Steiner

9. November 2012, 09:47
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Kärntner STANDARD-Redakteurin für Saualm-Berichte ausgezeichnet - Kein Online-Hauptpreis wegen "prekärer Arbeitsbedingungen" - Steiners Dankesrede und Jury-Begründung in der Kategorie Online im Wortlaut

Elisabeth Steiner, die für den STANDARD aus und über Kärnten berichtet, erhielt Donnerstagabend den Prälat-Leopold-Ungar-Preis der Caritas, dotiert von Raiffeisen, für herausragende journalistische Leistungen zu sozialen Themen. Steiner überzeugte in der Kategorie Print mit ihrer Berichterstattung über die inzwischen geschlossene "Sonderbetreuungsanstalt für mutmaßlich kriminelle Asylwerber" auf der Saualm in Kärnten.

Steiner habe seit der Eröffnung der "Saualm" stets die jahrelangen Auseinandersetzungen bis hin zu ihrer Schließung dokumentiert und ihre Kritik an der Einrichtung immer wieder erneuert. "Das  Aufdecken von skandalösen und menschenrechtswidrigen Zuständen, sodass darüber nicht mehr hinweggesehen werden kann, dieser wichtigen Aufgabe des kritischen Journalismus wird Elisabeth Steiner voll gerecht", urteilte die Jury. Steiner habe ihre Einwände trotz einiger Widrigkeiten immer weiter formuliert und damit die Aufgabe kritischer Bundesländerberichterstattung vorbildlich erfüllt.

Weitere Preisträger

Die weiteren Preisträger: In der Kategorie TV wurde am Donnerstag Abend der Journalist Florian Kröppel für den Film "Bettler" in der Sendereihe "kreuz und quer" der ORF Hauptabteilung Religion im Fernsehen ausgezeichnet. In der Kategorie Hörfunk überzeugte Sarah Bárci mit dem Beitrag "Es wäre dann Zeit zu gehen" in der Ö1-Sendereihe "Moment Leben heute". Alexia Weiss erhielt für den Blog "Jüdisch leben" der "Wiener Zeitung" einen Förderpreis. Das Redaktionsteam der Integrationsseite der "Wiener Zeitung" wurde aufgrund des hervorragenden und nachhaltigen Engagements ebenfalls mit einem dotierten Förderpreis ausgezeichnet.

Kein Online-Hauptpreis wegen "prekärer Arbeitsbedingungen"

In der Kategorie Online wurde kein Hauptpreis vergeben. Die Begründung der Jury im Wortlaut: "In der Kategorie Online konnte die Jury heuer leider keine Haupt- und Anerkennungspreise vergeben. Das hat mit zweierlei zu tun.

Erstens, weil es, im Unterschied zu den anderen Kategorien, nur relativ wenig Einsendungen für den Prälat-Ungar-Online-JournalistInnenpreis gab.

Zweitens, weil keine der Einsendungen in allen Punkten den hohen Qualitätsansprüchen für diese Auszeichnung gerecht wurde.

Mancher eingereichte Beitrag war gar nicht unter als Journalismus einzuordnen, sondern hat eher die Internetpräsenz menschenrechtlich engagierter Gruppen dokumentiert. Über die Gründe dafür lässt sich nachdenken: Vielleicht ist - erstens - noch nicht gut genug bekannt, oder es wurde in der Zwischenzeit wieder vergessen, dass der Prälat-Ungar-JournalistInnenpreis seit 2010 auch in der Kategorie Online vergeben wird. Sollte das der Fall sein, so sei das hiermit in Erinnerung gerufen!

Vielleicht hat es - zweitens - damit zu tun, dass mancher Produzent, manche Produzentin von hochqualitativem Onlinejournalismus noch nicht auf die Idee gekommen ist, sich für einen Menschenrechtspreis zu bewerben. Zu denken ist hier zum Beispiel an Aufdecker-Plattformen oder Blogs verschiedener Art.

Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, dass die Arbeitsbedingungen im Onlinejournalismus in Österreich prekär sind. Dadurch fehlt MitarbeiterInnen schlicht die Zeit für das Sich-Konzentrieren auf Menschenrechtsthemen, denn diese Themen sind meist exklusiv und somit rechercheintensiver als Nachrichten, die auch über die Presseagenturen laufen.

Wer mit Löhnen auskommen muss, die mehrere Jobs gleichzeitig notwendig machen, um genug Geld zum Überleben zu verdienen, wie es im Onlinejournalismus leider gang und gäbe ist, kann sich nicht vertiefen. Solche Einkommensverhältnisse verunmöglichen journalistische Qualität. In diesem Sinne ist schwer zu hoffen, dass die derzeit wieder laufenden Verhandlungen der Gewerkschaft mit den Zeitungsherausgebenr über einen Gesamtkollektivvertrag, der auch Online miteinbezieht, im Februar kommenden Jahres erfolgreich abgeschlossen werden, wie es das Ziel beider Verhandlungspartner ist." (red, derStandard.at, 9.11.2012)

Im Wortlaut
Leopold-Ungar-Preis an Elisabeth Steiner: Ihre Dankesrede im Wortlaut

Zum Thema
Offener Brief an die Jury des Leopold-Ungar-Preises
- Wir bedauern, dass in der Kategorie Online kein Hauptpreis vergeben wurde und können kein Verständnis für die Begründung aufbringen

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