Prozess in Wien: Züchtigung des "kleinen Teufels"

8. November 2012, 20:08
68 Postings

Paar soll dreieinhalbjährige Tochter misshandelt haben

Wien - "Wie haben Sie Ihre Tochter verdroschen?", will Christina Salzborn, Vorsitzende des Schöffengerichtes, wissen. "Ich habe sie nie verdroschen", antwortet Natascha D. ihr. "Das ist eine Frage der Definition." "Ich habe nie voll durchgezogen." "Wenn Sie bei einer Dreieinhalbjährigen durchziehen, fliegt sie durch die ganze Wohnung." " Das war nie."

Prozesse um Kindesmisshandlung stellen an die Justizmitarbeiter immer hohe emotionale Anforderungen. Im Verfahren gegen Natascha D. und ihren Ex-Lebensgefährten Thomas S. wegen "Fortgesetzter Gewaltausübung" (Höchststrafe fünf Jahre) gegen D.s Tochter Angelina sind sie hoch. Wie es Angelinas Krisenpflegemutter ausdrückt: "Ich mache das seit 27 Jahren und habe über 100 Kinder gehabt. Aber so einen Fall habe ich noch nie erlebt."

Belastende Befunde

Zwischen April und Juni 2011 soll das Paar das Kind gequält haben, wirft Staatsanwältin Sabine Rudas-Tschinkel ihnen vor. Nicht nur die klaren Aussagen des Kindes belasten die beiden, sondern auch die medizinischen Befunde.

Am 13. Juni des Vorjahres war die Mutter mit dem Kind wegen dessen blutender Nase ins UKH Meidling gekommen. Es soll ein Unfall in der Dusche passiert sein. Der behandelnde Arzt schildert: "Als ich das Kind gesehen habe, habe ich die Polizei verständigt." Die Kleine habe gesagt: " Das ist der neue Papa, der tut mir immer so weh." Beim Röntgen wird ein Oberarmbruch diagnostiziert, der mindestens eine Woche alt sein musste, überall waren Hämatome.

Maximal "Klapserl auf den Popo"

Natascha D. kann sich nicht wirklich erklären, woher die kommen sollen. Die verstockte 29-Jährige erzählt zunächst, dass sie selbst maximal ein "Klapserl auf den Popo" verabreicht habe. Aber das Kind sei manchmal "ein kleiner Teufel" gewesen.

Doch, die Blutergüsse habe sie bemerkt, das sei aber ihr Ex-Freund, heute 22, gewesen. Aufgefallen ist ihr auch, das der das Kind im Kasten eingesperrt hat. Ihm gedroht hat, es aus dem Fenster zu werfen. Warum Angelina sagt, dass ihr "die Natascha" den Mund mit Paketband verklebt hat, weiß sie nicht.

"Dass ich dann auch eine kassiere."

"Warum haben Sie nie gesagt: 'Finger weg von meinem Kind!'?", fragt die Staatsanwältin. "Weil ich gedacht habe, dass ich dann auch eine kassiere." "Sie lassen lieber Ihr Kind schlagen als sich selbst?", fragt Rudas-Tschinkel fassungslos. D.s Anwalt Gerald Göllner meint übrigens, "Ich habe dich nicht mehr lieb" zu sagen sei weit schlimmer als eine Ohrfeige.

Thomas S. gesteht selbstbewusst zwei bis drei Ohrfeigen im Monat und belastet "Frau Natascha D.". Den Arm habe er dem Kind, von dem er sich "manchmal verarscht" gefühlt habe, nicht gebrochen. Auch, dass er gedroht habe, sein Hund beiße ihr den Hals durch, leugnet er. Er gibt aber eine neue Begründung: Der Kokainkonsum des Duos habe die Hemmschwelle gesenkt.

Im Dezember wird fortgesetzt. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 9.11.2012)

Share if you care.