Jugendwohlfahrt in Vorarlberg wird modernisiert

8. November 2012, 20:03
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Mitarbeiter können bei Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls Polizeiakten einsehen

Bregenz - Die Vorarlberger Jugendwohlfahrt wird verbessert. Eine Expertengruppe, die nach dem gewaltsamen Tod des dreijährigen Cain im Jänner 2011 von der Landesregierung eingerichtet wurde, schlug 14 Maßnahmen vor: Ein Kompetenzzentrum für Kinderschutz, der Ausbau der Gewaltberatung für betroffene Eltern und klar geregelter Informationsfluss zwischen den Behörden sind die wesentlichen.

Das qualvolle Sterben des Kleinkindes, das vom Freund der Mutter erschlagen wurde, und die Kritik der Bevölkerung an den Behörden hatten die politisch Verantwortlichen wachgerüttelt. Sie ließen Experten den Informationsfluss zwischen den Behörden analysieren, Maßnahmen zur Verbesserung der Jugendwohlfahrt erarbeiten.

Nun liegt der Schlussbericht der Kommission vor. Auf 68 Seiten wird penibel geschildert, wie und ob die 14 vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt wurden. Sie wurden. Bis auf eine, die Abfragemöglichkeit für die Jugendwohlfahrt aus dem Strafregister. Die Abfrage soll das für 2013 geplante Kinder- und Jugendhilfegesetz ermöglichen.

Bessere Situation für Sozialarbeiter

Der Informationsfluss zwischen den Behörden wurde standardisiert. Mitarbeiter der Jugendwohlfahrt können bei Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls den kriminalpolizeilichen Aktenindex, die Gewaltschutzdatei und das Melderegister einsehen. Wer Verdachtsmomente bei der Jugendwohlfahrt anzeigt, bekommt nun eine Bestätigung, in bestimmten Fällen auch eine Rückmeldung. Hintergrund: Cains Peiniger war wegen Gewaltdelikten vorbestraft. Das Jugendamt wusste nichts davon. Anzeigen einer besorgten Verwandten blieben bei der Jugendwohlfahrt liegen.

Besser soll auch die Situation der (überlasteten) Sozialarbeiter werden. Man will Personalengpässe abbauen, an den Bezirkshauptmannschaften wurde Personalentwicklung eingeführt. Das neue Kompetenzzentrum für Kinderschutz organisiert Weiterbildung nach neuesten Forschungsergebnissen. (jub, DER STANDARD, 9.11.2012)

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