Stronachs Statthalter, der nicht streiten will

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  • Robert Lugar will Visionen in Politik umsetzen.
    foto: cremer

    Robert Lugar will Visionen in Politik umsetzen.

Sein politischer Weg war nicht besonders stringent, sein beruflicher auch nicht: Robert Lugar

Als Klubobmann des nun auch offiziell im Parlament vertretenen Team Stronach des austrokanadischen Milliardärs dürfte Robert Lugar wieder mehr gehört werden. Von Politikerkollegen und auch von den Medien. Denn das sei in seiner fast eineinhalbjährigen Zeit als wilder Abgeordneter das Schlimmste gewesen: Keiner habe sich für seine Meinung interessiert. Wobei es ihm gar nicht um Parteipolitik oder Ideologien gehe, wie er sagt. Für den 42-jährigen Tiroler, der seit 24 Jahren in Niederösterreich lebt, zähle nur Österreich. Deshalb sei er unter Jörg Haider zur FPÖ gekommen. Um mitzumachen beim Kampf gegen Proporz und Verfilzung. Deshalb sei er mit Haider auch von der FPÖ zum BZÖ gewechselt.

Nach Haiders Tod sei aber alles anders geworden. Jetzt will Lugar Frank Stronachs Visionen und Werte politisch umsetzen. Wie sein politischer war auch sein beruflicher Weg nicht stringent. Nach Volks- und Hauptschule in Innsbruck machte der junge Lugar erst eine Lehre zum Elektrotechniker, bevor er die Matura nachholte und in Wien Politikwissenschaften - "nicht fertig"- studierte.

Ex-Judoka

Um seinen Lieblingssport ernsthaft ausüben zu können, verpflichtete sich der Judoka zwischendurch beim Bundesheer. Er war zwar im Judo-Nationalteam, aber "nicht besonders erfolgreich".

Das mit dem Judo sei aber mittlerweile vorbei, und auch für Hobbys hat Lugar, verheiratet und zweifacher Familienvater, keine Zeit. Eigentlich auch keine Lust, denn mittlerweile hat er ohnehin sein Hobby Politik zum Beruf gemacht. Seine Firma, sie liefert Technik zur Wasseraufbereitung, wird er - wegen Unvereinbarkeit mit seiner politischen Funktion - seiner Mutter schenken.

Künftig will er ausschließlich Vorreiter einer neuen Politik sein. Es sollte wieder weniger gestritten werden, die Wadlbeißerei müsste aufhören. Politiker sollten sich die Hände reichen und Probleme lösen. Von Überalterung bis Klimawandel, von Euro bis Gesundheit und Verwaltung: Konsens heißt Lugars Zauberwort. Neue Lösungsansätze gibt es nicht. Man müsse nur die Berichte des Rechnungshofes lesen. Und dann etwa die Bezirkshauptmannschaften abschaffen. Beruflich und damit auch zur Entspannung liest Lugar Sachbücher. Zuletzt Thilo Sarrazins Europa braucht den Euro nicht. Dass es in der Politik etwas noch Besseres als das Team Stronach gebe, kann sich Lugar nicht vorstellen. Sonst habe er nicht mehr viel Hoffnung für sich und Österreich. (Verena Langegger, DER STANDARD, 9.11.2012)

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