Bière Brut: Champagnerbier

Conrad Seidl über die Probleme, einem raren Bierstil gerecht zu werden

Es ist schon nicht einfach, ein Pils zu bewerten. Oder gar drei Dutzend davon. So viele waren am vergangenen Wochenende zur "Brussels Beer Challenge" nominiert - einem Wettbewerb, bei dem Bierjournalisten aus aller Welt die besten unter 500 Bieren aller möglichen Stile herausfinden sollten. Die Pilsner waren sauber eingeteilt in German Style, Bohemian Style und American Pre-Prohibition - und, ehrlich gesagt: Die eingereichten Biere der letzteren Kategorie haben wenig hergegeben. Aber bei den Pils-Bieren deutscher und böhmischer Art kann man trefflich streiten, wie viel Malzcharakter im Pils deutscher Art und wie viel Vollmundigkeit im Pilsner böhmischer Art erwünscht sind.

Immerhin gab es nach einiger Diskussion eine Goldmedaille für das Polestar-Pilsner der Left Hand Brewery in der deutschen und für das Svátecní lezák von Bernard in der böhmischen Kategorie.

Gold für das "Malheur Bière Brut"

Und dann eine kleine, feine Gruppe von Bieren: Bière Brut - drei Einreichungen, da würde man ja schnell über Gold, Silber und Bronze einig werden. Es gibt ja auch nicht so viele Brauereien, die sich die Mühe machen, ein Bier mit Champagnerhefe in der Flasche einer zweiten Gärung zu unterziehen - man kennt international vor allem das "Deus" von Bosteels in Buggenhout und dessen lokalen Mitbewerber Malheur, gerade 700 Meter entfernt. Aber inzwischen gibt es auch italienische und brasilianische Vertreter des Stils, mit Gerhard Forstners "Brewsecco" sogar einen steirischen.

Gold war allen sofort klar - alle Juroren hatten die extrem helle und trockene Probe (man konnte sie für das "Deus" halten, es war aber das "Malheur Bière Brut") vorne. Aber was tun mit den anderen? Da gab es eine extrem interessant schmeckende Probe, viel dunkler, viel vollmundiger als der Gewinner, zudem mit einer leichten Holznote. Sicher das komplexeste Bier dieser Runde - aber darf ein Bière Brut im Holzfass gereift sein? Die Stildefinition sagt nichts darüber. Wichtiger noch: Kann man ein vollmundig schmeckendes Bier wirklich noch als "Brut" bezeichnen? Das galt letztlich auch für die dritte Probe, ein helles, hoch aromatisches, aber eben doch ein wenig süßliches Bier.

Die Lösung: Gold für das "Malheur Bière Brut", keine Silbermedaille, sondern "nur" Bronze für das holzgereifte kalifornische "North Coast Grand Cru" und eine ehrenvolle Erwähnung für die "Riserva Speciale" von Birra Amarcord. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 9.11.2012)

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