Theater-Voodoo im Wunderland

"Wenn du nicht weißt, was du willst, ist es auch egal, was du tust" von God's Entertainment

"Unentdeckte Theaterräume" möchte das Wiener Performancekollektiv God's Entertainment in seinem Programm Wenn du nicht weißt, was du willst, ist es auch egal, was du tust erforschen. Eine Vorgabe, die ebenso viel Spielraum lässt wie die Verwendung von Alice im Wunderland als Bezugspunkt der fantastischen Entdeckungsreise - besonders wenn Lewis Carrolls Kinderbuchklassiker nur sehr peripher gestreift wird.

Die Konventionen des klassischen Theaters werden gleich zu Beginn abgeschüttelt. Nachdem die Zuschauer ihre per Zufallsgenerator ermittelten Plätze im als Zauberwald gestalteten Saal des Wiener Wuk eingenommen haben, verbeugen sich die Performer für einen vorgezogenen Schlussapplaus. Anschließend geht es dem als antirevolutionäres Vergnügen der Bourgeoisie gegeißelten Theater in Form einer kulturtheoretischen Voodoo-Zeremonie an den Kragen. Mittlerweile tief unten im Kaninchenbau gelandet, setzt sich die von zwei blinden und zwei schwarzen Gästen unterstützte Truppe mit Fragen der Selbst- und Fremdwahrnehmung in Zeiten von Facebook und Youtube auseinander.

Das Publikum darf Nestroy-Popcorn und Max-Reinhardt-Zigaretten konsumieren, während sich die Akteure einer in ihrer Kreativität zwar größtenteils kurzweiligen, in Summe aber auch recht willkürlich wirkenden Nabelschau hingeben. Man duscht beispielsweise mit Cola, schaut Pornos und lässt die eigene Identität von einer Wahrsagerin analysieren. Wenige ausgewählte Besucher, die durch all den Bahö zur Kenntnis ihrer wahren Wünsche gelangten, dürfen sich immerhin Hoffnung machen, diese hinter der Bühne erfüllt zu bekommen. Die Masse bleibt mit Popcorn-Resten zurück. (wall, DER STANDARD, 9.11.2012)

Bis 10. 11.

 

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