Wahlergebnis frühestens am Samstag

8. November 2012, 18:39
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Auszählung der Briefwahlzettel verzögert Bekanntgabe - Kritik an Wahlmodalitäten

Tallahassee - US-Präsident Barack Obama ist längst im Amt bestätigt - doch auch Tage nach der Wahl steht noch nicht fest, ob er auch den Bundesstaat Florida für sich entscheiden konnte. Erst am Samstag soll nun das Endergebnis verlautbart werden. Probleme macht laut Angaben der Wahlbehörde vor allem die unerwartet hohe Zahl von rund 200.000 Briefwahlstimmen, deren Auszählung erst nach dem Wahltag begann.

Knapp 0,5 Prozentpunkte oder 50.000 Stimmen trennten Obama zuletzt im provisorischen Zwischenstand von seinem Konkurrenten Mitt Romney. Auch provisorische Wahlzettel sorgen noch für Unklarheiten. Diese mussten all jene Wähler ausfüllen, deren Wahlberechtigung nicht an Ort und Stelle im Wahllokal überprüft werden konnte.

Erinnerung an Jahr 2000

Für die Dauer der Auszählung ist außerdem der Umfang des Wahlzettels verantwortlich: Elf teils kompliziert formulierte Gesetzesvorlagen wurden den Bürgern darauf vorgelegt.

Schon vor der Abstimmung gab es Befürchtungen, das Chaos des Jahres 2000 könnte sich wiederholen. Damals dauerte es wegen Problemen bei der Auszählung Wochen, bis der Ausgang der Präsidentschaftswahl feststand.

Dabei hatte es seither umfangreiche, von beiden Parteien getragene Bemühungen gegeben, die Abhaltung der Wahlen in Florida zu verbessern. Im vergangenen Jahr allerdings krempelte der republikanische Gouverneur Rick Scott diesen Prozess noch einmal um. Begründung war der Kampf gegen angeblichen Wahlbetrug.

Kritiker halten ihm und den republikanischen Abgeordneten des Bundesstaates allerdings die Absicht vor, Wahlen bewusst zu ihren Gunsten zu verzerren. Stein des Anstoßes war eine Überprüfung der Wählerlisten im Frühjahr, bei der vor allem Wähler mit hispanisch klingenden Namen in den Fokus der Untersuchungen geraten sein sollen.

USA-weit zeigt sich - vorerst ohne Berücksichtigung der Briefwahlstimmen -, dass Obamas Sieg wesentlich deutlicher ausgefallen ist als Demoskopen im Vorhinein prophezeiten: Der Amtsinhaber bekam 60,7 Millionen Stimmen und distanzierte Romney, der 57,9 Millionen erhielt, um 2,8 Millionen Stimmen. Würde der Präsident also allein durch ein "popular vote" gekürt, hätte Obama mit 50,4 Prozent sehr deutlich über Romney mit 48,1 Prozent gewonnen. (mesc, DER STANDARD, 9.11.2012)

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