Obama und das Finanzloch

Kommentar | Andreas Schnauder
8. November 2012, 19:21

Die Alterung der US-Gesellschaft wird die Schuldenprobleme drastisch vergrößern

Würde man die Börsen als Gradmesser für die wirtschaftlichen Auswirkungen des US-Wahlausgangs heranziehen, könnte der Frust kaum größer sein. Mit einem Minus von deutlich mehr als zwei Prozent beendeten die wichtigsten Indizes den Tag des Urnengangs, obwohl der Sieg von Barack Obama nicht ganz überraschend kam. Ein genauerer Blick auf einzelne Aktientitel zeigt, dass allein die sechs größten Bankenwerte einen fiktiven Verlust von 37 Milliarden Dollar verschmerzen mussten - Bank of America war mit minus sieben Prozent der Top-Flop.

Die Wall Street habe auf das falsche Pferd gesetzt, jubilierte Star-Ökonom Paul Krugman. Tatsächlich hat die Elite der Finanzwirtschaft Mitt Romney politisch und finanziell unterstützt. Allein Einzelpersonen aus der Finanz-, Versicherungs- und Immobilienwirtschaft spendeten 52 Millionen Dollar an den republikanischen Kandidaten und somit fast das Dreifache der Zuwendungen, die an den Anführer der Demokraten gingen. Man muss kein Prophet sein, um den Schluss zu ziehen: Die Wall Street wird sich auch in der zweiten Amtszeit Obamas gegen striktere Regulierung zur Wehr setzen.

Riskante Geschäfte eingeschränkt

Allerdings haben bereits einige Reformen den Kongress passiert, eine Verwässerung wird nicht leicht sein. Die Demokraten können ihren Einfluss auf die wichtigen Aufsichtsbehörden erhalten. Mit der Mehrheit im Senat und der Vetokarte in den Händen des Präsidenten dürfte ein allzu großer Rückbau des Regulierungsgerüsts (bekannt unter Dodd-Frank-Act), das beispielsweise den Eigenhandel der Banken und riskante Geschäfte einschränkt, unmöglich sein.

Ob Washington bei den Plänen zur Aufspaltung überdimensionierter Finanzkonglomerate weiterkommen wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls zeigen die Details, dass der Absturz der Bankenwerte doch nicht zu unbegründet gewesen sein dürfte.

Für die breiten Massen noch zentraler ist das drohende Auslaufen diverser Steuerbegünstigungen, die nicht zuletzt Folge des politischen Patts im Kongress sind. Zwar wurden nach Ende der Wahlschlacht von beiden politischen Lagern versöhnliche Töne angestimmt, doch von den extremen Positionen wird vorerst nicht abgewichen. Es wäre nicht ganz überraschend, wenn wieder einmal der kleinste gemeinsame Nenner die größten Konsenschancen hätte und die "fiscal cliff" nur umschifft wird. Die notwendigen Mittel für Arbeitsmarktpolitik und Bildung (insbesondere für untere Schichten) fehlen so oder so und nicht zuletzt wegen fragwürdiger Konjunkturschecks Obamas. Der American Dream droht mangels Chancengleichheit ausgerechnet unter demokratischer Präsidentschaft endgültig zur leeren Phrase zu verkommen.

Verschuldung

So gravierend die Situation bereits sein mag, sind das nur die Vorboten viel größerer künftiger Belastungen. Dabei trifft die USA die Alterung der Gesellschaft mit voller Wucht, stärker noch als die meisten europäischen Länder. Nach Expertenberechnungen würde die Verschuldung ohne Gegenmaßnahmen bis 2050 auf 400 Prozent der Wirtschaftsleistung explodieren. Lediglich Japan steht noch schlechter da. Die Ratingagenturen scharren wieder in den Löchern.

Eine virulente Dollar-Schuldenkrise wird derzeit von der Notenbank verhindert, die das riesige Defizit bereitwillig abdeckt. Dass die Politik der Staatsfinanzierung via Notenpresse dauerhaft gutgeht, darauf sollte Obama besser nicht vertrauen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 9.11.2012)

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schon ok dass im standard auch

neoklassisch-finanzmarktgläubige kolumnisten schreiben dürfen.

aber fachlich kompetent sollten sie wenigstens sein.

schnauder saugt sich willkürlich irgendeinen schmarrn aus den fingern den er dann gegen obama oder die demokraten verwenden kann, offensichtlich aus lauter ärger dass kein finanzmarkt-apostel präsident geworden ist

Die auslaufenden Steuerbegünstigungen,

die laut Kommentar "die breite Masse eher betreffen", betreffen nur Millionäre.

Naja - die VP definiert "Mittelstand" so, der Kommentator halt die "breite Masse".

Keine Sorge, die US-Bürger haben bei der Wahl ihres Präsidenten richtig entschieden...

...das Finanzloch wird sich demnächst schon durch den jetzt möglichen Import von billigerem libyschen Öl ausgleichen lassen...

Nur leider ist noch der Import von iranischem Öl etwas teuer...
Der clevere Friedensnobelpreisträger wird sicher auch dieses Problem wie schon gewohnt gekonnt lösen...

Bin jetzt schon neugierig wo die USA in 4 Jahren steht.
Über Europa braucht man sich wirklich keine Gedanken mehr machen denn Merkel wird den Rest auch noch in eine Rezession zwingen.

...ach ja?

...da ist Europa mit einem kleinen Inflatiönchen doch allemal besser bedient...

Sie meinen Deflation, oder? In Kombination mit einer schweren Rezession.

Es gab tatsächlich einmal einen Präsidentschaftskandidaten, der für ein bedingungsloses Grundeinkommen plädiert hat:

http://de.wikipedia.org/wiki/Geor... e_McGovern
Heutzutage bekäme er sofort das Etikett "spinnender Gutmensch" aufgeklebt...

Danke, war ein interessanter Link mit g.McGovern. Aber es war zu seiner Zeit auch nicht all zu viel besser.
Die Menschen schauen nicht über den Tellerrand und alles, was als "Unterstützung für arbeitsscheue Wesen" gedeutet werden kann, wird verteufelt.

Eine gute Analyse zur Defizitsituation

der USA und Obamas Rolle darin:

http://tinyurl.com/cvoe8wk

Woher kommt die Aussage,

dass die Überalterung die USA stärker als Europa treffe? Gibt es dafür irgendeinen Beleg?

Wenn nicht, halte ich das eher für Wunschdenken.

1.) Die Geburtenrate liegt in den USA bei etwa 2 Kindern bei Frau - in Europa in den meisten Ländern bei unter 1,5;
2.) Die USA haben ein rege Zuwanderung - Zuwanderer sind wohl meist jung bzw. haben einen großen Teil des Erwerbslebens vor sich;
3.) Die US-Bevölkerung wächst daher massiv - heute 305 Millionen - vor zehn Jahren noch 260 Millionen.

die amis haben aber mehr kinder

sind ausserdem bei reformen (sprichwort sozialkürzungen) wesentlich schneller und flexibler als europäer.
auch gibts dort keine staatlichen kassen im europäischen sinn.

also ersthaft, bevor wir uns gedanken über die amerikanische überalterung machen, sollten wir uns wirklich um uns selbst kümmern.

würde auch annehmen, dass die demographie mit verstärkter immigration ausgeglichen wird, d.h. noch massiver als in europa. der hinweis wr aber trotzdem interessant

offensichtlich überhaupt keine ...

... Idee, wie die wirklich beinander sind!

Und immer wieder jene,

die einfach nicht kapieren wollen, dass "Überalterung" mehr Probleme löst als sie schafft.
Wie dumm kann man eigentlich sein um nicht zu verstehen, dass der Planet aber schon das geringste Bevölkerungswachstum schon längst nicht mehr aushält.

Bevor die Pensionen (früher wurde auch zwischen Pensionen und Renten unterschieden) eingeführt wurden, sollte dieses monatliche Geld dazu dienen, dass man im Alter nicht hungert und friert. Was heute, vor allem unter den Menschen, die sich selbst ihre Pensionen "genehmigen", an Beträgen kassiert wird, ist oft schon krass. Eine monatliche Grundpension sollte her und wer mehr will, muss sich das selbst ansparen.Und das für Alle, AG und AN.
Dann hätte der Staat viel weniger Minus in seinem Budget.

Nur weil in Europa und Nordamerika die Bevölkerung altert,

heißt das nicht, dass das Bevölkerungswachstum weltweit gedrosselt wird.

Die Wachstumsraten finden sie vor allem in Südamerika, Afrika und Asien

Stimmt leider

Allerdings ist es so, dass wir die Bevölkerungsexplosion schon rein mathematisch nur mit einer Phase der "Überalterung" überwinden werden können. Wir sollten uns daher darüber freuen und "Überalterung" nicht als etwas Negatives darstellen lassen.

Die Börsen sind so ziemlich der dümmste Gradmesser von allen. Draußen regnets? IBM-AKTIEN VERKAUFEN!!!!! Und wenn dann noch ein Windstoß durch die schmale Wall Street bläst, geraten sie sowieso in Panik und richten ein Massaker an.

Börsianer sind ein merkwürdiges, feiges Volk.

Ja, Geld ist ja heutzutage "ein scheues Reh" wird ja immer verkündet. Da müssen die Finanzjongleure vorsichtig sein. Und von Vorsicht zu Feigheit ist kein langer Weg.

Komischer , nichtsaussagender artikel. Da kann man gleich kaffeesud lesen.

Jessas, die Überalterung

....und wie wird China mit der Überalterung durch die EinKind Politik reagieren? Wie Japan? Durch Einwanderung?
China, der Patient von Morgen!

Die chinesen sind hier nicht viel schlimmer dran als wir -allein werden ihre SOE seit jahrzehnten vorbereitet auf diese tastache und sie übernhemen ja auch jetzt schon die Rolle der pensionskassen.

Aber vor allem ist die sparquote der Chinesen unerreicht und nicht mit EU oder gar USA zu vergleichen auch das Haushaltsbudget ist weitaus besser gestaltet.

In Europa sollten wir aufhören uns um China "Sorgen zu machen" das ist Zeitverschwendung WIR haben in Zukunft die schwierigere Situation.

Die Verarmung grosser Bevölkerungsteile noch viel mehr.

der Wahlkampf hat 6 Milliarden gekostet.

Eine Inseratenblase bei der dem Ostermeyer und dem Faymann die Augen glasig wurden.

Das witzige daran - das Geld wurde in Müll umgewandelt.

Wir dürften wirklich die Spitze des abtauenden Eisberges erreicht haben.

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