Das regeln wir ohne die Redskins

8. November 2012, 18:34
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Die "Redskins Rule" wurde zum zweiten ersten Mal in ihrer Geschichte widerlegt. Barack Obama bleibt, trotz Carolina, Präsident der USA und darf sich darüber hinaus noch über 51 Punkte seines Teams freuen

Herr Obama ist Fan der Chicago Bears. Als solcher hat er sicher schon schlimmere Zeiten erlebt. Die Bears, bislang mit einer für sie sehr freundlichen Schedule ausgestattet, zerlegten die Tennessee Titans 51 zu 20. Die stärksten Gegner Chicagos heuer waren bislang die Green Bay Packers. Und genau gegen diese setzte es auch eine Niederlage. Ansonsten hatte man Spaß mit der B-Schicht: Bei Dallas, Jacksonville, St. Louis und Carolina schaut Detroit zwischendurch schon richtig wie ein starker Gegner aus. Die ganze Wahrheit kommt daher in den kommenden zwei Wochen auf den Tisch. Sonntagnacht gegen Houston und übernächste Montagnacht in San Francisco. Dann schauen wir nach, ob Obama immer noch gut drauf ist, denn danach wären zwar weiterhin Jausengegner gut, aber leider fast aus: Zwei Mal Minnesota, Green Bay, Seattle, Arizona, Detroit. Ein Platz in den Playoffs ist den Bären aber so gut wie sicher. Von einer Bye darf man ja träumen.

Schlimme Auswirkungen hätte für Obama in Woche 9 die Niederlage der Washington Redskins gegen die Carolina Panthers haben sollen. Die „Redskins Rule" besagt(e) nämlich (einmal), dass nur bei einem Sieg der Redskins vor der Wahl zum US-Präsidenten, auch die Partei des Amtsinhabers gewinnt. Von 1940 bis zum vergangenen Dienstag war das auch so. Mit einer Ausnahme: 2004 verloren die Redskins 14:28 gegen Green Bay, Bush schlug als Amtsinhaber aber Kerry. Da die Demokraten jedoch die Wahl nach Gesamtstimmen gewonnen hatten, wurde der Modus vom Entdecker Steve Hirdt dahingehend modifiziert. Mit dem Winkelzug hielt man die Regel als weiterhin gültig ein wenig notdürftig über Wasser. Mit der letzten Wahl ging sie aber endgültig unter. Gemeinsam mit den Redskins und Romney.

Die Dritten

Der US-Botschafter in Wien, William Eacho III, ist bekennender Fan dieser Washington Redskins und damit auch von Robert Griffin III. Über einen dritten Platz in der zuletzt gut durchgeschüttelten NFC East würden sich WE3 und RG3 wohl gemeinsam freuen, aber ihr Team sind und bleiben vorerst die WR4. Trotz des anhaltenden Tiefs über Dallas und Philadelphia und einer (temporären?) Abwesenheit der Giants Offense, kommen die Skins nicht auf die Beine. Mit der Niederlage gegen die Panthers, es war deren erster Auswärtssieg seit dem 18. Dezember des Vorjahres, ist der Tiefpunkt erreicht. Es gibt noch einen klitzekleinen Hoffnungsschimmer: Nach der Bye Week trifft man in den letzten sieben Spielen fünf Mal auf einen Divisionsrivalen (DAL und PHI je zwei Mal, NYG dazu die AFC North mit BAL und CLE). Zwei Sweeps und ein Upset gegen NYG/BAL, dazu ein Sieg über die Browns und „schon" ist man wieder dabei. Aber bleiben wir realistisch: Washington kann mit den Planungen für die Saison 2013/2014 beginnen.

Kurz vor einer Evaluierungsphase für zukünftige Sensationen stehen auch die finsteren Fürsten von Fumblestan - Philadelphia und Dallas. Sie befinden sich beide bei 3-5 und auch ihre Quarterbacks haben ähnliche „Veranlagungen". Mit 15 (Tony Romo) bzw. 14 (Michael Vick) Turnovers, machen sie nur mehr Matt Cassel (18) Konkurrenz. Alle anderen Spielmacher haben eine innigere Beziehung zum Spielgerät. Das liegt nicht immer nur an ihnen, aber in aller Regel bleibt es an ihnen im Rampenlicht dann hängen. Wobei man dem Experiment der Eagles - de facto ohne Offensive Line Football zu spielen - zumindest von wissenschaftlicher Seite her Lob, aufgrund neuer Erkenntnisse über die Haltbarkeit von Equipment, aussprechen muss. Proband Vick findet das sicher nicht so amüsant, er kann aber froh sein, wenn er seinen Job bis Saisonende behält.

Auf Jobsuche kann sich langsam aber sicher auch Jason Garrett begeben. Der wegen der Kopfgeldaffäre gesperrte Saints Headcoach Sean Payton wurde als künftiger Dallas Cheftrainer und damit als sein Nachfolger ins Spiel gebracht. So heftig, wie alle Seiten Kontakte und Interesse dementieren, so sicher scheint, dass Garrett kein weiteres Jahr in Dallas bleiben wird. Wenn es nicht Payton wird, dem man glauben darf, dass er in New Orleans bleiben will, dann wird es halt ein anderer. Außer, es geschieht noch ein kleines Wunder, beginnend in Philadelphia.

PULS 4 in Philly, ESPN America in der Bay

Genau dieses Spiel (Philadelphia - Dallas) zeigt am Sonntag auch PULS 4 (Live Einstieg 22:40 Uhr). Nicht ganz das Goldene vom Ei, wobei das wieder durchaus sehr spannend werden könnte. Die Alternative war mit St. Louis in San Francisco (22:00 Uhr, ESPN America) auf Basis des derzeit gasförmigen Aggregatzustands der Rams zumindest am Papier noch unattraktiver. Wissen wird man es erst nachher. Um 19:00 Uhr zeigt ESPNA New Orleans - Atlanta. Der Sonntag endet sehr schön, weil mit Chicago gegen Houston (SNF, 2:20 Uhr), die Woche schließt weniger schön mit Pittsburgh - Kansas City MNF, 2:30 Uhr). Heute (Freitagmorgen 2:20 Uhr) finden Jacksonville und Indianapolis im TNF-Spiel zueinander. Dafür braucht es schon extreme Entschlossenheit und eine funktionstüchtige Espressomaschine. Oder einen Ergometer.

Sehr erfolgreich lief das letzte NFL-Spiel auf PULS 4: Das dritte Quarter (Giants-Steelers) kam auf eine durchschnittliche Reichweite von knapp 50.000 (E12+), was einem Marktanteil von 11,6% in der Zielgruppe E12-49 entspricht.

Der Falke fliegt zu hoch

Die Atlanta Falcons sind das einzig ungeschlagene Team der NFL und mit 8-0 in der NFC demnächst durch. Nun kommt New Orleans und die mag man in Georgia ganz und gar nicht. Nur zwei Siege in den vergangenen sechs Saisonen durfte man feiern, der letzte liegt über zwei Jahre zurück. Daher will man heuer unbedingt die Schwächephase seines Angstgegners nutzen und die Bilanz aufbessern. Nur hat der Lunte gerochen und nach vier Niederlagen zum Auftakt nun drei Siege aus den letzten vier Spielen am Konto. Geht da noch was? Sollten die Saints die Falcons, wie 2011, sweepen, dann womöglich schon. Atlanta passt sich häufig dem Spielniveau des Gegners an und agiert dann gerade um ein Euzerl stärker als dieser. Egal ob man den letzten der Conference spielt, oder die #4 der AFC: gewonnen wird das Ding, wenn auch oft nur knapp. Übrigens ist diese #4 - die Denver Broncos - der bislang härteste Gegner für die Falcons gewesen, deren Schedule sich wie eine „Who Is Not"-Liste liest: KC, WAS, OAK, SD und dann noch diese verhaltensauffällige Division AFC South. Man könnte sie genauso gut ein Best Of Seven gegen Jacksonville spielen lassen. Natürlich müssen sie noch nach New York zu den Giants. Das ist ja fast schon gemein.

Die Falcons werden im Divisional Playoff völlig überrascht über die Spielstärke eines Teams sein, welches sie bis dahin noch nicht gespielt haben und mit einer satten Niederlage und einem leicht verwundertem Gesichtsausdruck ihre Saison beenden. So, wie sie das immer tun. Das sagt ihnen jemand, in dessen Schrank ein Falcons Anorak hängt. Okay, der war im Abverkauf, aber ich mag die an sich ja. Nur das ist ein Potemkinsches Dorf, welches am Ende kollabieren wird. Atlanta fliegt zu hoch, weil ihre Gegner Tiefflieger sind.

Ansonsten herrscht in der NFC fast Business As Usual. Ein Platztausch zwischen Seattle (#6) und Minnesota (#7) ist zu vermelden. Die Niederlage der Vikings (5-4) gegen die Seahawks (5-4) ist gleich in mehrfacher Hinsicht bitter für sie. Ihr Restprogramm ist sehr schwer (u.a. je zwei Mal GB und CHI, dazu HOU), am Sonntag könnte man gegen Detroit (4-4) sogar weiter an Boden verlieren. Trostpflaster: Das Restprogramm der Lions ist ebenfalls ein Hammer (u.a. zwei Mal GB, dazu CHI und ATL). Die Schedule von Seattle schaut freundlicher aus, den selten konstanten Seahawks sind aber jederzeit Niederlagen gegen die AFC East Teams und natürlich auch gegen Chicago und San Francisco zuzutrauen. Von hinten geht noch Gefahr von Doug Martin aus. Der Tampa Runningback läuft sich gerade durch die Gegner in die Endzone der Herzen der Bucs-Fans. Das Ganze mit einem am Papier relativ leichten Auftrag vor sich (u.a. spielt Tampa noch SD, CAR, PHI und STL). Das alleine wird aber nicht ganz reichen bei derzeit 4-4. Ein Comeback traue ich, wie erwähnt, nach wie vor New Orleans zu, zumindest eher als den NFC East Maroden, da ihre Offense auch ohne Darren Sproles (Handbruch, wird aber in ein bis zwei Wochen wieder spielen) funktioniert und die Defense sich ganz langsam zu erfangen scheint. Alles in allem glaube ich, trotz schwerem Programm, an die Wikinger auf dem Wildcard-Spot.

Glücklich ist, wer vergisst

Auch in der AFC gab es eine Veränderung auf den Playoffplätzen. Durch den Sieg der Steelers (5-3) bei den Giants (6-3) und der Niederlage der Dolphins (4-4) in Indianapolis steht nun, wie in der Vorwoche prognostiziert, Pittsburgh am zweiten Wildcarplatz der AFC. Miami fiel sogar hinter San Diego zurück, die Colts (5-3) sitzen schon fast fest im Sattel ihrer Fohlen. Andrew Luck ist endgültig angekommen. 62,5% Completion Rate, 433 Passing Yards und zwei Touchdowns erinnern in Indy an glorreiche Manning-Tage. Vergessen ist fast schon die dunkle Saison 2011, wobei man sich an die eigentlich lange erinnern sollte. Sie hat den Colts schließlich den Luck gebracht und damit einen potentiell legitimen Nachfolger von Peyton Manning.

Darüber hinaus wird in der AFC, dabei bleibe ich, nicht mehr allzu viel gehen. San Diego und Miami sind auf Schlagdistanz, aber wie Seattle in der NFC Woche für Woche keine Bank. Egal wer der Gegner ist. Dahinter wird es noch dunkler. Ich meine, dass bis auf Kansas City (als Team) und Jacksonville (als Offense) die AFC Plätze 7-14 auf einem Level agieren und das entspricht auch ihrem jeweiligen Rang. Mir ist bewusst, es ist noch eine Hälfte des Grunddurchgangs offen, aber ich kann derzeit kein Team ausmachen, welches über die Länge in der Lage wäre sich mit Pittsburgh und Indianapolis um die Wildcard zu streiten. Die Colts werden heute Nacht außerdem 6-3 gehen und Houston damit zumindest ärgern.

NFL Woche 9:

San Diego Chargers vs. Kansas City Chiefs 31:13
Cincinnati Bengals vs. Denver Broncos 23:31
Jacksonville Jaguars vs. Detroit Lions 14:31
Indianapolis Colts vs. Miami Dolphins 23:20
Washington Redskins vs. Carolina Panthers 13:21
Green Bay Packers vs. Arizona Cardinals 31:17
Cleveland Browns vs. Baltimore Ravens 15:25
Tennessee Titans vs. Chicago Bears 20:51
Houston Texans vs. Buffalo Bills 21:9
Seattle Seahawks vs. Minnesota Vikings 30:20
Oakland Raiders vs. Tampa Bay Buccaneers 32:42
New York Giants vs. Pittsburgh Steelers 20:24
Atlanta Falcons vs. Dallas Cowboys 19:13
New Orleans Saints vs. Philadelphia Eagles 28:13
Spielfrei: New England Patriots, New York Jets, San Francisco 49ers, St. Louis Rams

Tabellen der Conferences
Playoff-Bild

  • Die Redskins verlieren ein Spiel, Obama gewinnt die Wahl...
    foto: espn images/allen kee

    Die Redskins verlieren ein Spiel, Obama gewinnt die Wahl...

  • Die "Redskins Rule" ist gebrochen. (Im Bild: US-Präsident Obama mit einem Pittsburgh Steelers-Jersey)
    foto: reuters/jason reed

    Die "Redskins Rule" ist gebrochen. (Im Bild: US-Präsident Obama mit einem Pittsburgh Steelers-Jersey)

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