ÖVAG: Sonderdividende verschönerte Bilanz

8. November 2012, 21:45
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Die Bank wurde 2008 nur durch eine halbe Milliarde Euro an Sonderdividende vor einer noch größeren Schieflage bewahrt

ÖVAG, das Spitzeninstitut der Volksbanken, wurde 2008 nur durch eine halbe Milliarde Euro an Sonderdividende vor einer noch größeren Schieflage bewahrt. Das Geld kam aus einem Buchgewinn der RZB-Beteiligung.

Wien - Die Justiz wird sich in der Causa Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) wohl auch der Bilanzen der vergangenen Jahre annehmen. Die werden in einer Anzeige, auf deren Basis die Korruptionsstaatsanwaltschaft Ermittlungen führt, thematisiert und werfen selbst rückblickend hochinteressante Fragen auf. Etwa das Zahlenwerk des ersten tiefen Krisenjahres 2008, in dem die ÖVAG einen Verlust vor Steuern von 402 Millionen Euro verbuchen musste. Und zwar obwohl sie rund eine halbe Milliarde Euro Sonderdividende kassiert hat.

Zur Orientierung: Im Herbst 2008 gipfelte die Finanzkrise in der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers - in Wien musste die mehrheitlich der ÖVAG gehörende Kommunalkredit notverstaatlicht werden. Die ÖVAG, der damals auch die Immobiliengesellschaft Europolis, VB International und Investkredit gehörten, musste 2008 rund 900 Mio. Euro abschreiben. Chef der Bank war Franz Pinkl, der 2009 zur Hypo Alpe Adria wechseln sollte. Im April 2009 bekam die ÖVAG eine Milliarde Euro Partizipationskapital vom Staat, der die Bank heuer zu rund 43 Prozent verstaatlichen musste.

Wundersame Geldvermehrung

Pinkls letzte ÖVAG-Bilanz, eben die für 2008, wies Besonderheiten auf, galt es doch, die negativen Effekte des Kommunalkredit-Desasters abzufedern. So kassierte die ÖVAG 2008 "laufende Erträge aus verbundenen Unternehmen" in Höhe von 504 Mio. Euro. Im Jahr davor waren es nur knapp elf Mio. gewesen. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, dass davon 491 Mio. Euro Sonderdividenden waren, die "nicht konsolidierte Un ternehmen" für die ÖVAG springen ließen. Ohne diese Erträge wäre der ÖVAG-Verlust also bereits 2008 bei fast einer Milliarde Euro gelegen.

Wer da so großzügig Geld für die Bilanzverschönerung in die Hand nahm, ist schwer zu eruieren. Der Sprecher der Bank erklärt die wundersame Geldvermehrung so: "Wir haben stille Reserven von indirekten Beteiligungen realisiert, um die Verluste zu reduzieren."

Dem Vernehmen nach soll es dabei um eine Ausschüttung rund um die 2008 erfolgte Aufwertung des RZB-Anteils der ÖVAG (fünf Prozent) gegangen sein. Schon im Jahr darauf, unter dem neuen ÖVAG-Chef Gerald Wenzel, wurde der Beteiligungsansatz wieder reduziert, um gut 300 Mio. Euro. Zur Erinnerung: Der geplatzte Verkauf an Raiffeisen hätte der ÖVAG 485 Mio. bringen sollen.

Wie hektisch es auch 2009 noch zuging, schilderte der Mitte 2009 ausgeschiedene ÖVAG-Vorstand Wilfried Stadler 2010 in einem Brief an den Aufsichtsrat: Die Frage, ob der Bankvorstand für 2008 entlastet werden könne, wurde bei einem Treffen der Volksbanker in St. Anton am Arlberg abgeklärt - mit Gutachten. Waldemar Jud habe damals festgestellt, dass "bezüglich der Ergebniseinbrüche 2008 kein schuldhaftes Verhalten des Vorstands" vorliege. Die ÖVAG-Aktionäre stimmten damals offen ab, "eine sehr große Mehrheit" war laut Stadler "für eine Empfehlung an die ÖVAG-Aufsichtsräte, den Vorstand zu entlasten". So kam es dann auch: Die Hauptversammlung entlastete den ÖVAG-Vorstand.  (Renate Graber, DER STANDARD, 9.11.2012)

 

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    Die Aufwertung ihres Raiffeisen-Anteils verlieh der Österreichischen Volksbanken AG 2008 Flügel.

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