Zu wenig Kontrolle: Rechnungshof kritisiert Ausgliederung des BIFIE

8. November 2012, 18:04

Ministerium soll evaluieren, ob es die Aufgaben selbst übernehmen kann

Wien - Zu viel Budget, zu viel Personal, zu wenig Kontrolle und zu wenig Effizienz: Ein schlechtes Zeugnis hat der Rechnungshof (RH) in seinem am Donnerstag veröffentlichten Prüfbericht dem 2008 aus dem Unterrichtsministerium (BMUKK) ausgegliederten Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) ausgestellt, das etwa für die Zentralmatura zuständig ist. Die durch die Ausgliederung erhoffte Effizienzsteigerung in der Projektabwicklung ist "für den RH nicht feststellbar". Es wird daher empfohlen zu evaluieren, "ob die an das BIFIE übertragenen Aufgaben nicht selbst durch das BMUKK erledigt werden können".

Erfolgsmessung nicht möglich

Aufgaben des BIFIE sind etwa Entwicklung von Bildungsstandards, Evaluierung der Neuen Mittelschule (NMS) und internationale Bildungsvergleichsstudien. Dennoch hat das Ministerium laut RH nicht alle Projekte, die in die Kernaufgaben des BIFIE fallen, auch dorthin verlagert. Gleichzeitig gab das Ministerium dem Institut keine klaren wirtschaftlichen und operativen Ziele vor, was eine effiziente Steuerung erschwere und eine Erfolgsmessung verunmögliche. Der RH rügte das Ministerium auch dafür, dass in den Gesetzesnovellen die finanziellen Auswirkungen von BIFIE-Projekten "ungenügend" dargestellt seien.

Das BIFIE selbst fiel unterdessen mit ungenügendem Projektcontrolling auf: Vorgaben für Controlling und Kontrolle des Projektfortschritts fehlen. Im Direktorium ortet der RH zudem eine "schwach ausgeprägte kaufmännische Kompetenz": Es wurde das Vier-Augen-Prinzip im Direktorium nicht immer eingehalten und Personen beschäftigt, die in einem familiären und wirtschaftlichen Naheverhältnis standen. Das im BIFIE-Gesetz vorgesehene umfangreiche Planungs- und Berichterstattungssystem sei "nicht zufriedenstellend umgesetzt", die Quartalsberichte für den Aufsichtsrat nicht aussagekräftig genug.

"Eigenmächtigkeiten von Führungskräften"

Günter Haider, Direktor des Zentrums in Salzburg, verwehrt sich gegen die Kritik: Es sei "unverständlich, warum trotz nachgewiesenem praktischem kaufmännischem Erfolg undifferenziert Kritik geübt und fehlende Kompetenz moniert würden", wird er zitiert. Das BIFIE verweist darauf, dass es "durch Eigenmächtigkeiten von Führungskräften und groben Pflichtverletzungen zum Übertreten bzw. Nicht-Beachten des Vier-Augen-Prinzips und des bestehenden Internen Kontrollsystems gekommen" sei. Hintergrund: Der zweite Direktor Josef Lucyshyn war Ende März wegen "wesentlicher Schwächen im internen Kontrollsystem" abberufen worden.

Das Institut kam das Ministerium wesentlich teurer als ursprünglich geplant: So stiegen die Zuwendungen zwischen 2008 und 2010 auf mehr als das Doppelte (15,12 Millionen Euro) an, wobei laut RH Leistungen extra bezahlt wurden, die eigentlich zu den Kernaufgaben des BIFIE gehören. Auch der Personalstand war mit mehr als hundert Mitarbeitern deutlich höher als die im Ministerium aufgelassenen Stellen, zusätzlich wurden viele Dienstleistungen unter anderem an Universitäten ausgelagert. Auch die Kosten für internationale Studien wie PISA stiegen, zwischen 2008 und 2014 ist laut RH ein jährlicher Anstieg um mehr als die Hälfte der Kosten budgetiert. Gleichzeitig konnte das Institut große Bankguthaben von 8,49 Mio. Euro bunkern, indem Dreijahrespläne nicht eingehalten wurden, bemängelt der RH.

Doppelstrukturen und Ineffizienzen

Durch die Einrichtung der zwei großen Zentren in Salzburg und Wien gebe es zudem Doppelstrukturen und Ineffizienzen in Verwaltung und Aufgabenerfüllung. Und an den ehemaligen Standorten Klagenfurt und Graz gibt es zwar durch deren Auflassung nichts zu tun, aber unkündbares Personal und daher auch Büros.

Und auch inhaltliche Kritik bringt der RH ein: So habe der Wissenschaftliche Beirat des BIFIE im Frühjahr 2011 etwa die Konzeption der Zentralmatura bemängelt: "Die bisherigen Verfahren erscheinen aber nur schwach testtheoretisch begründet, in der Durchführung wenig praktikabel und in der politischen Legitimation auffällig." Der genaue Umsetzungsstand von Projekten wie den Bildungsstandards war für den RH nicht nachvollziehbar, gleiches gilt für die Zentralmatura. (APA, 8.11.2012)

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21 Postings

Zu wenig Kontrolle! Und das ist auch gut so! Wenn diese Einrichtung die Unabhängigkeit verliert und wieder vom Miniterium gegängelt wird, kann man die Ergebnisse vergessen!
Sicher: Man könnte einiges verbessern (wie man hört, regieren dort nicht Parteibuch sondern Verwandtschaftsverhältnisse) aber grundsätzlich ist eine Unabhängigkeit gut!

150.000 EUR Jahresbruttogehalt für einen BIFIE-Direktor

Ich bin fassunglos ... nachzulesen unter http://www.bmukk.gv.at/service/b... bifie.xml. Und künftige Lehrkräfte lässt man trotz fast unverändert langer Ausbildung (4 Jahre anstatt 4,5) zum Gehalt von Nichtakademikern arbeiten, bürdet ihnen eine höhere Arbeitszeit auf und lässt sie "nebenbei" auch noch den Master machen, ohne den es keine Fixanstellung geben soll.

das sind dann 75 000 netto

auch nicht schlecht. bei dem tempo, mit dem die notenbanken neues geld drucken, relativiert sich bald alles.

BIFBFIECON

Was Österreich braucht, ist ein weiteres Meta-Institut: Bundesinstitut für BFIE Controlling!

Wenn man sich allerdings einiges der Materialien anschaut, die vom BIFIE publiziert werden (Unterrichtsmaterialien) - die sind wirklich nicht schlecht!

Die EIGENTLICHE Krankheit liegt woanders: Zeitgeist der aufwändigen Zertifizierungen, Evaluierungen, Standardisierungen. Eine gute Absicht an sich steckt dahinter: Qualitätssteigerung. Das Problem: Vom Fiebermessen vergeht kein Fieber. Zentralmatura? Bürokratische Schnappsidee. Dadurch wird keiner g'scheiter oder weniger g'scheit. ...

In Österreich ist Fiebermessen sehr wichtig! Denn ohne Fiebermessung gibt es hier kein Fieber! Damit auch keine Notwendigkeit zur Behandlung...

Das BIFIE war ja dafür gedacht, ideologische und BlutsVerwandte dort unterzubringen. Bekannt wurde es vor allem für die vielen Pannen, die bei der praktischen Durchführung von Übungszentralmatura usw. schon vorgekommen sind, und die teilweise ins Lächerliche geführt haben.

die kompetenten vom bifie

"Harte Worte findet der Rechnungshof in seinem Bericht auch für das Direktorium des Bildungsinstitutes: Dieses verfüge nur über eine „schwach ausgeprägte kaufmännische Kompetenz“."
nicht nur...

Nach einigen Minuten auf Seite 1

wird dieser Artikel schnell schnell im Archiv versteckt. Da hat wohl jemand seine Inserate flöten gehen gesehen!

Oder hat Frau S. ihre Freundin Frau N. angerufen?

Wenn man das so liest,

ist eigentlich nichts gut an diesem BIFIE. ... Und die zuständige Ministerin rücktrittsreifer denn je.

Die durch die Ausgliederung erhoffte Effizienzsteigerung [...] ist "für den RH nicht feststellbar".

Dies ins Stammbuch aller Privatisierungsfetischisten!

In seiner Abneigung gegen jegliche Kritik wird DDr Haider

durchaus dem nö. Landtag ebenbürtig.

Wenn der RH etwas bemängelt, ist das halt einfach falsch.

Und aus.

Übrigens heißt es "sich gegen Kritik verwahren". Verwehren kann man nur jemandem etwas, z. B. einem Bildungsexperten den Zugang zum Schulgebäude. Sprachlich zumindest wäre das möglich, rechtlich leider nicht immer.

Der Standort Graz existiert seit den frühen 70-er Jahren als "Zentrum für Schulentwicklung, Abteilung Evaluation und Schulforschung" mit rund 10 Mitarbeitern und wurde 2008 in das neu gegründete BIFIE ausgegliedert. Mit 2012 wurde es als eigenständige Organisationseinheit aufgelöst, aber als Standort wegen der hier vorhandenen Kompetenz und auch aus dienstrechtlichen Gründen erhalten. Aufgrund von Pensionierungen ist der Personalstand in Graz derzeit bei 7 Personen, die keineswegs "nichts zu tun haben" sondern, wie ein Blick auf die Website des BIFIE zeigt, die bundesweite Evaluation der Neuen Mittelschule sowie der Schuleingangsphase durchführen. Der damit verbundene Arbeitsaufwand lastet die wenigen Kolleginnen und Kollegen zur Gänze aus.

für die neoliberalen Vordenker im RH ist Forschung (abseits der Ökonomie und NaWi) sowieso verschwendung per se.
Das Bifie hat gute Leute, die schwer zu bekommen sind und macht Projekte, die international Anerkennung finden. Deutschland leistet sich ähnliches ohne Einspruch der Hobby-Hayeks!

"macht Projekte, die international Anerkennung finden"?

Dann zählen Sie diese Projekte auf!
PISA gehört eindeutig NICHT dazu.

Gleichzeitig verliert das Bifie laufend gute Leute,

die genervt das Handtuch werfen.

Der Rechnungshof übersieht bei seiner Kritik am Bifie,

dass dort nur echte Bildungsexperten beschäftigt sind. Diese Leute sind eigentlich unbezahlbar, vor allem wenn sie derart effizient arbeiten. Nur solche Vordenker können uns endlich aus der pädagogischen Steinzeit befreien, in der wir gefangen sind.

Ich schenk Ihnen die passenden Tags dazu:

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Nicht wenige Experten sehen ihre Daseinsberechtigung darin, einen relativ einfachen Sachverhalt unendlich zu komplizieren.
(Pierre Elliott Trudeau, kanad. Politiker)

Wie wahr,
es kommt halt auch immer darauf an, wie reflektiert man in dieser Hinsicht ist oder sein kann.

Andererseits sind es oft auch jene, die über den Tellerrand scheinbar einfacher Sachverhalte hinausgeschaut haben, die andere, möglicherweise ähnlich einfache Zusammenhänge gefunden haben, welche die Wirklichkeit aber viel besser beschreiben.

Na, das hätte jemand anderer als der RH sagen sollten.

Den hätte man geteert, gefiedert und mit toten Krähen dekoriert an eine Stadeltür genagelt.

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