Gericht wies Klage eines Niederösterreichers gegen RTL ab

Bereits ausbezahlte 9.000 Euro seien "angemessen" - Anwalt berief

Korneuburg - Das Landesgericht Korneuburg hat am Donnerstag die Klage eines Niederösterreichers gegen RTL abgewiesen. Der inzwischen 70-Jährige wollte 16.000 Euro Schadenersatz für die erlittene Kränkung, weil er nach einem Badeurlaub im November 2010 auf den Malediven im Fernsehen als "Monster aus der Tiefe" verspottet worden war. Die - vom deutschen TV-Sender bereits ausbezahlten - 9.000 Euro seien angemessen, befand der Richter. Der Anwalt des Klägers meldete Berufung an.

Der Niederösterreicher war bei Dreharbeiten zur Sendung "Deutschland sucht den Superstar 2011 - Recall" irgendwie vor die laufende Kamera geraten. Im Laufe der Verhandlung gaben der Kläger und seine Lebensgefährtin an, damals nicht einmal gewusst zu haben, dass Dreharbeiten stattfänden. Ihren Aussagen nach sei das Filmmaterial "manipuliert" worden. Der Richter hielt diesen Tatbestand für das Urteil allerdings nicht relevant, da an der grundsätzlichen Vorsätzlichkeit vonseiten des Senders keine Zweifel bestünden. Auch "rein menschlich", so der Richter, sei der Fall "ganz unterste Schublade".

Ungeahnte Dimensionen

Als "Monster aus der Tiefe" sei er, so der Kläger, der sich als "Quotenmacher für den RTL" bezeichnete, in Folge der ausgestrahlten Aufnahmen in seinem Umfeld, in der Autowerkstatt etwa, erkannt und gehänselt worden. Aufmerksam geworden seien er und seine Lebensgefährtin durch deren Nichte, die ihnen einen Link auf die RTL-Homepage gesendet hatte. Kurz darauf hätte das Thema ungeahnte Dimensionen angenommen.

Dem Gericht lag ein psychiatrisches Gutachten vor, das dem Kläger durch die Veröffentlichung des TV-Beitrages ein krankheitswertiges psychiatrisches Störungsbild attestierte. Die anwesende Sachverständige bestätigte ihre Beurteilung im Laufe der Verhandlung. Dass sich der Mann schließlich von sich aus an die Medien gewandt hatte, sei ihrer Meinung nach ein Zeichen, dass es ihm besser gehe, und bestätige daher ihre ursprüngliche Einschätzung, dass er an einer "Anpassungsstörung" gelitten habe. Folgeschäden seien mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen, betonte sie.

Der Richter begründete seine Entscheidung mit Vergleichen ähnlicher Fälle von Rufschädigungen, die teilweise jedoch bereits 40 Jahre zurückliegen und hochgerechnet werden müssten. Nach richterlichem Ermessen seien daher aktuell 8.000 bis maximal 9.000 Euro angebracht, betonte der Richter, dass man "nicht in Amerika" sei. Diese Summe decke auch die von der Sachverständigen errechneten 48 Tage leichter psychischer Schmerzen, die der Kläger durch den Vorfall erlitten habe. (APA, 8.11.2012)

Nachlese
Niederösterreicher von RTL verspottet: Verhandlung am 8. November
- Klage beim Landesgericht Korneuburg auf 16.000 Euro Schadenersatz

 

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9 Postings
Wenigstens kann der Richter sagen wo er nicht ist. Was kann er noch sagen? Offensichtlich nicht viel.

Andernfalls wüsste er das bei den Amis auch nicht mehr Schadenersatz bezahlt worden wäre. Aber ich vermute mal das er, so wie manch andere auch, auf anders gelagerte Fälle reingefallen ist in denen mehr bezahlt wurde. Ist kein Wunder das die Österreichische Justiz einen so schlechten Ruf hat...

48 Tage leichte Schmerzen wäre nach den inoffiziellen Schmerzensgeldsätzen eh nur 4800 Euro; von daher ist das Urteil nachvollziehbar;

In Deutschland gibts sowas nicht, hat es vor kurzen noch von seiten der Bayern geheißen. Abseits von ZDF und ARD gibts in der deutschen Medienlandschaft schon einige Grauslichkeiten...

an der sache stimmt etwas überhaupt nicht.

er ist also soooo extrem traumatisiert, dass er 16.000 EUR will, und all die demütigungen weil es jemand in der KFZ-werkstätte erfahren hatte! und um alles geheim zu halten um nicht noch mehr traumatisiert zu sein geht er in die medien, lässt das ganze in einem gerichtsverfahren noch mehr aufbauschen, erklärt überall er wäre "der quotenmacher für RTL"?

und siehe da, all der medienrummel ist auf einmal no problem, lockt doch das geld? ich glaube, dass der gute herr erkannt hat, dass er hier nun abcashen kann. das ist SEINE chance des lebens! verletzt war er, aber diese verletzung rechtfertigt keine 160.000 euro. RTL hatte ja (glaub ich) sogar einen balken um seine augen. erkannten ihn die leute echt nur am fettbauch???

160.000 euro? Wie kommen Sie denn auf diese Zahl???

es gibt doch noch richter mit sach-bzw. hausverstand. Mehr davon!!

Sie halten es also für nicht voll verabscheuenswert, wenn ein Fernsehsender Individuen bloßstellt.

der fernsehsender hatte den strand abgesperrt um dort zu drehen. licht, ein podium, 3 jurymitglieder, kameras rundherum, jugendliche die singen. und herr X rennt mitten durch die szenerie, die kameras filmen das, weil sie ja eigentlich die show in dem moment drehen. es ging nicht darum herrn X zu filmen - er lief in die szenen rein weil er die absperrung nicht respektierte.

rtl tat das, wass viele in "hoppala", "versteckte kamera" oder in tausenden youtube videos gemacht haben. herr X latschte ja auch weit entfernt durchs bild, er war nur klein zu sehen. sie zeigten es, weil es tatsächlich lustig war. und der schwarze balken über die augen anonymisierte ihn. kaum zu glauben, dass man ihm anahnd seines mega bauchs erkannte!

wo hat "luxustier" das gesagt?

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