Ein falscher Film für die richtige Sache

Dominik Kamalzadeh
8. November 2012, 17:08
  • Ein Toast für einen Film, den es nie geben wird: CIA-Agent Mendez (Ben Affleck, v. re.) und Hollywood-Profis Siegel (Alan Arkin) und Chambers (John Goodman) in "Argo".
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    Ein Toast für einen Film, den es nie geben wird: CIA-Agent Mendez (Ben Affleck, v. re.) und Hollywood-Profis Siegel (Alan Arkin) und Chambers (John Goodman) in "Argo".

Schauspiel-Star Ben Affleck hat mit "Argo" einen höchst unterhaltsamen Politthriller realisiert, der von einer ungewöhnlichen Verschränkung zwischen Hollywood und Weltpolitik erzählt

Wien - Auf Geschichten, die zu gut sind, um wirklich wahr zu sein, hat sich zumindest das klassische Hollywood bestens verstanden. "Argo", die dritte Regiearbeit von Ben Affleck ("The Town"), erzählt auch von einem Husarenstück - mit dem feinen Unterschied, dass es sich erstaunlicherweise tatsächlich zugetragen hat. Es ist der seltene Fall, wo die Realität nach den Regeln des Kinos, oder besser: mit den Regeln des Kinos, spielt. Bei der Umsetzung eines gewagten Befreiungsplans war das imaginäre Vermögen der Traumfabrik von entscheidender Bedeutung.

Den historischen Hintergrund des Films liefert die Geiselaffäre in dem von Revolutionswirren gebeutelten Iran im Jahre 1979. Die US-Botschaft in Teheran wird von Aufständischen gestürmt, 52 Amerikaner sitzen am Ende fest, sechs Botschaftsangehörigen gelingt indes die Flucht zu den kanadischen Kollegen. Während die Augen der Weltöffentlichkeit auf das besetzte Gebäude gerichtet sind, sucht die CIA nach einer Möglichkeit, die Geflüchteten aus dem Land zu holen, vorbei an argwöhnischen Geheimdienstkontrollen - die Darstellung der Gegenseite, sei gleich gesagt, gehört nicht unbedingt zu den differenziertesten Aspekten des Films.

Chris Terrios Drehbuch basiert zu weiten Teilen auf einem "Wire"-Artikel des Journalisten Joshuah Bearman sowie dem Buch "The Master of Disguise" des mittlerweile pensionierten CIA-Agenten Antonio J. Mendez. Ben Affleck verkörpert Letzteren selbst, als nüchternen und etwas verhaltenen Mann mit 1970er-Vollbart, der seine Expertise mit Pragmatismus vermittelt. "Ausschleusungen", sagt er an einer Stelle in die Runde, "sind wie Abtreibungen. Man will sie vermeiden, aber wenn man eine braucht, sollte man sie nicht selbst durchführen."

Komische Schlagseite

Damit wäre man bei jenem Aspekt von "Argo", der den Film vom gängigen Politdrama so wohltuend unterscheidet: Mendez' Plan lautet nämlich, die Landsleute herauszuholen, indem er sie als Filmteam ausgibt, wofür es wiederum einen fingierten, trashigen Science-Fiction-Film namens "Argo" braucht. Die Combo von Geheimdienst und Hollywood-Cleverness, verleiht dem Film eine komische Schlagseite und größere Resonanz. John Goodman als Make-up-Experte John Chambers und Alan Arkin als Produzent Lester Siegel (eine Mischung aus Mel Brooks und Otto Preminger) strahlen die verwegene Präsenz von Filmfabrikveteranen aus (ihr Motto: "Ar-go fuck yourself"). Regisseur Affleck unterstreicht diese noch emphatisch, als gelte es eine Individualität zu zelebrieren, die man eben nur mit dem Hollywood einer vergangenen Ära verbindet. Die Filmwelt steht hier für das wahre Amerika ein - es spricht durch den völkerverbindenden Geist der Unterhaltungskunst.

Die Betonung des Handwerklichen findet man aber auch auf jener Ebene des Films, die stärker den Konventionen des Thrillers folgt. Affleck inszeniert die Befreiungsaktion mit dem Habitus eines professionellen Geschichtenerzählers, der seine Figuren durch ein engmaschiges Szenario der Angst und Maskeraden schickt. Seine Künstlichkeit verfehlt dieses Genrekino nicht: Wiederholt kommt es zu Situationen, in denen Suspensemomente fast ungehörig ausgedehnt werden, sei es durch Straßenblockaden, Telefone, die ewig läuten, oder übellaunige Iraner.

Die dramatische Zuspitzung lässt die Aktion "bigger than life" erscheinen. Das passt aber durchaus zu einem Unterfangen, bei dem es darum geht, eine Illusion zu erzeugen, eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Dass die Kunst der Nachahmung wiederum eine ist, die die Macher von Argo selbst sehr genau genommen haben, kann man dann im Abspann des Films sehen. Da werden die Realpersonen von 1979 ihren filmischen Entsprechungen gegenübergestellt, und man kann überprüfen, dass man nicht nur in Hinsicht von Schnurrbärten und Hornbrillen ganze Arbeit geleistet hat.  (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 9.11.2012)

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so falsch war der Film gar nicht

neben der Hollywood-Version ARGO wird auch noch ein Dokumentarfilm produziert - SCIENCE FICTION LAND. Es gab durchaus einen echten Film - oder hätte ihn gegeben ... http://scifilandmovie.com/story/

Gone Baby Gone

war auch großartig!

Ben Affleck kann was

Ich finde es immer wieder interessant zu sehen wenn Prominente ihr Fach wechseln und trotzdem erfolgreich bleiben ( Justin Timberlacke, Ben Affleck..)

The Town war jedenfalls ein großartiger Film, Argo wird angeschaut.

Rot für den grausigen Schauspieler Timberlake!

Absolute Empfehlung.

Schon die ersten Bilder des Films mit den wütenden Massen vor der Botschaft im Iran sind wirklich eindrucksvoll inszeniert!

Und der Bild zu Bild Vergleich (Film/Realität) im Abspann ist wirklich verblüffend!

John Goodman, endlich wieder im Kino.
Großartiger Schauspieler!

BIN ICH DENN DER EINZIGE HIER DEM REGELN NOCH ETWAS BEDEUTEN? Ich bowle nicht am Sabbat!

wir sind hier nicht in Vietnam, wir sind beim Bowling, da gibt es Regeln. :P

he's a nihilist, man. he's very fragile

Ich hab selbst mal damit geliebäugelt, Pazifist zu werden. Natürlich nicht, als ich in Vietnam war.

that rug really tied the room together :)

Und dazu noch Kyle Chandler und Bryan Cranston :D

Bryan Cranston rules!

ich steht auf die "zufällige" und "einmalige" verknüpfung der amerikanischen filmindustrie mit der amerikanischen politik - und die gleichzeitige erwähnung reagans.

das kann was

Wie bei 99% ihrer Postings sehen sie hier wieder Dinge, die nicht existieren....

oh, behave....

hier erzählen dir ein paar scientologen, daß du brav wählen gehen sollst:

http://www.youtube.com/watch?v=fX40RsSLwF4

und schowbiss ist schowbiss, ob politik oder hollywood (=scientology) ist dabei eher wurscht, und die verbindung beider bei der gestaltung der "öffentlichen" meinung ist enger als man ahnen möchte

Wählen ist ja irgendwie eine jüdische Erfindung

kapier ich nicht, aber wurscht.

hab mir gestern den skyfall reingezogen - die bond filme sind eines der besten und durchgängigsten beispiele unterschwelliger propaganda:
zuerst die deutschen bösewichte, dann die russischen, dann der kampf um den orbit, dann die terroristen - und die einzige zeit wo es 6 jahre lang keinen bond film gab war nachdem der ostblock zerbröselt war und man kurzfristig kein feindbild zur verfügung hatte.....

Dass Propaganda in einem James Bond Film unterschwellig sein soll,

kann auch nur einem Typen einfallen, der sich für so klug hält, Nazis als "deutsche Bösewichte" zu verharmlosen.

Aber dieses kleine Detail enthüllt schon das ganze Mindframe des Verschwörungsmärchenonkels, der Politik für eine Frage von "Feindbildern" hält, die er projektiv nur anderen unterstellen kann, weil er selbst ausschließlich welche produziert.

Was sie "Propaganda" nennen ist die Tatsache, dass sie nur dort Widerspruch ausmachen, wo er nicht zu finden ist: in ihren eigenen Projektionen.

"kapier ich nicht"

.
naja, "wählen" (also demokratie) ist für Sie ja was ganz böses.

ergo kann's nur von WEM erfunden sein? ..... ;o)

wag the dog, bro, wag the dog......

Ben Affleck im Kris Kristofferson-Look.

put that ribbon from your hair...

Vor allem ist es ein GUTER film

das man überall an einer handlung etwas zu motzen findet, ist doch normal - das darf man ja auch.

Wird im Abspann zufällig erwähnt..

..daß Reagan und seine Republikaner nachweislich alles daran setzten, inklusive Geld, daß die Geisel erst nach seiner Angelobung freikamen??

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