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Salzburg - Jeder spricht für sich, laut und doch unhörbar. Ein Durcheinander an Wörtern, die keiner verstehen kann. Überfordernd wirkt die erste Szene auf das Publikum bei der österreichischen Erstaufführung von Elfriede Jelineks Stück Kein Licht im Salzburger Schauspielhaus.
Regisseur Thomas Oliver Niehaus lässt passend zum Salzburger Klischee Jelineks poetischen Text vor einer alpenländischen Kulisse mit bürgerlicher Einrichtung spielen. Doch das idyllische Kleinbürgerdasein wird gestört durch die Katastrophenanfälligkeit der menschlichen Gesellschaft. Die Katastrophe ist noch in den Köpfen des Publikums und lässt sich in einem Wort beschreiben: Fukushima.
Der Vorfall findet sich in einer antiken Tragödie wieder. Die Katharsis bleibt aber aus. Eine Textkaskade stürzt auf das Publikum. Nach mehreren Versuchen, sich Gehör zu verschaffen, wirkt das Darstellerquartett Harald Fröhlich, Ulrike Arp, Christiane Warnecke und Sinikka Schubert nur noch wie ein Abbild ihrer selbst. Sie sind keine Menschen mehr, weil ihnen alles abhandengekommen ist, das sie menschlich macht. Wie Zombies, die nur noch als Sprechpuppen fungieren.
"Die Strahlen auf der Haut kann man nicht wittern, aber twittern." Mit Wortspielen lässt Jelinek das Geschehen surreal wirken und kritisiert auch die Mediengesellschaft. Jelineks Abrechnung mit dem gesellschaftlichen Übermut, durch technisches Know-how die Welt im Griff zu haben, wird eindrucksvoll auf die Bühne gebracht. Lauthals schreit eine Trauernde als letzte Überlebende ihren Unmut in die Welt hinaus. Die Schuld an der Katastrophe hat jeder und niemand; in einer Welt, in der gekühlte Getränke überall erhältlich sind - auch dort wo sie niemand vermutet. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 9.11.2012)
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