Aufklärung unerwünscht

9. November 2012, 13:07
  • Ein langer Schatten bleibt über Deutschlands Doping-Vergangenheit.
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    Ein langer Schatten bleibt über Deutschlands Doping-Vergangenheit.

  • Tatort Wembley 1966: Drei deutsche Kicker hatten Schnupfen.
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    Tatort Wembley 1966: Drei deutsche Kicker hatten Schnupfen.

Die Studie "Doping in Deutschland" ist gescheitert. Forscher könnten ausgebremst, Details zurückgehalten worden sein

Berlin/Wien - "Doping in Deutschland von 1950 bis heute": Vielversprechender kann der Titel einer Studie gar nicht lauten. Und es hätte das vielleicht ambitionierteste Projekt der jüngeren deutschen Sportgeschichte werden sollen. Grelles Licht für die dunklen Doping-Ecken der Bundesrepublik. Allein, die Chance, mit der deutschen Dopingvergangenheit aufzuräumen, sie wurde vergeben. Und der Deutsche Fußball-Bund darf durchatmen.

Eine 550.000 Euro schwere Studie, die vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) initiiert und und vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) bereits 2009 an Forscher aus Münster und Berlin vergeben worden war, sorgte bereits im Vorjahr für Wirbel, als von "systemischen Doping" in Westdeutschland vor der Wende die Rede war und hohen Sportfunktionären "billigende Mitwisserschaft" vorgeworfen wurde. 

DFB im Kreuzfeuer

Der deutsche Fußball bekam auch sein Fett ab, drei Nationalteamspielern soll bei der WM 1966 die Einnahme von Ephedrin nachgewiesen worden sein. Der DFB argumentierte mit einem Gutachten dagegen, es sei den Spielern kein Vorsatz nachzuweisen und darum auch kein Regelverstoß. Für den Sporthistoriker Erik Eggers handelt es sich aber sehr wohl um positive Dopingproben. Zwar gebe es in der Tat erst seit 2004 die Regel, dass Sportler auch dann gesperrt werden können, wenn sie behaupten, von nichts gewusst zu haben. Aber selbst der Fußball liefere ein Gegenbeispiel: So wurde Diego Maradona während der WM 1994 wegen Ephedrin-Dopings gesperrt, obwohl er beteuerte, lediglich seinen Schnupfen bekämpft zu haben.

Auch ließ der DFB die Forscher nicht in sein Archiv, weil diese sich weigerten, ihre Erkenntnisse vorher vom Verband autorisieren zu lassen, und von einem Eingriff in die Freiheit der Wissenschaft sprachen. Weitergeforscht wurde jedenfalls nicht.

Zensur-Vorwürfe

Und es blieb noch viel mehr im Dunkeln. Warum die Studie kein Ende fand, daran scheiden sich die Geister. Dem Projekt fehlen die Prüfberichte über die 1990er und die Nullerjahre, weil die Berliner Forschergruppe ihre Arbeit im März wegen fehlender Absprachen über die Weiterfinanzierung eingestellt hatte. Das BISp soll Gelder zurückgehalten haben, der Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke warf dem Institut Zensur vor.

Am Ende stand eine Groteske, nach deren Drehbuch die beiden Forschungsteams diese Woche separat Pressekonferenzen abhielten und über ihr Scheitern referierten. Die Ergebnisse der Münsteraner Forschergruppe waren nicht mehr als Medienanalysen. Pikantere Details wurden von Berliner Seite trotz jähen Forschungsabbruchs für die Phase vor der Wiedervereinigung und für Teile danach in einem 804 Seiten starken Abschlussbericht aufgeführt. Dieser liegt aber noch beim BISp, das vor allem wegen des Schutzes von Persönlichkeitsrechten vor einer Veröffentlichung zurückscheut. Grund dafür sollen komplizierte datenrechtliche Bestimmungen sein. Die Forscher wollen ihre Ergebnisse öffentlich machen, haben aber Angst, dass sie wegen einer ungenehmigten Publikation Verträge brechen und Fördergelder zurückzahlen müssten.

Keine Aufklärung

Die Studie ist jedenfalls zu Ende, der Streit geht aber in die nächste Runde. Und die deutsche Doping-Geschichte bleibt unvollständig, gerade im Bereich Fußball. 25 Jahre nachdem der deutsche Ex-Nationalteamtormann Toni Schumacher in seinem Buch "Anpfiff" über die ärztliche Betreuung während der WM 1986 in Mexiko schrieb: "Jeden Mittag schluckten wir zu unserem Elektrolytgesöff haufenweise Tabletten: Eisen, Magnesium, Vitamin B in Höchstdosis, Vitamin E, ein paar Hormönchen für die Höhenanpassung ... Außer den Pillen hagelte es Spritzen." (vet/sid, derStandard.at, 9.11.2012)

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wenn man in österreich unser spitzensportler und skiasse unter die lupe nehmen würde wäre das das ende

und das wird mit aller gewalt verhindert werden denn wie sollten sonst die funkrionäre weiter versorgt werden koruption wie in der politik

spitzensportler? österreichische?

Wintersportler.

Was der Artikel komplett ausblendet...

...es sind mal wieder die Deutschen, die als Einzige überhaupt bereit sind, sich mit dem Problem Doping auseinanderzusetzen. Andere Staaten mit wesentlich mehr ERWIESENENEN Doping-Fällen wie Spanien. Österreich, Oststaaten usw. blenden das Problem einfach aus, Stichwort keine "Nestbeschmutzung"

.

Dieser Wunsch aller verbände, unternehmen, Staaten sich von jeder Schuld durch Beichte zu befreien, beschert Historikern eine Konjunktur auf dem Arbeitsmarkt (und denen goenne ich es) aber irgendwie wider es auch an

der DFB halt.... nix is anders...

Das erklärt dann die berühmten späten Siegestore der Deutschen. Wenn du mehr Ausdauer durch Doping hast liegt das auf der Hand.

Irgendwie schäbig, diese Deutschen.

Komplexpeter.

Wie in der DDR, so in der BRD.

Leider wird auch mit den westdeutschen Dopingvergehen bei der WM '66 die Suderei der Piefke über das Wembley-Tor nicht aufhören.

Und der Kieferbrecher Toni Schumacher kann sich ja jetzt sogar auf Medikamente ausreden für seine reglemäßigen brutalen Ausraster.

Bitte den Olympia-Medaillienspiegel der Deutschen nicht nur um die DDR-Doping-Medaillen bereinigen sondern auch um die der Wessis;)

Ephedrin ist GEIL

Als Amateurfussballer hatte ich mir vor vielen Jahren mal freiverkäufliche ephedrinhaltige Nasentropfen gekauft, nur um das Zeug als Dopingmittel mal auszutesten. Vorm Spiel habe ich mir 2/3 des Fläschchens in die Nase gepumpt, in der Halbzeit den Rest, niemand wusste davon. Ich bin während des Spiels gerannt wie der Teufel, verspürte eine unglaubliche Euphorie und zeigte keinerlei Ermüdungserscheinungen. Zudem hatte ich während des Spiels zwei Samenergüsse (kein Scherz!). Es war beängstigend. Ich habe das Zeug niemals wieder angerührt

Könnte das mit den Samenergüssen eventuell die Manndeckung gewesen sein? ;-)

:-) Gut gebrüllt, Möwe

Ich muss jedoch sagen, dass ich nicht Philipp Lahm bin

Bitte spiel niieeee gegen Frauen ;-)

Bislang war sich die Fachwelt einig, dass Doping bem Fußball nichts bringt1?

Schöne Legende

Natürlich würde aus einem Kulovits kein Messi per Doping. Aber wenn er 10% mehr Ausdauer hätte oder sich doppelt so schnell nach einem Spiel erholen könnte, brächte das schon eine Menge.

Leute

Natürlich bringt Doping im Fussball, Tennis, Handball, Alpiner Schisport, ecet. was ! Mit EPO beispielsweise lässt sich die Ausdauer erheblich steigern. D.H. die Sportler können wirklich 90 Min ihre "Technik" bringen.
Warum können die spanischen Fussballer auch noch zum Ende des Spiels noch herumtriksen und wie aufgezogen laufen... - Denkt mal nach auf der Fuentes Liste waren eigentlich nur wenige Radsportler...

Das lustige ist ja, dass der Hr. Kulovits (und alle anderen Profi-Fußballer, auch in unserer Liga!) eh gedopt ist - von daher: er erholt sich schon schneller und hat mehr Ausdauer, viel bringts bei ihm also nicht scheinbar..lol. Man kann also nicht noch mehr aus ihm rausholen.

Armseliger Versuch der Neider...

...den Deutschen Ihre kolossalen Erfolge madig zu machen.

Ihrem Senf fehlt es eindeutig an Würze!

..und an Hirn...

forscher wuden ausgebremst! lol was haben forscher mit fußball gemeinsam? nichts! ohne bluttest aus den 50er jahren braucht kein forscher auch nur irgend eine theorie aufstellen - es wären nur vermutungen im bereich von schauermärchen. diese märchen braucht keiner!!! und natürlich werden sich wieder unterklassige kicker finden, die behaupten, ja WIR haben gedopt, weil sie den ruhm seinen besseren fußballer nicht vergönnen und heute noch vor neid explodieren, weil sie in der versenkug verschunden sind und nichts zu verlieren haben!!

ist heut nicht anders - nichts hat sich geändert

Bitte nicht beim Fußball - gar nie nicht !!! siehe Juve !

Damals war es Gang und Gäbe, Zeugs zu spritzen. Das war nicht nur in Deutschland, sondern auch in Ungarn so. Und wenn wir mal richtig nachschauen würden, dann würden wir wohl feststellen, dass die Österreicher, Niederländer, Franzosen, Italiener usw. auch "Vitamin C" gespritzt haben. Und warum auch nicht? Damals gab es keine Regeln bezüglich des Dopings, höchstens einen Ehrenkodex. Dass heute niemand mehr darüber reden will, kann ich durchaus verstehen. Was wäre wohl bei dieser Doping-Hysterie los, wenn heraus käme, dass man sich damals routine- und gewohnheitsmäßig Zeugs wie Pervitin in die Venen gejagt hat? Für die Öffentlichkeit macht es keinen Unterschied, ob man sich gestern oder vor 60 Jahren Leistungssteigerer rein gefahren hat.

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