Zügellosigkeit am Transfermarkt

Blog | Hannes Biedermann
8. November 2012, 16:02
  • Karl Safron, der Präsident der Erste Bank Eishockey Liga.
    foto: apa/hochmuth

    Karl Safron, der Präsident der Erste Bank Eishockey Liga.

Mitten in der laufenden Saison verpassen sich die EBEL-Klubs selbst neue Transferregeln. Ein Kommentar

Als sich die Erste Bank Eishockey Liga im Jahr 2007 mit der Punkte- und Kaderregelung ein ihr eigenes Steuerungssystem des Transfermarkts verpasste, glaubten die Verantwortlichen, den Stein der Weisen zur Überbrückung der stark divergierenden Partikularinteressen der Klubs gefunden zu haben. Dass dem nicht so war, zeigen die seither vergangenen Jahre, denn vor jeder Saison wurde die grundsätzlich sinnvolle und effektive Regulierungsmethode überarbeitet und angepasst - soll heißen: ausgehöhlt und verwässert.

Regelung kurzfristig gekippt

Im Dezember 2011 einigten sich die Klubs im Hinblick auf die Spielzeit 2012/13 auf die Etablierung einer ligaweiten Try-Out-Phase bis zur Länderspielpause im November, gleichbedeutend mit einer unbegrenzten Anzahl an möglichen Tauschvorgängen für gemeldete Spieler. Als Begründung dafür führten die Vereine sich daraus ergebende Budget-Einsparungen bei der Zusammenstellung ihrer Kader ins Feld. Am Donnerstag, weniger als vier Tage vor dem Ende dieser Periode unlimitierter An- und Abmeldungen, beschlossen die Klubs nun mit Zweidrittelmehrheit eine Fristverlängerung bis zum 15.Dezember.

Fadenscheinige Argumente

Auf die Liga wirft diese kurzfristige Änderung freilich kein gutes Licht: Geben sich die an ihm teilnehmenden Akteure während eines laufenden Spielbetriebs plötzlich ein neues, der Mehrheit genehmeres Regulativ, zeugt dies nicht unbedingt von Professionalität und Weitblick. Das von der Liga vordergründig vorgebrachte Argument, mit dieser Adaptierung auf den nach wie vor anhaltenden Lockout in der NHL zu reagieren, zielt ins Leere. Denn würde es wirklich darum gehen, die Attraktivität der EBEL durch mögliche Gastspieler aus der stärksten Liga der Welt zu heben, hätte man die Regelung entsprechend enger gefasst und sie etwa auf die Anmeldung von Cracks, die im Vorjahr in der NHL spielten, respektive ihren Rücktausch bei Beendigung des Tarifstreits in Nordamerika beschränkt.

Zahllose An- und Abmeldungen

Durch die bloße Verlängerung der Try-Out-Phase halten sich die Vereine hingegen weiterhin (fast) alle personalpolitischen Optionen offen, die Kaderregelung bindet sie lediglich daran, dass die Summe der Punktewerte ihrer jeweils gleichzeitig gemeldeten Spieler die 60er-Marke nicht überschreitet. Bei so manchem von kurzfristiger Planung und dem Streben nach raschem Erfolg gekennzeichneten EBEL-Klub wird sich damit die bereits in den letzten Wochen teilweise grotesk anmutende Praxis zahlloser An- und Abmeldungen fortsetzen. An einzelnen Spieltagen zählte man ligaweit mehr als zehn Spieler, die zwar bei ihren Vereinen unter Vertrag standen (und bezahlt wurden), aber nicht angemeldet und somit auch nicht spielberechtigt waren. Ein Umstand, der das ursprünglich zentrale Argument für die Try-Out-Phase, nämlich Kostensenkung für die Klubs, als fadenscheinig entlarvte.

Aushöhlung setzt sich fort

Die am Donnerstag kurzfristig beschlossene Änderung am Regulativ ermöglicht den Vereinen eine unbeschränkte Anzahl an Tauschvorgängen bis nach dem 30. Spieltag und damit weit über die Hälfte des Grunddurchgangs hinaus. Danach stehen jedem Klub bis zum 15. Feber, also neun Tage vor Play-Off-Beginn, drei weitere An- bzw. Abmeldungen zu.

Der Zügellosigkeit am Transfermarkt sind damit kaum noch Grenzen gesetzt. Eine fundierte und seriöse Saison- bzw. Personalplanung im Sommer wird mit der fortschreitenden Aushöhlung der Punkte- und Kaderregelung immer unwichtiger, die Bildung einer gesunden Mannschaftsstruktur, auf die sich nachhaltige Entwicklung aufbauen lässt, weiter erschwert. Die Verantwortlichen in der Mehrzahl der Klubs mögen ihre Entscheidung vom Donnerstag als positiv empfinden, mittel- und langfristig haben sie sich und ihrem Produkt damit jedoch wenig Gutes getan. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 8.11.2012)

 

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19 Postings

Ein Innsbrucker dealt, ein villacher schwer mit Schlagseite randaliert und bekommt von den Refs der Polizei eine große Bank Strafe. Kein Wunder, daß transfernachfrage besteht

Wobei aber schon gesagt gehört, jeder der einem Kiwara eine auflegt, hat meine Unterstützung. In diesem Fall auch unser Antti Pusa.

lächerlich

mMn ist aus 2 (völlig konträren) alternativen auszuwählen:

1. gar keine beschränkungen mehr. jeder kann IMMER spieler tauschen, nur am spielbericht darf nur eine bestimmte anzahl punkte drauf sein.

2. transfers VOR der saison, ab 1. spieltag ists damit aus.

nachteil v1: geld regiert die welt - aber ist das nicht so oder so so?

nachteil v2: das klub-management müsste betriebswirtschaftlich arbeiten und sportlichen weitblick beweisen (junge eigenbauspieler einbauen bei ausfall von arrivierten, statt nachkauf von anderen spielern).

nachdem weitblick und bwl-können bei keinem einzigen klub auch nur ansatzweise erkennbar sind, aber auch v1 medial nicht gut rüberkommt, wird halt weitergewurschtelt. kein wunder bei safron und co...

schlimmer finde ich

die ganzen letzten jahre wurde immer wieder über die hohen personalkosten gejammert und klubs schrammten haarscharf am finanziellen ruin vorbei

und plötzlich kann man sich auf einmal mehrere nhl-spieler leisten die dort tlw. millionengagen bekommen - schon der nödl bekommt die ja obwohl er keineswegs zu den wirklichen stammspielern zählt bei seinem verein.
und dann erst die versicherungskosten(die nhl-vereine lassen sich für etwaige verletzungen natürlich absichern und das müssen dann die vereine hier in europa zahlen)...

ich "freu" mich schon auf die konkurse und ausgleiche am saisonende bzw. nächste saison.....

Also soweit ich das mitbekommen hab, gabs zumindest für die österreichischen NHLer Sponsoren die die Versicherungskosten übernommen haben.
Und wenns überhaupt was bekommen, dann kein NHL Gehalt.
Also wenn wer Konkurs anmelden muss, dann sicher nicht weil ein paar Wochen ein lockout Spieler verpflichtet war.

nödl..

das hotel kaltschmied - sponsor des hci - hat sämtliche kosten für diesen transfer übernommen und dem spieler darüber hinaus auch eine hotel-suite für sein gastspiel bei den tirolern zur verfügung gestellt! die haie haben sich somit finanziell nicht übernommen und können aus den zusätzlichen einnahmen bzw. fanartikelverkäufen kapital schlagen..

und wie man sieht bringt es auch was. Volle Hallen Ebel wird in der ZiB erwähnt, gesteigerte Berichterstattung vielleicht mehr Sponsoren und neue zukünftige Kartenhäufer. Die NHL ausgesperrten bringen jedenfalls dem Hockey in ö mehr als eine weitere Linie mit 25jährigen einheimischen "Talenten"

Was dem Artikel fehlt, sind die Namen der Clubs die noch eifrig tauschen

So gesehen fehlt dem Artikel, die sonst gewohnte statistische analytische Substanz

Darum auch die Kennzeichnung als Kommentar im Intro. ;)

Aktuell (letzter Spieltag) sind es ligaweit 15 Spieler, die bei (fünf) Klubs unter Vertrag stehen, aber abgemeldet sind. Die fünf Vereine: Graz, Salzburg, Klagenfurt, Wien, Zagreb. Darum geht's eber vordergründig gar nicht.

Jein, Hr. Crunchtimer

Absolut in Ordnung, dass die Liga die Tryout-Phase verlängert hat. Und diese nur auf die Lockout-Spieler zu reduzieren, würde ich nicht ganz verstehen.

Was jedoch ein Fehler ist, und das passt wirklich überhaupt nicht, ist die Fristverlängerung der Transfers bis in den Februar hinein. Dafür habe ich kein Verständnis.

Salzburg wird jetzt eine komplett neue Mannschaft zusammenstellen und da fühlt man sich auch zurecht gepflanzt, weil wozu ein Team im Sommer planen, wenn dieses eh bis kurz vor die Playoffs getauscht werden kann?

Safron, schleich dich endlich! Du hast in dieser Liga nichts zu suchen.

Die Verlängerung der Transferfrist bis 15.2. wurde vom Weltverband im September beschlossen, das ist keine EBEL-Erfindung.

Das ist mitten während der Quali- bzw. Zwischenrunde. Was nützt eine Quali-Runde, wenn ich mich kurzfristig nochmals verstärken kann? IIHF-Regel hin oder her, man will die Liga bestmöglich vermarkten? So nicht.

In der offiziellen Meldung steht es am besten:

„Wenn es darum geht unser Produkt Erste Bank Eishockey Liga aufzuwerten, muss alles dafür unternommen werden und ist Flexibilität gefragt“, weiß auch Karl Safron, Präsident der Erste Bank Eishockey Liga.
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Die Liga und der Sport(!) ist zweitrangig, solange das "Produkt" passt.
Langfristiges Handeln sieht anders aus.

im profisport geht es tatsächlich zuerst um das produkt, und erst dann um den sport.
sportlich wertvolle, aber leere hallen werden nicht lange von bestand sein.

die sache mit der fristverlängerung seh ich nebstbei zweischneidig, ich kann den argumenten beider seiten was abgewinnen

"healthy scratches" und? was ist da so außergewöhnlich?

und bitte jetzt nicht wieder die alte Leier von "die jungen kommen nicht zum Zug". ich kann sie nicht mehr hören.

Bei manchen vereinen schon.

Aber was fuer ein problem hast du mit den jungen ?


Und was hat das mit der try out phase zu tun ?

kommen sie denn zum zug?

Danke. Ich auch nicht mehr!

ich auch nicht.

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