Zügellosigkeit am Transfermarkt

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  • Karl Safron, der Präsident der Erste Bank Eishockey Liga.
    foto: apa/hochmuth

    Karl Safron, der Präsident der Erste Bank Eishockey Liga.

Mitten in der laufenden Saison verpassen sich die EBEL-Klubs selbst neue Transferregeln. Ein Kommentar

Als sich die Erste Bank Eishockey Liga im Jahr 2007 mit der Punkte- und Kaderregelung ein ihr eigenes Steuerungssystem des Transfermarkts verpasste, glaubten die Verantwortlichen, den Stein der Weisen zur Überbrückung der stark divergierenden Partikularinteressen der Klubs gefunden zu haben. Dass dem nicht so war, zeigen die seither vergangenen Jahre, denn vor jeder Saison wurde die grundsätzlich sinnvolle und effektive Regulierungsmethode überarbeitet und angepasst - soll heißen: ausgehöhlt und verwässert.

Regelung kurzfristig gekippt

Im Dezember 2011 einigten sich die Klubs im Hinblick auf die Spielzeit 2012/13 auf die Etablierung einer ligaweiten Try-Out-Phase bis zur Länderspielpause im November, gleichbedeutend mit einer unbegrenzten Anzahl an möglichen Tauschvorgängen für gemeldete Spieler. Als Begründung dafür führten die Vereine sich daraus ergebende Budget-Einsparungen bei der Zusammenstellung ihrer Kader ins Feld. Am Donnerstag, weniger als vier Tage vor dem Ende dieser Periode unlimitierter An- und Abmeldungen, beschlossen die Klubs nun mit Zweidrittelmehrheit eine Fristverlängerung bis zum 15.Dezember.

Fadenscheinige Argumente

Auf die Liga wirft diese kurzfristige Änderung freilich kein gutes Licht: Geben sich die an ihm teilnehmenden Akteure während eines laufenden Spielbetriebs plötzlich ein neues, der Mehrheit genehmeres Regulativ, zeugt dies nicht unbedingt von Professionalität und Weitblick. Das von der Liga vordergründig vorgebrachte Argument, mit dieser Adaptierung auf den nach wie vor anhaltenden Lockout in der NHL zu reagieren, zielt ins Leere. Denn würde es wirklich darum gehen, die Attraktivität der EBEL durch mögliche Gastspieler aus der stärksten Liga der Welt zu heben, hätte man die Regelung entsprechend enger gefasst und sie etwa auf die Anmeldung von Cracks, die im Vorjahr in der NHL spielten, respektive ihren Rücktausch bei Beendigung des Tarifstreits in Nordamerika beschränkt.

Zahllose An- und Abmeldungen

Durch die bloße Verlängerung der Try-Out-Phase halten sich die Vereine hingegen weiterhin (fast) alle personalpolitischen Optionen offen, die Kaderregelung bindet sie lediglich daran, dass die Summe der Punktewerte ihrer jeweils gleichzeitig gemeldeten Spieler die 60er-Marke nicht überschreitet. Bei so manchem von kurzfristiger Planung und dem Streben nach raschem Erfolg gekennzeichneten EBEL-Klub wird sich damit die bereits in den letzten Wochen teilweise grotesk anmutende Praxis zahlloser An- und Abmeldungen fortsetzen. An einzelnen Spieltagen zählte man ligaweit mehr als zehn Spieler, die zwar bei ihren Vereinen unter Vertrag standen (und bezahlt wurden), aber nicht angemeldet und somit auch nicht spielberechtigt waren. Ein Umstand, der das ursprünglich zentrale Argument für die Try-Out-Phase, nämlich Kostensenkung für die Klubs, als fadenscheinig entlarvte.

Aushöhlung setzt sich fort

Die am Donnerstag kurzfristig beschlossene Änderung am Regulativ ermöglicht den Vereinen eine unbeschränkte Anzahl an Tauschvorgängen bis nach dem 30. Spieltag und damit weit über die Hälfte des Grunddurchgangs hinaus. Danach stehen jedem Klub bis zum 15. Feber, also neun Tage vor Play-Off-Beginn, drei weitere An- bzw. Abmeldungen zu.

Der Zügellosigkeit am Transfermarkt sind damit kaum noch Grenzen gesetzt. Eine fundierte und seriöse Saison- bzw. Personalplanung im Sommer wird mit der fortschreitenden Aushöhlung der Punkte- und Kaderregelung immer unwichtiger, die Bildung einer gesunden Mannschaftsstruktur, auf die sich nachhaltige Entwicklung aufbauen lässt, weiter erschwert. Die Verantwortlichen in der Mehrzahl der Klubs mögen ihre Entscheidung vom Donnerstag als positiv empfinden, mittel- und langfristig haben sie sich und ihrem Produkt damit jedoch wenig Gutes getan. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 8.11.2012)

 

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