Menschliche Lernleistung doch nicht altersabhängig

8. November 2012, 15:42

Ausschlaggebend für rasches Lernen sind vielmehr großer Wortschatz und gutes Arbeitsgedächtnis

Entgegen der landläufigen Meinung ist die menschliche Lernleistung nicht unbedingt altersabhängig. Ob ein älterer Mensch schnell etwas Neues lernen kann oder nicht, hängt wesentlich von seinem Wortschatz und seinem Arbeitsgedächtnis ab. Dies belegen aktuellen Untersuchungen an der University of Victoria in Kanada.

"Das lerne ich in meinem Alter nicht mehr. Als ich jünger war, konnte ich mir noch viel mehr merken." Solche Sätze hat wohl jeder schon gehört. Bei älteren Menschen, so die verbreitete Meinung, nimmt die Lernfähigkeit ab - auch wenn der Senior oder die Seniorin nicht an Demenz leidet. Doch ist ein Abbau der Lernleistung im Alter tatsächlich unvermeidlich? "Nein", meint der Schweizer Psychologe Philippe Rast, der zurzeit an der University of Victoria (Kanada) forscht.

Für seine Arbeit stützte sich Rast auf Daten der so genannten Zürcher Längsschnittstudie zur Gedächtnisleistung im Alter (Zulu). Diese Studie umfasst 334 gesunde Zürcherinnen und Zürcher im Alter von 66 bis 81 Jahren, die verschiedene kognitive Tests absolvierten. Unter anderem wurde geprüft, wie groß der Wortschatz der Probanden war, wie gut ihr Arbeitsgedächtnis und wie hoch die Verarbeitungsgeschwindigkeit ihres Gehirns.

Danach mussten die Versuchspersonen neue Wörtchen lernen. Man zeigte ihnen 27 Wörter jeweils zwei Sekunden lang auf einem Bildschirm. Anschließend versuchten sie, sich an so viele wie möglich zu erinnern. Die ganze Prozedur wurde fünf Mal wiederholt, um die so genannte Lernleistung zu erstellen. Dabei zeigte sich, dass das Alter der Probanden keine Auswirkung auf diese Leistung hatte.

Verarbeitungsgeschwindigkeit hat geringeren Einfluss

Eine wesentliche Voraussagekraft hatten dagegen vor allem zwei Faktoren: Probanden mit einem großen Wortschatz und einem guten Arbeitsgedächtnis merkten sich auch die neuen Wörtchen besonders gut und schnell. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit dagegen hatte einen weniger starken Einfluss, und nur sie verschlechterte sich mit dem Alter deutlich. Die Resultate wecken laut Rast Hoffnungen: Im Prinzip dürfte es nämlich mit einer gezielten Förderung des Wortschatzes und des Arbeitsgedächtnisses möglich sein, die Lernleistung im Alter zu erhalten oder gar zu verbessern. Das würde bedeuten, dass ältere Menschen einem Nachlassen der Lernfähigkeit nicht hilflos ausgeliefert sind. (red, derstandard.at, 08.11.2012)

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Warum?

Hihi.wie foerdert man den wortschatz und das 'arbeitsgedaechtnis'(was immer das sein soll) ausser durch lernen? Um dann festzustellen dass ein grosser wortschatz hilfreich beim lernen ist...

Zitat: " Diese Studie umfasst 334 gesunde Zürcherinnen und Zürcher im Alter von 66 bis 81 Jahren"

Seltsame Beschränkung wenn man den Zusammenhang zwischen Lernleistung und Alter ermitteln will.

wie kommen Sie darauf, dass das das Ziel der Studie gewesen sei ?

Lassen Sie sich nicht von der Überschrift verwirren, die hat sich ein Standard-Redakteur aus den Fingern gesogen.

Effekt auf Professoren

Ich habe mal davon gelesen, dass Professoren weit weniger als der Durchschnitt vom Nachlassen der geistigen Fähigkeiten betroffen sind als der Durchschnitt.

Da Professoren aber "auch nur Menschen" sind und daher keine genetische Ursache in Frage komme, ließ sich das eben nur darauf zurückführen, dass Professoren ihr Leben lang geistige Leistungen zu vollbringen erstreben. Sie "plagen" sich mit Denken eben nicht nur in ihrer Jugend.

Mit anderen Worten - wir haben alle eine Chance, am Ende aber werden wir, wie wir tagtäglich leben.

Der letzte satz ist ein graus.

Leute die ihr Gehirn mehr fordern (größerer Wortschatz...), behalten es eher?

Aba geh... ;o)

Use it, or lose it - der Spruch ist nicht ganz neu.

Die Sache etwas differenziert zu betrachten ist allerdings schon sinnvoll.
Unter dem Motto "Use it, or lose it", Kreuzworträtsel oder Sudokus zu lösen, bringt nicht sehr viel.

Das liegt daran, dass das Lösen von Sudokus und normaler auf Synonymen basierender Kreuzworträtsel nach kürzester Zeit genauso automatisiert wird wir alles andere.
Irgendwann kennt man mal so gut wie alle Definitionen (ich sag nur “germanischer Wurfspeer“ oder “fränkischer Hausflur“ ;o)

Man muss die Belastung schon verändern - wenn du beim Muskeltraining auch immer nur die selbe Bewegung machst, hast du nach einer gewissen Zeit auch keine Verbesserung an Kraft und Ausdauer mehr.

Das Kreuzworträtsel im Standard während der Woche muss man da übrigens ausdrücklich ausnehmen :o)
(Am Wochenende ist es leider oft eher ärgerlich als lustig)

Am besten ist aber immer noch, eine neue Sprache zu lernen o.ä., kann auch eine Programmiersprache sein.

dass ältere Menschen einem Nachlassen der Lernfähigkeit nicht hilflos ausgeliefert

Eh klar. Dise Studie beweist eigentlich nur dass geistig aufgeschlossene und intelligente Leute ihre mentalen Faehigkeiten auch im Alter erhalten koennen. Hoert sich nicht besonders ueberraschend an.

Und warum Wörtchen und nicht Wörter?

Das nimmt dem Artikel etwas an Niveau.

Weil der Test durch an an Schweizerchen durchgeführt wurde.

Auch Allemannisch ist eine Sprache. Theoretisch ;)

..dass das Alter der Probanden keine Auswirkung auf die Lernleistung hat

Da hab ich doch erst gestern einen ganz anderen Artikel im Standard gelesen:
"Glückshormon hilft Gedächtnis auf die Sprünge"
http://derstandard.at/135026069... e-Spruenge
Hier wurde das Erinnerungsvermögen anhand von Fotos getestet. Dabei kam heraus, dass ältere Probanden auf Grund des geringeren Dopaminspiegels eine schlechtere Lernleistung haben.
Liegt es jetzt daran, dass Fotos und nicht "Wörtchen" (was sind bitte Wörtchen?) verwendet wurde?
Oder vielleicht doch daran, dass in dieser Studie nur ältere Probanden getestet wurden?
Vielleicht hatten die Probanden mit dem höheren Wortschatz gleichzeitig einen höheren Dopaminspielgel?
Sehr fragwürdige Studie und fragwürdiger Artikel.

Das lerne ich in meinem Alter nicht mehr.

Der Satz regt mich ziemlich auf. Faule Ausred, sich selbst und andere anlügen, sonst nix. (OK, außer es geht darum, mit 70 Ballettanzen zu beginnen -und auch da ist's vom erwarteten Level abhängig)

Mit Verlaub, wie alt sind Sie?

ca midlife crisis

warum?

ich persönlich mache gerne sport... verdammt schnelle und "gefährliche" sportarten...

... und es nervt ungemein, realisieren zu müssen, dass man "nicht mehr so kann" wie früher...
die reaktionen, gelenkigkeit, schnellkraft alles lässt trotz intensiven trainigs nach und neue bewegungsmuster einzulernen fällt immer schwerer, obwohl die reine bewegungsanalyse (wohl aufgrund der erfahrung) und damit das "wissen" wie immer leichter wird...
zum kotzen!

the youth is wasted on the young!

Darf ich wissen, wie alt Sie da so ungefähr sind?

Dem schliesse ich mich an. Vielleicht hätte ich obennoch hinzufügen sollen, dass die Erwartung und die Ausgangslage relevant sind ;)

Darf ich wissen, wie alt Sie sind?

Wörtchen...

Hat die Red. nichts Neues zu bieten?! Die Erkenntnis - im Alter lernen - ist absolut nichts Neues!

Na dann

Umschulung, Ausbildung, Weiterbildung, Berufliche Rehabilition - und raus aus der Pension ;-) Ich hör unseren geliebten Sozialminister schon...

Ein sicherer Weg Reichtum zu erlangen

ist sich eine Haushaelterin, einen Gaertner und Chaffeur zuzulegen. Die Hemden und Anzuege muss man in die Reinigung geben und nicht etwa selber waschen.
Man hat naemlich durch umfangreiche Studien festgestellt, dass die obigen Attribute bei Reichen signifikant gehaeuft anzutreffen sind.

Ist diese Studie nicht dahingehend sonderbar, dass alle Probanden im Grunde genommen alt waren (zwischen 66 und 81) und keine Vergleichsgruppen von Jüngeren (zb 20-30, 31-40, 41-50, 51-66) herangezogen wurden?

Die getroffenen Aussagen sind also nur relativ innerhalb einer alten Probandengruppe gültig. Aber wie steht's mit der Lernfähigkeit eines 25jährigen im Vergleich zu einem 75jährigen? Das wäre interessant.

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