Computer lernen, Wünsche an den Augen abzulesen

  • Eine der virtuellen Computerwelten, in denen Versuchspersonen Knöpfe an 
den Wänden suchen und drücken sollen. Ihre Blicke 
werden dabei über Eye-Tracking aufgefangen. Eine Forscherin beobachtet den Versuch an einem zweiten 
Bildschirm, auf dem die Blickbewegungen sichtbar werden (Kreise im Bild -
 auf dem Bildschirm des Probanden sind diese nicht zu sehen).
    grafik: matthew crocker

    Eine der virtuellen Computerwelten, in denen Versuchspersonen Knöpfe an den Wänden suchen und drücken sollen. Ihre Blicke werden dabei über Eye-Tracking aufgefangen. Eine Forscherin beobachtet den Versuch an einem zweiten Bildschirm, auf dem die Blickbewegungen sichtbar werden (Kreise im Bild - auf dem Bildschirm des Probanden sind diese nicht zu sehen).

Deutsche Forscher arbeiten an Dialogsystemen, die Menschen anhand ihrer Blickbewegungen anleiten können

Blicke sind flüchtig und intuitiv, fallen bei Interesse aber auch schon mal intensiver und länger aus. Mit ihnen verrät der Mensch mehr als ihm bewusst ist. Deshalb lassen sich Blicke auch nutzen, um den Menschen im Alltag zu unterstützen. Deutsche Forscher nutzen diesen Umstand aus und arbeiten an Dialogsystemen, die Menschen nur anhand ihrer Blickbewegungen anleiten können.

Mit den erzielten Ergebnissen könnten in nicht allzu ferner Zukunft etwa Navigationssysteme noch persönlicher und passgenauer informieren: Ein Blick genügt, und schon gibt das Navi im Auto von selbst Auskunft, wenn der Fahrer die falsche Straße anvisiert oder es antwortet mit Information schon auf seinen fragenden Blick, ohne dass er etwas sagen oder fragen müsste.

Bis es soweit ist, müssen die Psycholinguisten von der Saar-Universität und Computerlinguisten aus Potsdam noch viele Fragen klären: So darf etwa der Fahrer nicht mit Information überfrachtet werden oder überflüssige Auskünfte bekommen, nur weil er kurz irgendwo hin geschaut oder sein Blick etwas gestreift hat. Auch muss untersucht werden, wie die gesprochenen Botschaften am besten ankommen.

Versuchspersonen in 3D-Computerwelten

Um mehr über das komplexe Zusammenspiel aus Blicken des Menschen und auf diese "antwortende" Informationen des Computers herauszufinden, haben die Forscher für ihre Versuchsreihen 3D-Computerwelten entwickelt. Sie schicken Versuchspersonen in verschiedenen Spielvarianten durch virtuelle Räume. Ihre Aufgabe: Sie sollen Knöpfe an den Wänden suchen und drücken. Hierbei werden ihre Blicke unbemerkt über Eye-Tracking aufgefangen: eine Blickerfassung via Kamera am Computer, die an einem zweiten Bildschirm, an dem ein Forscher sitzt, die Blickbewegungen als Punkte sichtbar werden lässt.

In einer der Spielvarianten, die die Probanden durchlaufen, erhalten sie keine Hilfestellung oder Rückmeldung. In einer anderen Variante wird die Versuchsperson bei ihrer Orientierung im Raum mit gesprochenen Anweisungen unterstützt und zum Beispiel aufgefordert, einen bestimmten Knopf anzusteuern und mit einer Maustaste darauf zu drücken. Auf ihrem Weg werden dabei bestärkende oder korrigierende Anweisungen gegeben wie "Ja, dieser!", "Der andere!" oder "Der Grüne Knopf!".

Die Wissenschafter unter Matthew Crocker und Alexander Koller untersuchen unter anderem, wie sich dabei unterschiedliche Rückmeldungen des Computers auswirken, wie die Strategie der Spieler sich ändert, wenn sie Informationen erhalten, wie sie ihr Verhalten oder ihre Blickbewegungen anpassen und welche die effektivsten Anweisungen sind. Hierzu werden die in den Versuchen gefundenen Daten statistisch ausgewertet und die Muster der Blickbewegungen der Spieler analysiert. Mithilfe dieser Erkenntnisse wird das Dialogsystem weiterentwickelt, um immer besser mit gesprochenen Kommentaren auf die Blickbewegungen einzugehen.

Unbemerkte Computerhilfe

"Mit Feedback kamen die Versuchspersonen häufiger, schneller und leichter zum richtigen Knopf und sie fragten nur seltener um Hilfe", erklärt Maria Staudte, Leiterin der Nachwuchsgruppe "Embodied spoken interaction" im Exzellenz-Cluster "Multimodal Computing and Interaction" an der Saar-Uni. "Uns hat überrascht, dass die weitaus meisten Versuchspersonen überhaupt nicht bemerkt haben, dass der Computer von sich aus Feedback gibt, etwa den Knopf zu drücken, wenn sie diesen nur anschauen. Sie haben sich nicht gewundert, woher der Computer weiß, dass er jetzt diese Anweisung geben soll. Kaum jemand kam dahinter, dass Eye-Tracking eingesetzt wurde", erläutert Staudte. (red, derstandard.at, 10.11.2012)

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5 Postings

Und wenn man sich Pornos anschaut?

Dann erkennt das Ding rechtzeitig

dass nun die Domina kommen muss!

das macht der kameramann für dich

Eine schwedische firma macht das schon laengst

Name und Link der Firma bitte!

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