Amon hält an Weinzettl als Radio-Innenpolitikchef fest

Für Redakteursrat fachliche Qualifikation offensichtlich nicht entscheidend - Freie landen bei Wrabetz

Wien - Während die ORF-Redakteurssprecher in einem Schreiben an die Bundesregierung ihre Forderung nach einer Änderung des ORF-Gesetzes auch mit der umstrittenen Besetzung der Radio-Innenpolitik begründen, rührt Radiodirektor Karl Amon die Werbetrommel für seinen Wunschkandidaten Edgar Weinzettl. "Kompetent, führungsstark und ein ausgezeichneter innenpolitischer Redakteur" sei Weinzettl, so Amon im Interview mit dem Branchendienst "medianet".

Warum er bei der Bestellung nicht dem Wunsch der Redakteursversammlung und von Radio-Chefredakteur Hannes Aigelsreiter folgt und am Radio Wien-Wortchef festhält? "Weil der das offizielle ORF-Hearing gewonnen hat, weil ich in diesem Fall eine Außenbesetzung bevorzuge, weil er ein ausgezeichneter innenpolitischer Journalist mit großem Führungspotenzial und ein Garant für die Unabhängigkeit der ORF-Radio-Information ist", so Amon.

Fachkompetenz

Der ORF-Redakteursrat in Person von Eva Ziegler, Dieter Bornemann und Fritz Wendl schrieb am Donnerstag in einem Brief an die Regierungsspitzen, in dem die ORF-Journalisten ihre Forderung nach Änderungen im ORF-Gesetz deponierten, von einer "Postenbesetzung, bei der offensichtlich nicht die fachliche Qualifikation von Kandidaten das entscheidende Kriterium sein soll". Die Radioredakteure hatten Weinzettl mangelnde innenpolitische Fachkompetenz vorgeworfen. Hinter der Bestellung Weinzettls wird auch ein Wunsch der SPÖ vermutet, sein Name machte lange vor Ausschreibung und Hearing - beim Kanzlerfest zum Sommeranfang - erstmals die Runde. Die Redakteure sprachen sich deshalb für Stefan Kappacher oder Andreas Jölli aus, letzterer wurde auch von Chefredakteur Aigelsreiter vorgeschlagen.

"Edgar Weinzettl war mit mir einige Zeit im aktuellen Dienst des Landesstudios Wien. Schon damals ist er mir positiv aufgefallen. Was, als Facherfahrung soll eine Rolle gespielt haben", erklärte Radiodirektor Amon die Gründe seines Vorgehens in "medianet". "Wenn die Kolleginnen und Kollegen meiner Radio-Information Edgar Weinzettl in der journalistischen Tagesarbeit kennen lernen, werden sie sehr bald meiner Meinung sein." 2002 sei Weinzettl wegen seiner Leistungen auch zum Stellvertreter des Chefredakteurs im Landesstudio Wien gemacht worden. Redakteursrat Wendl bezeichnete diese Darstellung zuletzt als falsch. "Im ORF Wien gibt es die Funktion eines stellvertretenden Chefredakteurs nicht", so Wendl.

Letztentscheidung bei Wrabetz

Nächsten Dienstag findet nun im ORF-Zentrum ein Treffen des Redakteursausschusses statt, bei dem alle Redakteursvertreter aus Fernsehen, Radio und Landesstudios zusammenkommen. Die Radio-Innenpolitik wird dabei eines der Themen sein. Erst danach kommt es zu der im Redaktionsstatut verankerten Anhörung des Redakteursrats durch ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Beim ORF-Chef liegt die Letztentscheidung in der Personalcausa. Er dürfte trotz der heftigen Proteste der Radioredakteure dem Personalvorschlag Amons folgen, meinen Wrabetz-Kenner.

Freie Hörfunkmitarbeiter landen beim General

Beim ORF-General dürfte unterdessen auch ein anderer Funkhaus-Aufreger landen. Die Freien Mitarbeiter im Hörfunk hatten zuletzt wiederholt auf ihre prekäre Lage und mangelnde Bezahlung hingewiesen. Dass es in der Angelegenheit noch kein Ergebnis gibt, liege laut Amon daran, dass die Freien eine von ihm angebotene Mindestpauschale von 20.000 Euro im Jahr ablehnen. Die Freien wollen eine deutliche Honorarerhöhung. "Dafür bin ich der falsche Ansprechpartner. Das ist eine Sache zwischen Betriebsrat und Generaldirektor", so der Radiodirektor.

Ob die aktuelle Lage in Sachen Freie für den Kultursender Ö1 nicht etwas beschämend sei? Amon: "Es ist aus meiner Sicht kein Zustand, den man so belassen kann. Es passiert ja nicht zufällig, dass ich und die gesamte Geschäftsführung an einer vernünftigen Lösung arbeiten." Wenn es im ORF um Geld geht, sei aber "im Endeffekt der Generaldirektor zuständig bzw. im Alltag der Kaufmännische Direktor". (APA, 8.11.2012)

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2 Postings
finde ich entzückend, dass amon jetzt einfällt, dass er für die verhandlungen mit den freien der falsch ansprechpartner ist ...

... dafür, die diskussion über ein jahr lang zu verschleppen und genau nichts zu tun, war er aber der richtige.

Freie ORF MitarbeiterInnen

Es geht hier nicht nur um die Freien MitarbeiterInnen des Hörfunks, sondern es geht um ALLE Freien, die im ORF beschäftigt sind, also auch beim Fernsehen und in den Landesstudios - eine Thematik, die also das gesamte Unternehmen betrifft. Amons - arbeitsrechtlich ohnehin nicht abgesichertes - Mindestpauschalangebot hätte nie eine Lösung für alle Freien bedeutet, die sich einfach nur eine gerechte Bezahlung für ihre hervorragende Arbeit wünschen sowie eine Beendigung der oftmals üblichen prekären Beschäftigungsverhältnisse. Der Kaufmännische Dir. hat eine Lösung bis Jahresende angekündigt, die Honorarverhandlungen wurden vom Betriebsrat jüngst aufgrund fehlender Angebote der GF ausgesetzt, man darf auf die Entwicklungen gespannt sein

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