Telekom weist Vorwürfe zurück

8. November 2012, 14:33

Ametsreiter nicht in Vertragsverhandlungen eingebunden

Wien - Für die Telekom Austria ist ein Schmiergeldverdacht im Zusammenhang mit der Anmietung des Burgtheaters im Rahmen der Fußball-EM 2008 "nicht nachvollziehbar". Auf Basis einer anonymen Anzeige vom Mai werde Unternehmenschef Hannes Ametsreiter zwar als Beschuldigter geführt, Ametsreiter sei damals aber in die Vertragsverhandlungen nicht eingebunden gewesen, schreibt das Unternehmen in einer Aussendung.

Der Vorwurf der anonymen Anzeige geht dahin, dass im Zuge des Deals Geld an die SPÖ geflossen sein könnte. Denn "ein Kronzeuge" habe ausgesagt, dass die Telekom Austria an den der SPÖ nahestehenden Echo-Verlag für die Burgtheater-Anmietung zehn Mio. Euro gezahlt habe und nicht nur die im Vertrag vermerkten 1,4 Mio. Euro.

Ametsreiter in Anmietung nicht involviert

Ametsreiter, damals Marketingchef der Mobilfunksparte Mobilkom und ab 1. Juli in Doppelfunktion auch bei der Festnetzgesellschaft der Telekom Austria, habe mit der UEFA und über Bildübertragung verhandelt. In die Anmietung des Burgtheaters sei er hingegen nicht involviert gewesen, auch wenn die Genehmigung des Vertrages "natürlich in seinem Vorstandsbereich lag" und vom Vorstand abgesegnet wurde, sagte ein Telekom-Austria-Sprecher am Donnerstag zur APA.

"Gigantischer Werbewert"

Das Projekt sei ein "höchst erfolgreiches Sponsoring mit gigantischem Werbewert" gewesen. Die Telekom Austria habe an das Echo-Medienhaus 1,4 Mio. Euro gezahlt, was "für uns ein fairer Marktpreis war". Auf weitere Zahlungen gebe es keinen Hinweis. Außerdem habe es für die Anmietung des Objekts mitten in der größten Fanmeile keine Alternative gegeben, da der Echo-Verlag einen Exklusiv-Vertrag hatte und gemeinsam mit dem Burgtheater aufgetreten sei.

Ametsreiter ist laut Sprecher vor rund einem Monat zu dem Thema von der Staatsanwaltschaft befragt worden. Hausdurchsuchungen habe es in diesem Zusammenhang nicht gegeben. Den Behörden seien alle relevanten Unterlagen übergeben worden, die interne Revision habe keine Unregelmäßigkeiten festgestellt. Wie die Sache weitergeht sei für die Telekom Austria nicht absehbar, aber "die letzten anonymen Anzeigen gegen Ametsreiter sind eingestellt worden".

Verträge von Schieszler und Frauenholz unterzeichnet

Die Verträge zwischen Telekom Austria und Echo-Verlag wurden 2007 vom damaligen Festnetz Finanzchef (CFO) Gernot Schieszler und dem damaligen Einkaufsleiter Wolfgang Frauenholz unterzeichnet. Festnetz CEO war damals Rudolf Fischer, erinnert das Unternehmen.

Ein genauer Sponsoringwert der Burgtheater-Anmietung wurde nicht erhoben, die gesamte EM sei aber "aus Sicht der Telekom Austria eines der erfolgreichsten Sponsoring-Projekte des Unternehmens" gewesen. Allein der mediale Werbewert habe "mehrere Millionen Euro" betragen, dazu kämen "nachhaltige Kundenbeziehungen, der zusätzliche Umsatz mit der UEFA, mit weiteren Kunden und der positive Imagetransfer einer perfekten Veranstaltung auf die Marken von Telekom Austria".

FPÖ-Vorwurf an SPÖ

"Diese Vorwürfe schockieren selbst abgebrühte Politiker und Beobachter des politischen Geschehens", ist Wiens FPÖ-Klubchef und stellvertretender Bundesparteiobmann Johann Gudenus "bestürzt" wegen der Vorwürfe. Er wirft der Wiener SPÖ vor, "die Telekom-Millionen abgezweigt" zu haben.

Die SPÖ Wien antwortete in Person von Landesparteisekretär Christian Deutsch, der von "absurden Behauptungen" der FPÖ sprach, die jeglicher Grundlage entbehrten und "auf das Schärfste zurückzuweisen" seien.

Die Telekom Austria hält am Montag ihre jährliche Strategiesitzung ab, in der der neue Großaktionär America Movil seine Vorstellungen einbringen kann. Außerdem wird der neue ÖIAG-Chef Rudolf Kemler als Eigentümervertreter der Republik dort sein. Kemler hat zuletzt die Telekom Austria als die Arbeitsintensivste der drei großen Staatsbeteiligungen bezeichnet. In diesem Gremium wird sich auch Ametsreiter rechtfertigen müssen. (APA, 8.11.2012)

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6 Postings
Hat aber nicht hingehaut

...und der positive Imagetransfer einer perfekten Veranstaltung auf die Marken von Telekom Austria".

Das Unternehmen wurde bald umbenannt in A1....

... die Vorfeldorganisation namens Echo-Verlag ...

... Wien als Perpetuum mobile, die SPÖ finanziert sich selbst durch ihre Holding, schanzt den dazugehörigen Firmen seit Jahrzehnten Geschäfte zu, lukriert "Wahlspenden" daraus. Über diesen grausigen Sumpf traut sich nichteinmal der Pilz drüber.

Wie kommt der rote Echo-Verlag zu einem Exklusivvertrag mit dem Burgtheater?

Und kann dieses zu einem Millionen-Vertrag untervermieten? Da stecken ja mehr drinnen als der Amesreiter. Auf Burgtheatermist alleine ist so ein (für die SPÖ) lukratives Geschäft sicher nicht gelaufen. Wie heißt doch schnell die für Bundestheater zuständige Bundesministerin für Kunst. Claudia Schmied, oder? "Kunst der SPÖ net schnell a paar Hunderttausender ummeschierbn?"

ahh die FPÖ wieder..Mund auf machen..scheiße rauslassen..

und hoffe das sie wo picken bleibt..Politik á la FPÖ!

Oder man sieht das Offensichtliche

Die roten Theater Wien vermieten an das bekennend rote Echo obwohl man auch direkt an einen Kunden vermieten könnte. Warum tut man das? Meischberger und Co haben es vorgezeigt. Über solche Firmen kann man sehr schön ,von der Öffentlichkeit unbemerkt, Parteien viel Geld zuschieben. Zusätzlich hat uns http://dossier.at/inserate/ ja schon sehr schön vorgezeigt wie hoch der Kapitalaufwand der SPÖ Wien ist.

Echo

spannend bleibt, warum eine Verlag (Echo) - egal, wem er nahesteht/gehört... - bei einer EM ein Theater mietet (exclusiv) und dann an ein Telekomunternehmen weitervermietet. Warum hat das das Burgtheater nicht direkt gemacht?

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