RCA will weniger, aber profitabler arbeiten

8. November 2012, 14:09
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Bahnchef Christian Kern zieht Gewinne hohen Marktanteilen vor. Vorsteuerergebnis der Güterverkehrssparte soll heuer bei 25 bis 26 Millionen Euro liegen

Wien - ÖBB-Chef Christian Kern hält einen Turnaround bei der ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria (RCA) trotz Konjunkturflaute für machbar. Für heuer rechnet er mit einem Betriebsgewinn (Ebit) von 25 bis 26 Mio. Euro. Das Ergebnis "reiche nicht" und mache die RCA auch nicht "investitionsfähig", sagte Kern am Donnerstag. Ziel der aktuellen Einsparungen - nämlich die Schließung von Verladestellen - sei es, das Unternehmen "langfristig zu erhalten".

Schwer lasten auf dem Unternehmen die hohen Finanzverbindlichkeiten von 1,4 Mrd. Euro und eine dünne Kapital- und Liquiditätsdecke. Der hohe Marktanteil der RCA in Österreich von 85 Prozent sei nicht mehr aufrechtzuerhalten, betonte Kern. Nicht der Umsatz- sondern der Profitabilitätsaspekt stehe nun im Vordergrund. Den bei der Tagung anwesenden Logistikern versprach der ÖBB-Chef, dass die RCA in den kommenden Tagen Gespräche mit ihnen über die künftige Zusammenarbeit führen werde.

Weniger Verladestellen

Den europäische Schienengüterverkehr sieht Kern vor einer großen Konsolidierung, von der die deutsche DB Schenker Rail und die RCA als einzige profitieren könnten. Die italienische Bahn habe etwa die Hälfte der Cargo-Verladestellen geschlossen und eine weitere Halbierung stehe im Raum. Auch in Frankreich oder in Osteuropa sei die Branche in der Krise.

Oberösterreich verfüge derzeit über doppelt so viele Bedienstellen wie ganz Italien. Österreich sei mit knapp 500 Bedienstellen "absolut top" in Europa. Der RCA-Aufsichtsrat hatte Ende Oktober beschlossen, 41 Verladestellen spätestens bis Ende März 2013 aufzulassen und bis Jahresende 100 Mitarbeiter abzubauen. Ob weitere Bedienstellen geschlossen werden, ließ Kern offen. Es sei fraglich, ob "so eine Situation" aufrechterhalten werden könne.

Auslands-Zukäufe möglich

Der ÖBB-Chef will die Privatisierung der Güterverkehrsbahnen in Polen, Bulgarien, Rumänien, Serbien und der Slowakei genau beobachten. "Da wollen wir rein", betont er. Bisher habe sich aber noch keine interessante Geschäftsmöglichkeit aufgetan. Die Polen würden etwa seit 2 Jahren versuchen, ihre Bahn zu privatisieren.

Das Sanierungsprogramm der ÖBB auf Konzernebene greife "besser als wir erwartet haben", zeigte sich Kern zufrieden. Weiterhin werde ein Gewinn vor Steuern (EBT) von 60 Mio. Euro für 2012 anvisiert. Die für 2024/25 anvisierte Breitspurbahn von Russland nach Wien dürfe man sich standortpolitisch nicht durch die Finger gehen lassen, appellierte der ÖBB-Chef an die Politik. Rund 3.000 Arbeitsplätze könnten an einem möglichen Verladestandort in Parndorf (Burgenland) oder Gänserndorf (NÖ) entstehen. (APA, 8.11.2012)

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    Noch hatte ÖBB-Chef Christian Kern keine rechte Freude mit dem Güterverkehrs-Geschäft.

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