Umgang mit Bewerbern wird besser, lässt aber noch zu wünschen übrig

Studie "Career's Best Recruiters" nimmt Rekrutierungsmaßnahmen von Unternehmen unter die Lupe

500 Unternehmen, 23 Branchen, 55 Kriterien, 2.000 Initiativbewerbungen. Das sind die Zahlen, die der Studie "Careers's Best Recruiters" zu Grunde liegen - um das Recruitingniveau der 500 größten österreichischen Betriebe unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis wurde am Mittwoch bei der Personal Austria-Messe in Wien präsentiert.

Das beste Zeugnis wurde dabei Deloitte ausgestellt, das Unternehmen darf sich mit dem Titel "Career's Best Recruiter 2012" schmücken. Auf dem Stockerl Platz nehmen dürfen noch der Personaldienstleister Trenkwalder und Unicredit Bank Austria. Auf dem vierten Platz landete die Bawag P.S.K, die noch im Vorjahr zum Sieger gekürt wurde. Die Top Ten komplettieren Robert Bosch AG, Verbund, Ernst & Young, Rewe International, Erste Bank und LKW Walter.

Besser als im Vorjahr

Generell attestieren die Studienautoren den heimischen Betrieben Verbesserungen, wenn es darum geht, sich in den Köpfen von potenziellen Bewerbern als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Die Studie wurde erstmals 2010 durchgeführt. Heuer wurden die Rekrutierungsmaßnahmen um 15 Prozentpunkte besser bewertet als im Vorjahr. Allerdings bleibt noch sehr viel Luft nach oben, wird betont. Zum Beispiel im Umgang mit Bewerbungen.

Um diesen Bereich zu analysieren, verschickten die Studienautoren über 2.000 Initiativbewerbungen. Jedes Unternehmen erhielt vier, differenziert etwa nach Alter oder Geschlecht. Das Resultat: 30 Prozent der Bewerbungen wurden komplett ignoriert. Für Antworten wurde einen Frist von zehn Werktagen eingezogen. 70 Prozent der angeschriebenen Firmen reagierten. 60 Prozent in Form einer individuellen Beantwortung. Individuell bedeutet, dass die Bewerber persönlich angesprochen wurden oder ein zuständiger Ansprechpartner der Personalabteilung erkenntlich war. Zehn Prozent retournierten nur eine standardisierte Absage.

Zumindest eine standardisierte Antwort sollte das Minimum in Sachen Höflichkeitsstandard sein, meinen die Initiatoren der Studie. Fehlende Ressourcen könnten bei großen Unternehmen nicht als Ausrede gelten.

Unternehmensberater an der Spitze

Nach Branchen destilliert schneiden Unternehmensberater mit einer Antwortquote von 88 Prozent am besten ab. Auf den weiteren Plätzen folgen Banken/Finanzdienstleister (84 Prozent), Chemie (83 Prozent) und IT/Software (80 Prozent). Öffentliche Dienstleister liegen mit 71 Prozent im Mittelfeld. Mit nur 47 Prozent rangiert KFZ-Handel/-Service an letzter Stelle. Nicht mit Ruhm bekleckern sich auch Dienstleister (62 Prozent) und Personaldienstleister (64 Prozent).

Eine Hürde identifizieren die Autoren bereits in der ersten Stufe eines Bewerbungsprozesses. Nur bei 39 Prozent der untersuchten Arbeitgeber konnte auf der Karriereseite eine Nummer zur Personalabteilung gefunden werden. Bei 24 Prozent der Firmen wurde überhaupt die Möglichkeit einer direkten Kontaktaufnahme verwehrt. Das heißt, dass entweder keine Telefonnummer verfügbar war oder dass die Vermittlung nicht zur Personalabteilung durchstellen wollte. Einen "engagierten Umgang" bescheinigen die Studienleiter nur 27 Prozent der Firmen.

Vier Säulen

Die Ergebnisse basieren auf den vier Säulen Online-Recruiting-Präsenz, weitere Recruiting-Aktivitäten, Umgang mit Bewerbern und Feedback von Bewerbern.

Aufgeschlüsselt nach Branchen schneiden die Unternehmensberater mit 58 Prozent am besten ab, danach kommen IT/Software, Banken/Finanzdienstleister, Rechtsberater und Einzelhandel. Am unteren Ende der Skala finden sich Großhandel/Vertrieb, KFZ-Handel/-Service und Nahrungsmittel-/Konsumgüterhersteller.

In der Studie werden nur die Top 100 Arbeitgeber veröffentlicht, der Rest bleibt unter Verschluss. Unternehmen können die Detailergebnisse über ihre Rekrutierungsmaßnahmen kaufen. (om, derStandard.at, 8.11.2012)

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