Androsch-Kritik an Heeres-Volksbefragung

8. November 2012, 11:58
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Vorsitzender des Pro-Berufsheer-Komitees befürchtet "sehr geringe Beteiligung"

Wien - An der Volksbefragung zur Wehrpflicht gibt es immer mehr Kritik. Selbst der Vorsitzende des Pro-Berufsheer-Komitees, Hannes Androsch, hält eine Volksbefragung über das Thema für verfehlt. Er glaube, dass sich die Bevölkerung "gefrotzelt fühlt", wenn sie in einer derart komplexen Materie durch eine "herausgegriffene, willkürliche Frage" entscheiden soll, sagte Androsch bei einer Pressekonferenz des Komitees "Unser Heer" am Donnerstag.

Die Entscheidung über die Zukunft des Bundesheers und die künftige Sicherheitspolitik Österreichs seien eigentlich Sache der Regierung, so Androsch. Da sich diese darüber "nicht einigen konnte oder wollte", würden sich die Menschen nun auch die Frage stellen, wie sie als Laien in einer derart komplexen Frage entscheiden sollen, wenn das nicht einmal die dafür gewählten Politiker schaffen.

Androsch kritisiert Fragestellung

Die Fragestellung über die Beibehaltung oder Abschaffung der Wehrpflicht bezeichnete Androsch als "falsche Zuspitzung ohne das Drumherum". Die Regierung stelle die Bevölkerung vor die Wahl, ohne aber "Umsetzungsantworten" zu geben; Antworten darüber, "was erforderlich ist und welchen Zeitraum es für die Umsetzung braucht". Eine Systemumstellung sei nämlich nicht von heute auf morgen möglich, denn das Bundesheer habe 24.000 Dauerbeschäftigte und 12.000 Grundwehrdiener. Androsch befürchte daher, dass die Beteiligung an der Befragung sehr gering sein werde.

Nun müsse man aber das Beste aus der Situation machen - und das ist aus Sicht des früheren Finanzministers eine Umstellung auf ein Berufsheer. Die Herausforderungen und Gefahren hätten sich nämlich geändert. Die Gefahr des Terrorismus, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Ressourcensicherheit, unerwünschte Migration und Cyberattacken seien die Bedrohungen von heute. Dafür brauche es eine gemeinsame europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik und ein Berufsheer. Die Wehrpflicht verursache durch den hohen Verwaltungs- und Ausbildungsaufwand viele Leerläufe und Ressourcen-Verschwendung.

Peschek mit negativen Bundesheer-Erfahrungen

Der Wiener SPÖ-Gemeinderat Christoph Peschek berichtete bei der Pressekonferenz über seine Erfahrungen beim Heer und zeichnete dabei ein ganz düsteres Bild. Er sei durch den Grundwehrdienst nicht nur von seinem "Sozialleben ausgeschlossen" gewesen, sondern sogar an seiner "sportlichen Entwicklung gehemmt worden", weil er in dieser Zeit nicht bei seinem Sportverein trainieren konnte. Überhaupt gehe es beim sechsmonatigen Wehrdienst "um Schicksale", denn die jungen Menschen würden durch die Wehrpflicht auch in "die Schuldenfalle" tappen. (APA, 8.11.2012)

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    Hannes Androsch, Vorsitzender des Pro-Berufsheer-Komitees, glaubt, dass sich die Bevölkerung durch die Volksbefragung zur Wehrpflicht "gefrotzelt fühlt".

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