Hundert Jahre altes Verfahren macht Biosprit deutlich effizienter

8. November 2012, 11:14

Weiterentwicklung einer 1914 von Chaim Weizmann entdeckten Methode macht Treibstoff aus Pflanzenabfällen so energiereich wie Diesel

Washington/Paris - Ein beinahe hundert Jahre altes Verfahren, das nun US-Wissenschafter wieder entdeckt und perfektioniert haben, könnte in Zukunft den Energiegehalt von Biosprit bedeutend steigern. Mit Hilfe eines chemischen Prozesses, der früher dazu verwendet wurde, Stärke über Umwege in Sprengstoff umzuwandeln, haben die Forschern der University of California in Berkeley einen Treibstoff hergestellt, deren Molekülketten gegenüber Ethanol um das drei- bis siebenfache länger sind. Der so hergestellte Sprit wäre wesentlich effizienter, wie sie in einer am Mittwoch im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Studie schreiben.

Die Prozedur war bereits 1914 vom ersten Präsidenten Israels, dem Chemiker Chaim Weizmann,  entwickelt worden. Die beiden Biochemiker Harvey Blanch und Douglas Clark und ihr Team ließen zunächst wie bei der üblichen Ethanol-Produktion mit Hilfe des Bakteriums Clostridium acetobutylicum aus Biomasse gewonnenen Zucker fermentieren. Bei dem Vorgang entsteht eine Mixtur aus Aceton, Butanol und Ethanol.

Während die beiden Forscher einen Weg fanden, das Aceton und Butanol vom Ethanol zu trennen, entwickelte der Chemiker Dean Toste einen katalytischen Prozess, der die drei Substanzen bei idealem Mischungsverhältnis in langkettige Kohlenwasserstoffe umwandelt, die jenen von Dieseltreibstoff gleichen. Der Vorgang lässt sich so steuern, dass Kohlenwasserstoffe mit unterschiedlich langen Molekülketten entstehen. Damit ließen sich Treibstoffe für Fahrzeuge und Flugzeuge herstellen, ebenso wie chemische Grundstoffe, die etwa für die Kunststoffproduktion nötig sind.

Besserer Sprit aus Gras und Pflanzenabfällen

"Mit der gleichen Menge an Zucker machen wir einen Treibstoff, der viel effektiver ist als Ethanol", sagte Blanch. Für den gleichen Preis und beim gleichen Einsatz von Rohstoffen, die nicht der Ernährung dienen, wie etwa Gras oder Pflanzenabfälle, könne damit ein besserer Sprit hergestellt werden. Ethanol, der häufigste Biokraftstoff, hat einen geringeren Energiegehalt als viele andere Treibstoffe, lässt sich nur schwer mit Diesel vermischen und kann nicht über Pipelines transportiert werden, was einen Transport mit Tanklastern nötig macht, wie Blanch sagte.

Industrielle Produktion fünf bis zehn Jahren möglich

Allerdings haben die Forscher bislang mit ihrer Methode erst wenige Liter Treibstoff im Labor hergestellt. In fünf bis zehn Jahren könnte die Produktionsweise aber auch industriell erfolgen, sagte Blanch. Der Preis für den so gewonnenen Biosprit wäre dann vermutlich noch etwas höher als der von herkömmlichen, aus Erdöl gewonnenen Treibstoffen. Er könnte aber mit dem Preis anderer Biotreibstoffe konkurrieren. (APA/red, derstandard.at, 08.11.2012)

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1914 vom 1. Praesidenten Israels entwickelt...

Muesste wohl eher heissen: ... von dem (aus Weissrussland stammenden) Ch. Weizmann entwickelt, der 1948 erster Praesident Israels wurde ...

wer braucht in 10 Jahren noch Diesel ?

LENR ist die Energiewende ohne wenn und aber.
In 10 Jahren wird eine Luftverschmutzung mit einem Bußgeld geahndet! hoffentlich;-)

Wer sich informieren will hier eine schöne Slide:
www.lenrproof.com

Nicht übel !

Aber es stellt sich die Sinnfrage: wozu aufwändig Reaktoren bauen, wenn die größte auf Kernfusion basierende Eneriequelle direkt am Himmel schwebt und man die gratis erzeugte Energie (Licht und Wärme) nur noch abgreifen muss ?
Hier ein "netter Versuch" in die richtige Richtung: http://de.wikipedia.org/wiki/Desertec

"wozu aufwändig Reaktoren bauen"
--> die Reaktoren sind von "jedem" (gewisse Fertigkeit sollte vorhanden sein) zu bauen selbst in den ärmsten Ländern dieser Erde.

"an die gratis erzeugte Energie (Licht und Wärme) nur noch abgreifen muss ?"
--> gebe ich Ihnen recht. Aber das funktioniert nicht zu 100% dezentral.
Der größte Vorteil von LENR ist das man sich vollkommen autonom dezentral mit Energie versorgen kann. (Länder, Regionen, Firmen, jeder selbst)
Das ist das eigentliche Problem. Davor haben viele Angst. Sie verlieren Ihre Macht und die Geldströme.

Gruß LENR4you

selst wenn das kein schmafu ist - wovon ich ausgehe

wozu sollte die produktion von thermischer "überschuß"energie auf niedrigem temperaturniveau gut sein?

die fällt jetzt schon bei jeder kraftmaschine an und muß aufwendigst weggekühlt werden

ich habe erst googeln müssen, dass lenr das neue "cold fusion" ist, respekt!

In 10 Jahren

wird es immer noch hunderttausend Häuser geben, welche mit Heizöl (= Diesel) beheizt werden.

Auch der allergrösste Teil der LKW´s wird mit Diesel verwenden

Das weisst darauf hin ...

dass das Bildungsystem vor 100 Jahren wohl besser war :D

Wohl eher darauf, dass wissenschaftliche Arbeiten bzw. deren Dokumentation damals nicht gut/sichtbar genug aufbewahrt wurde.

das auch :)

Diesel Ähnlichkeit ist vorteilhaft

Weil man damit auch Ölheizungen betreiben könnte. Ich hoffe nur, dass solche Entwicklungen die Energiepreise stabilisieren helfen.

Dagegen haben aber manche etwas...

wirklich aufregend finde ich die frage....

sind higgs wozu und fs3 aus derselben familie? oder moeglicherweise sogar neffe und sohn gleichzeitig?? weil so viel schwachsinn von zwei unabhaengigen personen ist fast nicht vorstellbar. die muessen sich mittels brainstorming austauschen oder so...

Die beiden haben eine Stiftung gegründet, welche das Ziel hat, das goldene Brett vor dem Kopf zu gewinnen.
Nachdem es dieses Jahr nicht geklappt hat, intensivieren sie jetzt ihre Anstrengungen...

Vielleicht steckt dahinter ja sogar ein und dieselbe Person...

die lesen einfach infowar seiten, dann wird man so komisch ;-)

Perpetuum mobile

"energiereich wie Diesel", "Energiegehalt gesteigert", "Sprit effizienter". Ja und, was soll das bringen? Das wäre nur dann ein (ökonomischer) Fortschritt, wenn der Preis gleich bliebe, ist das so?
Und woher soll denn diese Mehrenergie kommen? Aus dem Erdöl vielleicht? Sieht nach Schildbürgerstreich aus.
Der einzige erkennbare Vorteil: bei gleicher Tankgröße ergibt sich eine größere Reichweite.
Aber, je länger die Kohlenwasserstoffmoleküle sind, desto CO2-lastiger werden die Abgase.

die sind allerdings "co2-lastiger"

weil sie eben mehr oxidierbaren kohlenstoff pro masseneinheit enthalten!!! das ist ja grad das gute an diesen verbindungen.

und übrigens: das co2 (und h2o natürlich) das bei der umsetzung frei wird ist ein jahr davor von der pflanze assimiliert worden unter ausnutzung des sonnenlichts.
also co2 neutral. hier muss man nämlich die co2 bilanz betrachten, nicht den austoß an sich

schauen sie sich das ganze mit co2 und energiebilanzen mal genauer an

Diesel

aus Kunstofmühl gibt es schon lange

http://www.youtube.com/watch?v=7Mhda7twO50

soga aus dem Sand kan man Sprit machen

http://www.youtube.com/watch?v=gCDSbjJtd2w

mehr über das Dr.Peter Plichta (sehr spanend) hier

http://www.youtube.com/watch?v=V... re=related

Clostridium acetobutylicum macht was aus Zucker was im Artikel nicht

beantwortet wird ist wie aus Zellulose Zucker werden soll. Ob man dann Ethanol oder sonst was draus macht ist relativ egal wenn man wirtschaftlich erst mal bei Zucker ist.

Ganz einfach - Zellulose ist nichts anderes als ein Polysaccharid (Poly-Glucose) - durch die sogenannte Buttersäuregärung wird die Zellulose in die Einzelbestandteile zerlegt die dann weiterverwandelt wird

ich bin jetzt kein biotechnologe

und weiß daher nicht wirklich, welche clostridien (oder sogar alle) auch cellulose verarbeiten können - nur, daß es auf jeden fall welche gibt (sonst hätten die kühe echte probleme)

und ich weiß auch nicht, ob alle oder welche clostridien von der buttersäure- in die lösungsmittelgärung fallen, um die es hier wohl geht

aber ich könnte mir vorstellen, daß es vielleicht ja auch gar kein reinstamm sein muß, mit dem man hier arbeitet - der pansen wird ja auch von einer gemischten bakterienpopulation besiedelt (auch wenns da weniger um lösungsmittel geht)

Sehr gut. Bis das Erdöl aus ist, werden wir etwas Besseres haben.

das erinnert mich an die sonnenbetriebene Eismaschine auf der Pariser Weltausstellung 1878

wird jetzt wieder erfunden und weiterentwickelt!
http://www.solarwaerme.at/Sonne-und... ionsweise/

Wow!
Das erinnert mich an eine Erfindung, die vor 100 Jahren gemacht wurde, und wieder vergessen wurde.
Wurde erst vor kurzem wieder neu "erfunden".
Leider fällt mir nicht mehr ein, was das war. :-(

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