Türkisches Hutgesetz wird abgeschafft

Verordnung aus dem Jahr 1925 war gegen Fez und Turban gerichtet

Istanbul - Die türkische Regierungspartei AKP will die gesetzliche Hut-Pflicht für Männer abschaffen. Das sogenannte Hut-Gesetz aus dem Jahr 1925 solle aufgehoben werden, sagte Parteisprecher Hüseyin Celik der Zeitung "Radikal" vom Donnerstag. Gesetze seien schließlich nicht für die Ewigkeit gemacht. Das Gesetz aus den Anfangsjahren der 1923 gegründeten Republik sollte den osmanischen Fez und den Turban aus der Öffentlichkeit verdrängen. Hüte galten als Zeichen der Moderne, der damals bei türkischen Männern beliebte Fez und der Turban dagegen als Symbole der Rückständigkeit.

Aus Respekt vor Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk sind das Hut-Gesetz und sieben andere, unter dem Namen "Revolutionsgesetze" bekannte Vorschriften bisher nicht abgeschafft worden, obwohl einige von ihnen längst überholt sind. Auch ein Verbot religiöser Gewänder außerhalb von Gotteshäusern gehörte zu diesen Gesetzen. Das Hut-Gesetz sorgte in den 1920er-Jahren in Anatolien für Aufstände, in deren Verlauf mehrere Dutzend Menschen hingerichtet wurden. Heute wird es nicht mehr angewandt.

Die kemalistische Opposition wirft der islamisch geprägten AKP vor, die säkularen Fundamente der Republik angreifen zu wollen. AKP-Sprecher Celik betonte deshalb, nicht alle "Revolutionsgesetze" sollten abgeschafft werden. Die Werte der Republik würden nicht angetastet. (APA, 8.11.2012)

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