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"Ist da überhaupt irgendetwas vom alten Bond übrig geblieben?" Nach über der Hälfte des Films fragt schließlich auch der Schurke Silva (als Mischung von Hannibal Lecter und Western-Mörder Chigurh einfach großartig: Javier Bardem), was wohl fast alle Kinozuschauer seit dem Start des 23. Agentenabenteuers wissen wollen: Wer ist dieser gequälte, schwächliche Kerl, der doch früher so verlässlich für Unfehlbarkeit stand?
Im 50. Jahr der Reihe sieht man Daniel Craig mit ständig blutunterlaufenen Augen, pillenschluckend, whiskysaufend, Leidensmiene, grauer Fünftagebart, Schmerzen, selbst ein paar Klimmzüge schafft er nicht mehr, mit der Walther PPK verfehlt er das Ziel. Die Auszeit, die er sich sonst erst nach getaner Arbeit, also geretteter Welt gegönnt hat, nimmt sich dieser James Bond gleich zu Beginn. Er habe den Tod genossen, sagt er, als er zum Einsatz auftaucht.
Für viele Fans, darunter vor allem die älteren, ist dieser neue Bond nur schwer zu ertragen. In einem Interview mit der „Zeit" hat Produzentin Barbara Broccoli die neue Verletzlichkeit und den Wandel des Rollenbildes mit dem Zeitgeist erklärt. Sean Connery - für viele noch immer die Idealbesetzung - sei der „Ur-Bond" gewesen, „roh, sexy, raubtierhaft, aber auch sophisticated und elegant". Töten, Champagner trinken und heiße Mädchen ins Bett kriegen, das habe der einfach zu verbinden gewusst. Das One-Hit-Wonder George Lazenby (Hit?) sei eine Übergangsfigur gewesen, vom Kalten Krieg zu den Seventies. Der ironische Hedonist Roger Moore habe so richtig Party gemacht, Timothy Dalton es im Zeitalter von Aids schwer gehabt, deswegen sei er „härterer, physischerer, kälterer" (sic!) geworden. Pierce Brosnan, sagt sie, habe der Figur nach dem Fall der Mauer eine neue Balance gegeben, und sei dann an der Effektverliebtheit und Fantasterei der Produktionen gescheitert. Tatsächlich erinnern sich viele, wenn überhaupt, nur mit Graus an einen von einem Riesenlaser abgeschmolzenen Gletscher oder Identitätswechsel durch Gentransplantation in den späteren Brosnan-Filmen. Das war Science-Fiction-Mumpitz.
In Sam Mendes haben die Produzenten den richtigen Regisseur gefunden, um dieses Prinzip des Gebrochenen auf die Spitze zu treiben. Schließlich hatte der Brite für „American Beauty" den Oscar gewonnen, einen Film über einen amerikanischen Familienvater, der die Liebe zum Kiffen und zu der besten Freundin seiner Tochter entdeckt und schließlich von seinem schwulen Nachbarn erschossen wird. Das klingt so gar nicht nach Bond. Und im düsteren Gangster-Film „Road to Perdition" hatte er Daniel Craig schon einmal als instabilen, verletzten Charakter gezeigt. Er wusste, wie man ihn schlecht aussehen lässt.
Sicher, ein paar Mal schießt Mendes über das Ziel hinaus: James Bond, der sich Rambo-mäßig selbst operiert. M, die ein Gedicht von Lord Alfred Tennyson rezitiert, während Silva und seine Gang sich durch Londons Regierungsviertel schießen. Das Endszenario auf dem schottischen Bond-Gut (die Geister der Vergangenheit!), eine Schlacht als Mix aus "Jason Bourne" und "Kevin allein zu Haus". Mit so viel Düster-, Menschlich- und Verletzlichkeit mutet Sam Mendes den Fans einiges zu.
Aber "Skyfall" ist eben auch das Jubiläum, 50 Jahre, etwas Besonderes, Grund genug, den Super-Agenten einmal kräftig auseinanderzunehmen. Der Schlusssatz verrät, dass in der nächsten Folge wohl wieder mit mehr Altem zu rechnen ist. Bei seinem neuen Vorgesetzten meldet sich James Bond lächelnd, glatt rasiert und gestriegelt zum Dienst: "Mit Vergnügen." (Thore Schröder, derStandard.at, 8.11.2012)
Thore Schröder, The European, ist Redakteur bei der BZ am Sonntag.
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Wirklich einer der besten Bonds seit langem - ein grandioser Bösewicht, der vor Spielfreude übersprudelt, aber dabei doch nicht ins Lächerliche abgleitet, ein Craig, der sowohl als "schwacher" als auch als "klassischer" Bond überzeugend wirkt: und eine funktionierende Dramaturgie. Ein starker Einstieg, ein fast locker-luftiger Mittelteil (inklusive der zu lange vermissten albernen Flirt-Dialoge), der sich zu einem Showdown steigert in einer Intensität, die noch kein Bond zuvor hatte.
Stimmt schon, er bricht wie auch die früheren Craig-Filme mit Bond-Traditionen, aber macht dramaturgisch alles richtig und wirkt wie eine Katharsis - nach der Schlussszene steht die Tür für einen neuen, "klassischen" Bond weit offen.
ich finde bardem fast zu klischeehaft in seiner rolle als boesewicht, da sind zuviele charaktere verschmolzen. schade dass er nicht laenger mit M interagieren durfte, auf die er es ja abgesehen hatte. die sexuelle ambivalenz war interessant, auch bonds antwort.
traumhaft war auch der neue Q: ein nerd als cheftechniker der alles am computer erledigen moechte und die ausruestung wieder auf die walther ppk beschraenkt.
auch der relativ nuechterne umgang mit dem tod und der auswechselbarkeit der agent war gut. und bond bleibt seinem leichten sadismus treu: er freut sich wenn der boese stirbt.
und der titelsong schaffts unter die top 10.
fuer mich vielleicht der bisher beste bond!
auch wenn die gletscherszenen in island in "the world is not enough" mit pierce brosnan nicht rasend realistisch waren, aber genau von dieser surrealitaet lebt(e) jeder bond. alles andere ist verwechselbar wie jason bourne und mission impossible...
Mich stört simpel am meisten, dass ALLE Filme immer nur nach derselben Schablone ablaufen.
Ist einfaches Fast Food.
Ich schreib Euch in 10 Minuten den Plot für den nächsten Bond:
Ein durchgeknallter österr. Mad Scientist, Adolf Haider gespielt von Arnie, weil er größenwahnsinniger und machtgeiler Neonazi ist, geschast. Daraufhin verschanzt er sich in den Karn. Alpen & droht über Raketen, die er dort unterirdisch bunkert, die Welt zu vernichten. Einmal abgeschossen versprühen die ein Mittel, das die Kleider der Menschen als Staub abfallen läßt. Die Welt versänke im Sex-Chaos.
Bond gefiele die Idee zwar (no na), doch im Prolog hatte ihm eine Taliban seine E**r weggeschossen -Kastrationskomplex real!
stimme ich absolut zu. konnte mich mit daniel craig bis dato auch nicht anfreunden, der neue streifen ist aber recht gut geworden. was mir in skyfall allerdings fehlte waren die besonderen locations, die wichtiger bestandteil jedes bond films sind.
die dachfirste in istanbul gab es bereits eins zu eins in "the international" und die shanghai pudong towers bereits im vorletzten "mission impossible" in wiet spektakulaereren szenen. ganz gut war hingegen einmal london einzubauen. in jedem fall (und nicht nur erst das ende) gab es mehr anknuepfungspunkte an die klassiker. schade um judi dench, die bedeutendste "erfindung der aus der aera pierce brosnan. aber never say never again..
Kann mich mit den neuen Bondfilmen nicht so wirklich anfreunden. Die nehmen sich zu ernst, behalten aber die abgedrehten Plots bei, die nur wenn man sie mit Augenzwickern betrachtet hat nicht peinlich waren IMO. War aber für mich der deutlich beste der Neuen.
Aber Bardem ist einfach ein Hammer. Endlich wieder ein wirklich guter Bösewicht nach fast 30 Jahren (also seit "Never say Never Again"). Fiennes ist IMO auch ganz gut. Und es gibt wenigstens wieder einen Q, wenn auch kein Vergleich zum Original.
In der Schlußszene wird nicht gevögelt und er macht Ms und Qs Suche nach ihm nicht unmöglich in dem er seine Uhr ins Wasser wirft oder Qs Roboter mit einem Höschen sabotiert, sondern er meldet sich zum Dienst? Freiwillig?
Man sollte die Produzenten erschlagen, mit ihren eigenen Schuhen! (frei nach Al Bundy)
Am Ende noch in Wayne Manor..
Ein Bondgirl kratzt völlig unwürdig ab, das andere rührt er nicht mal an.
Keine spektakulären Schauplätze, keine Gadgets, kein Schurke der eine Atombombe entführt und die Welt bedroht... nur der MI6, der mit sich selbst beschäftigt ist.
Skyfall spiegelt den Zeitgeist wieder.. sparen, in sich gehen und bescheiden sein, weniger Risiko..
Ein James Bond ohne Kampfkraft, Sexappeal, ein verletzlicher, saufender, rauchender Bond, ist wie:
Playboy mit 80 jährigen nackten Omas
Ein Männermagazin mit den neusten Nagellacktrends
Porsche aus Wellpappe
Wodka-Martini gerührt statt geschüttelt
Eine Sonne ohne Schein
Eine Saufparty bei den Anonymen Alkoholikern
....
Ein "Bond", wie er auch in zahlreichen anderen Filmen, unter anderem Namen, auch vorkommen könnte. Ein Charakter ohne Wurzeln, die seine Vorgänger so groß gemacht haben. In der nächsten Inkarnation findet er hoffentlich wieder dahin zurück, sonst können sie den Film auch gleich Matrix 4 nennen.
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