Ganztagsschule: Die bessere Schule für alle

Kommentar7. November 2012, 18:44
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Die Schule gehört in erster Linie den Kindern. Für sie soll das beste Lernumfeld geschaffen werden

Auch wenn die politische Debatte mitunter das Gegenteil insinuiert: Die Schule gehört in erster Linie den Kindern. Für sie ist sie da. Für sie soll das beste Lernumfeld geschaffen werden. Für jedes einzelne Kind. Unabhängig vom familiären, finanziellen, kulturellen und sozialen Hintergrund. Darum reicht der (koalitionstechnisch genügsam formulierte) Ruf der SPÖ nach einem Ausbau der Ganztagsschulen, der letztlich nur ein Angebot für rund 37 Prozent der Pflichtschüler schaffen würde, nicht aus.

Realpolitisch aber reicht er, um regierungsintern von der ÖVP blockiert zu werden - ausgerechnet budgettechnisch begründet. In dem Fall ein besonders schlechtes Argument. Denn es wäre sehr gut investiertes Geld, das hohe gesellschaftspolitische "Zinsen" abwerfen würde. Nicht für die kommende Wahl, und vermutlich auch nicht im Jahr dar auf. Aber verantwortungsvolle Politik sollte die Weitsicht und - sicher noch schwieriger aufzubringen - parteipolitische Generosität haben, das notwendige Richtige zu tun, auch wenn es nicht sofort politischen Profit abwirft.

In Ganztagsschulen geht es nicht um die nachmittäg liche Betreuung und Bespaßung jener Kinder, die zu Hause unversorgt wären, weil - huch! - vielleicht sogar beide Eltern berufstätig sind und das auch gern sein wollen. Gar nicht zu reden von Alleinerziehenden, die die veraltete und pädagogisch defizitäre Halbtagsschule, die den Anschluss an die Lebensrealität von heute längst verpasst hat, zusätzlich stresst und überfordert.

Der Wert der Ganztagsschule ist ein genuin pädagogischer. Es geht um Schule im eigentlichen, im besten Sinn. Das ist etwas ganz anderes als "schulische Nachmittagsbetreuung". Die Ganztagsschule ist die bessere Schule, die lebensfreundlichere - weil sie Zeit und (natürlich entsprechend adaptierten) Raum für das Miteinander-Lernen und -Leben bieten würde. Eine Schule, die auch integrationsfördernd wäre, weil alle dazugehören. Selbstverständlich und ohne irgendein "Anderssein" der Kinder zu dramatisieren, seien es "Migrationshintergrund", überforderte Eltern oder eben die Mami, die daheim mit dem warmen Essen wartet.

In einer Ganztagsschule ist Platz für alle Kinder und ihre Individualität. Darum gehört die "echte" Ganztagsschule mit verschränkten Unterrichts-, Freizeit- und Übungsphasen flächendeckend als "Normalschule" für alle Kinder etabliert. So eine Schule wäre in jedem Fall kinder-, eltern-, aber auch lehrerfreundlicher als die jetzige. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 8.11.2012)

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