Mitt Romney bleibt nach der Niederlage nobel

7. November 2012, 18:38
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Nach langem (Vor-)Wahlkampf gestand der Republikaner am Dienstag seine Niederlage ein und forderte alle Parteigänger zur Zusammenarbeit im Namen der Vereinigten Staaten von Amerika auf. Für den neuen, alten Führer Obama wollte er beten.

Mitt Romney schlug versöhnliche Töne an. Die Nation, sagte der Wahlverlierer am Dienstagabend in Boston, sei an einem kritischen Punkt. Man könne sich keine kleinliche Parteilichkeit und politischen Manöver mehr leisten. Im Gegenteil: "Wir wollen von Demokraten und Republikanern, dass sie die Menschen vor die Politik stellen. Diese Wahl ist vorbei, aber unsere Prinzipien dauern fort. Sie sind die Kriterien für die neue Größe dieses Landes. Ich hätte mir so gewünscht, diese Nation in eine andere Richtung zu führen. Aber die Bürger haben einen anderen Führer gewählt. So schließen uns Ann und ich euren Gebeten für ihn und unsere große Nation an."

Der Republikaner wirkte gefasst, als er gut eine Stunde nach Bekanntgabe des Wahlsieges für Barack Obama in den Fernsehsendern seine Niederlage eingestand - so als wären der harte Vorwahlkampf in seiner Partei und die intensive Auseinandersetzung mit dem Präsidenten in den vergangenen Monaten gar nicht so ernst gemeint gewesen.

Im April 2011 gab Romney offiziell bekannt, seine - nach 2008 - zweite Präsidentschaftskandidatur vorzubereiten. Das republikanische Fußvolk brauchte lange, um mit ihm warm zu werden. Die erste Vorwahl in Iowa verlor er knapp gegen Rick Santorum, lange konnte er sich nicht von diesem und einem weiteren Bewerber um die Nominierung der Republikaner, Newt Gingrich, absetzen. Erst im Frühsommer hatte er das Ticket endlich in der Tasche und konnte sich seinem eigentlichen Gegner, Präsident Barack Obama, zuwenden.

Seit dem Vorwahlprozess und ganz generell in seinem langen Politikerleben hatte Romney bereits beinahe jede politische Position und ihr Gegenteil eingenommen, um sich durchzusetzen. Die einen legten ihm das als Prinzipienlosigkeit aus, die anderen als Pragmatismus. Romney tat alles, um zu gefallen und zu gewinnen.

Gefährlich nahe

Zuletzt jedenfalls kam der Republikaner Obama nach dessen verpatzter Fernsehdebatte gefährlich nahe. Am Ende hat es aber dann doch nicht gereicht für den gläubigen Mormonen und versierten Investmentbanker. Für Romney bleibt nur die Rolle des anständigen, noblen Verlierers. Die hat er ordentlich ausgefüllt. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 8.11.2012)

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    Doch nicht Mister President: Mitt Romney hätte das Land gerne in eine andere Richtung geführt, sagt er. Nun aber gratulierte er Barack Obama.

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