Sportförderung für private Geschäfte in Vorarlberg

7. November 2012, 18:34
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Nach dem Rücktritt des Sportlandesrats macht man sich im Vorarlberg Landhaus ans Aufräumen. Der erste Kontrollausschuss zur Causa Sportservice dauerte am Mittwoch drei Stunden. Danach war die Opposition "fassungslos"

Bregenz - So einig waren sich die Klubobmänner von SP, FP und Grünen in Vorarlberg selten: Nach drei Stunden teils turbulenter Sitzung des Kontrollausschusses kamen einer nach dem anderen kopfschüttelnd aus dem Saal. Die Freunderlwirtschaft sei schlimmer als vermutet, das System in Sportservice und Sportförderung mache fassungslos. Klubobmann Johannes Rauch: "Wäre Landesrat Stemer nicht schon zurückgetreten, heute hätte er auf jeden Fall gehen müssen."

Der Landesrat habe als Aufsichtsrat die Geschehnisse in der Landesfirma zugelassen. SP-Klubobmann Michael Ritsch: "Er wusste viel mehr, als er öffentlich zugegeben hat." Das Sportservice ist für Ritsch ein Beispiel für das "System ÖVP, man erledigt die Dinge auf kurzem Weg".

Zur Vorgeschichte: 2010 wurden Landessportzentrum GmbH und der Verein Sportservice Vorarlberg zur Sportservice GmbH, einer 100-Prozent-Tochter des Landes zusammengelegt. Chef sollte Martin Keßler - kurz zuvor als Leiter der Sportabteilung wegen Verwicklung in Dopinggeschichten verabschiedet - werden. Der damalige Landeshauptmann Herbert Sausgruber verhinderte die Bestellung Keßlers als Geschäftsführer. Keßler baute mit Stemer eine Schattengeschäftsführung auf, der offizielle Chef Martin Schäffl wurde von Informationen abgeschnitten.

Mitarbeiter der Firma machten über das Sportservice private Geschäfte, Sausgruber und später Wallner erteilten Weisungen, das einzustellen. Im Ausschuss wurde bekannt: "Stemer und Keßler haben die Weisung mehrfach umgangen" (Rauch), es "entstand eine schlecht getarnte Neukonstruktion".

Man veranstaltete Laufevents, handelte in der Landesfirma mit Laufschuhen, bot günstige Dienstleistungen an, die sich Sportler dann wieder über die Sportförderung refundieren ließen. Eine Schwarzkassa wurde geführt.

Von der Breitensportförderung profitierte auch Martin Keßler: Er wollte den Sportservice als private Firma übernehmen, die 21.000 Euro für den Businessplan dazu ließ er sich aus der Förderung bezahlen.

Mit ihm Team war auch der Leiter der Sportabteilung. Dessen Verbleiben im Amt sei fraglich, sagte VP-Klubobmann Roland Frühstück nach der Sitzung. (Jutta Berger, DER STANDARD, 8.11.2012)

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