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Gitarrist Efrim Manuel Menuck wird kommenden Montag in der Wiener Arena das neue Godspeed- Album "Alleluja! Don't Bend! Ascend!" vorstellen.
Wien - Im Wesentlichen ist ja alles durchdekliniert. Die Rede ist jetzt nicht davon, dass Hardrock seit bald 50 Jahren ungefähr genau gleich klingt oder Indierock und Alternativpop eher eine Frage des Sounddesigns sind (derzeitiges Must: käsige Synthesizer aus der Ägide Steffie Wergers).
Auch dass elektronische Musik harmonisch gesehen generell den Ball flach hält, ist bekannt. Über deutsche Gangsterrapper, die über bekifften Soul-Samples aus den 1970er-Jahren damit angeben, zu Hause den größten Wohnzimmerwandverbau von allen zu haben und noch hundert Zierkissen dazu, müssen wir auch längst nicht mehr weinen.
Die Musikindustrie geht jedenfalls kaputt. Pop ist tot. Spotify und Youtube leben.
Sogar die Wohlfühlelektroniker und Ach-wenn-mich-nur-gruseln-könnte-Abstrakt-Jazzer werden demnächst aus den Museen und Galerien vertrieben. Sie werden Spätpraktikanten im Bereich "Irgendetwas Kreatives" oder müssen sich gemeinsam mit tausenden Freak-Folk-Studentenbärten und ihren Wandergitarren irgendwo als Hofmusiker bei einem Oligarchen verdingen. Die hören zum Nachtisch gern ein verdauungsstärkendes Freiheitslied oder ein emotional entlastendes Free-Jazz-Saxofon - und manche lassen sich von Laptop-Gewummer auch gern heimlich ordentlich durchwalken. Musik 2012, so schaut es doch aus!
Zu guter Letzt kann man sagen, dass man alles schon einmal und dann noch einmal in verschiedenen Variationen gesehen hat und selbst die Klage über durchdeklinierte Musiken schon mehrfach durchdekliniert wurde. Zynisch gesagt könnte einer also fordern:
Ja, wenn alles angeblich so langweilig geworden ist, dann zeig mir doch bitte zum Beispiel grimmige russische Industrialmusiker, die sich als Drogenmönche verkleiden und mit Räucherstäbchen, Handschellen und Wummergong guttural grunzend tibetanische Totengesänge für ein weltabgewandtes Black-Metal-Publikum nachstellen. Wobei sie eh versprechen, keine rechtsradikalen Sektenspinner zu sein, sondern sich einfach gern verkleiden. Jetzt stehst du aber an, die gibt es nämlich noch gar nicht! Irrtum, muss man darauf sagen, kauf dir doch einfach die CD von Phurpa.
Musik gegen das System
In wieder einmal zu Ende gehenden Zeiten wie diesen wird das Licht, das das Erscheinen eines neuen Albums des kanadischen Kollektivs Godspeed You! Black Emperor umgibt, naturgemäß zum Flammenschwert. Nach zehnjähriger Pause liegt nun auf dem hauseigenen Label Constellation Records das neue, derzeit weltweit in den Blogs und ganz Nerdhausen bejubelte und nach allem gerade Beschriebenen gleichzeitig klingende Album Allelujah! Don't Bend! Ascend! vor.
Die Musiker widmeten sich zwischendurch nicht nur der für alte Hardcore-Punks obligaten Verweigerung des Musikgeschäfts oder diversen Aktivitäten im Kampf gegen den militärisch- industriellen Komplex, zu dem bekanntlich auch die großen Unterhaltungskonzerne zählen. Die politisch bewegten Musiker waren in der Constellation-Familie etwa im artverwandten The Silver Mt. Zion Memorial Orchestra beschäftigt, das Ende November in Wien gastieren wird. Und Godspeed tourten als Begleitband des tragischen US-Songwriters Vic Chesnutt, mit dem sie 2007 bei der Viennale dessen Abschiedsalbum North Star Deserter vorstellten.
Die neuen Godspeed-Stücke auf dem Album Alleluja! Don't Bend! Ascend! belegen immerhin, dass aus der guten alten Tante Semi-Avantgarde in Sachen künstlerische Verarbeitung des Falls der westlichen Zivilisation noch einiges herauszuholen ist. Zum Beispiel jener Hoffnungsschimmer in sterbenden und gern im Bühnenhintergrund projizierten Industrielandschaften, der aus dem anfänglichen Blues einer Godspeed-Komposition am Ende eine gebrochen-schöne Hymne werden lässt.
Wir hören kämpferische, mitreißende, rein instrumentale, zart grenzgängerische und sehr laute neuklassische Kammermusik. Zwischen Free Rock, Ambient Drones oder serbischer Folklore im neuen Stück Mladic ist noch einiges drin. Gangsterrap halt nicht. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 8.11.2012)
Hören Sie hier ein paar Tracks von Godspeed You! Black Emperor im Spotify-Stream:
Godspeed You! Black Emperor, Mo., 12. 11. Arena, 1030 Wien.
Am 21. und 22. 11. bespielen Constellation-Acts wie das Memorial Orchestra das Wiener Porgy & Bess beim Blue-Bird-Festival.
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eh klar, sobald eine band nicht im metalkontext steht, wird sie hier beschrieben. sobald dieser träge alternative-aspekt wegfällt, ist musik für die standard-redaktion ein rotes tuch und wird totgeschwiegen. als wie wenn diese band besser wäre als all die großartigen metalbands, die wöchentlich in wien spielen. pain in 1 woche? no way, Gar Kreator in 2 Wochen. Niemals. Da fehlt ja die Alternative-Hippness... Das geht ja dann nicht. Die musikalische Güte ist völlig egal. Aber das sind die eingeschränkten Denkschemata von Fluch und Schachinger. Musikfreunde müssens dann büßen. Was totgeschwiegen wird, hat keinen Wert. Das ist die hippe Indie-Logik. Und sie checken dann nicht mal, wie naiv und kulturell erbärmlich dieser Zugang überhaupt ist.
Sry, hab früher viel Metal gehört (jetzt weniger) aber zwischen GY!BE und Pain oder Kreator ist qualitativ und hinsichtlich Einfluss und Einzigartigkeit doch ein riesen Unterschied.
Pain ist für mich kitschiger Synthiepop
Kreator mag ich gerne, spielen aber immer und überall und sind auch nicht wirklich einzigartig, geschweige denn innovativ.
Da fallen mir spontan 100 Konzerte ein, die eher einen Artikel verdienen als wieder mal Kreator...
ist "Innovation" aber auch nicht wirklich ein primärer Anspruch...vor allem wenn eine Band in einem Genre zu den Pionieren zählt. Außerdem hat man ja mit "Endorama" durchaus ein wenig experimentiert und das nichtmal schlecht.
Gut, wem Thrash technisch zu wenig anspruchsvoll ist, der kann ja Techdeath hören, aber sowas packen hier ja die allerwenigsten ;-).
vor allem Tilo Wolff als Gastmusiker fand ich super :-D
Man kann's aber auch ein wenig übertreiben mit der "Weiterentwicklung"...siehe die letzte Morbid Angel ;-). Was bin ich froh, kein echter Fan von denen zu sein :-D
Auf die neue Enslaved bin ich jedenfalls schon SEHR gespannt, die sollt demnächst endlich im Postkastl sein :-)
mit 17 hat mich sowas auch noch aufgeregt, wenn die anderen in der schule die musik auf die ich als einziger metaller in der klasse stand, nicht auch so toll fanden. dann kam der trotzige distinktionsgewinn, den ich in meinem auskennertum gesehen habe, dann wurde ich langsam erwachsen und es war was es ist, nämlich wurscht.
ihnen ist wohl auch vieles andere wohl nicht egal. in der kunstkritik und in der kulturellen szene sollte aber auch nicht alles egal sein und selbstverständlich darf man sich beschweren, wenn bestimmte kunst totgeschwiegen wird, ähnlich wie es von hoher wichtigkeit ist, wenn man generell über diese thematik spricht oder darf man nur im teeangeralter über kulturkritik diskutieren? darf man als 70-jähriger nicht mehr über eine gesehene oper diskutieren? ist das nicht erlaubt? Darf Kunst und Kultur und ein derartiger Diskurs nicht mehr erlaubt sein, wenn man ein Opa ist oder ein Papi? Interessant, ein derartiger Ansatz
Oje, das ist aber wer ziemlich leicht beleidigt. Bands wie Pain oder Kreator werden hier wohl nicht genannt, da sie schlicht und einfach zu austauschbar sind. Würde man die hier erwähnen, müsste man fairerweise gefühlte 10.000 andere Metalbands auch erwähnen.
Über ungewöhnliche Metalbands wie Neurosis hat man hier hingegen schon was lesen können.
Übrigens: ich höre auch Metal, unter anderem, auf Ideen wie sie sie haben, bin ich aber noch nicht gekommen...
und genau das ist es. Über Neurosis wird hier diskutiert, weil sie nicht in den Metalkontext fällt, sondern Alternative ist. Das hat mit Metal rein gar nichts zu tun. Sie zeigen mit ihrem Beispiel wunderbar diese Problematik. Selbstverständlich kommt deshalb z.b. die neue Enslaved oder deren Konzert im Frühjahr in Wien hier nicht vor, weil das im Metalkontext stattfindet und nicht im Core/Alternative-Kontext. Eine Band wie Kreator ist zudem eben nicht austauschbar, sondern sie gehören zu den Marktleadern mit völlig eigenständigem Flair, welches man unter 1000 Bands sofort rauskennt. Neurosis ist nicht ungewöhnlicher Metal, sondern entstammt einer völlig anderen Szene, abgesehen davon sind sie ziemlich langweilig
Das ist jetzt aber wirklich eine Diskussion um des Kaisers Bart, wie sehr Neuroris Metal ist und ob Bands die mehr der Core Szene entstammen bevorzugt werden. lächerlich.
Und ja, Kreator ist innerhalb der Thrash-Metalszene vielleicht nicht austauschbar, allgemein in der Rockmusik aber völlig - und das ist das entscheidende Kriterium, das über eine Erwähnung in einem nicht-Fachmedium entscheidet.
Wenn sie - sorry - für jeden Furz, der in der Metalszene gelassen wird, einen Artikel erwarten, müssen sie sich an dementsprechende Fachmedien halten. Hier befinden wir uns in einem allgemeinen Nachrichtenmedium, dessen Musikabteilung nur einen Bruchteil ausmacht. was erwarten sie eigentlich?
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