Telekom-Chef unter Schmiergeldverdacht

7. November 2012, 18:07
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Die Anmietung des Burgtheaters für "Public Viewing" bei der Fußball-EM 2008 ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft

Wien - Aufgepoppt war die Affäre erstmals im Frühjahr. Nun ist die Anmietung des Burgtheaters durch die Telekom Austria (TA) für "Public Viewing" bei der Fußball-EM im Juni 2008 Gegenstand von Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Wien. Es geht um Verdacht auf Schmiergeldzahlungen, der Untreue bzw. Beitragstäterschaft durch Vorstandsmitglieder des TA-Konzerns, darunter Ex-TA-Chef Boris Nemsic, seinen Nachfolger Hannes Ametsreiter sowie den damaligen kaufmännischen Direktor des Burgtheaters, Thomas Drozda. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Der Hintergrund: Die TA hat das Burgtheater seinerzeit nicht direkt von den Bundestheatern, sondern vom SP-nahen Echo Medienhaus angemietet. Der Mietvertrag belief sich auf eine Million Euro zuzüglich Umsatzsteuer. Hinzu kamen 540.000 Euro brutto an Personalkosten, die das Theater am Ring direkt mit der TA verrechnete.

Berufung auf anonyme Anzeige

"Ein Kronzeuge" habe aber ausgesagt, das die Telekom zehn Millionen Euro bezahlt habe, berichtet News unter Berufung auf eine anonyme Anzeige bei der Anklagebehörde. Das erscheine "trotz aufwendiger Eventgestaltung im Burgtheater durch die WWP von Ex-Skirennläufer Harti Weirather unplausibel".

Unterschrieben wurde der Vertrag, der im Frühjahr auch den Korruptionsuntersuchungsausschuss beschäftigte, von Echo-Chef Christian Pöttler, vom damaligen TA-Festnetz-Finanzchef Gernot Schieszler und TA-Einkaufschef Wolfgang Frauenholz, gegen die ebenfalls ermittelt werde.

Laut Pöttler betrug die Miete eine Million Euro (plus Umsatzsteuer). Verdient habe Echo "35.000 bis 45.000 Euro" - für die Vertragsverhandlungen, berichtete die Tiroler Tageszeitung im April. Sonst habe Echo nur die tatsächlichen Kosten für die Miete von Theater, Restaurant und Garagenplätze verrechnet. Den Vorwurf illegaler Parteienfinanzierung wies Pöttler mehrfach strikt zurück. Er rechne mit der Einstellung des Verfahrens. (red, DER STANDARD, 8.11.2012)

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