Demokraten behalten Mehrheit im Senat, Republikaner im Repräsentantenhaus

7. November 2012, 18:45
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Im Senat kann sich Präsident Obama nun zwar auf eine etwas breitere demokratische Mehrheit stützen, das Repräsentantenhaus verteidigten die Republikaner allerdings recht deutlich. Enttäuschungen gab es für einige Kandidaten der konservativen Tea Party.

Auch in seiner zweiten Amtszeit muss Präsident Barack Obama wieder mit einem republikanisch kontrollierten Repräsentantenhaus zusammenarbeiten, die Demokraten konnten nur wenige neue Sitze erobern. Im Senat dagegen sind nun mindestens 54 der 100 Sitze in den Händen der Demokraten. Weitere zwei Sitze in Montana und North Dakota waren wegen des knappen Ausgangs vorerst noch unsicher.

In Massachusetts, wo nach dem Tod von Langzeitsenator Ted Kennedy im Jahr 2009 der Republikaner Scott Brown dessen Platz eingenommen hatte, konnte sich die demokratische Harvard-Professorin Elizabeth Warren durchsetzen. In Virginia verteidigte der ehemalige Gouverneur Tim Kaine den bisher von seinem demokratischen Parteifreund Jim Webb gehaltenen Sitz. Auch in Wisconsin konnten sich die Demokraten halten: Die Kongressabgeordnete Tammy Baldwin gewann gegen den ehemaligen Gouverneur Tommy Thompson. Sie wird als erste offen homosexuelle Kandidatin in den Senat einziehen.

In Indiana gewann der demokratische Abgeordnete Joe Donnelly den bisher vom Republikaner Dick Lugar gehaltenen Senatssitz. Sein Gegenkandidat Richard Mourdock hatte zuletzt an Unterstützung verloren, nachdem er in einer TV-Diskussion von "gottgewollter Empfängnis nach Vergewaltigungen" gesprochen hatte.

Weitere zwei Sitze in Vermont und Maine gingen an die parteiunabhängigen Kandidaten Bernie Sanders und Angus King, die aber vermutlich mit den Demokraten zusammenarbeiten werden.

Das Repräsentantenhaus bleibt dagegen recht deutlich in republikanischer Hand. Mindestens 232 Sitze waren der Partei am Mittwochnachmittag sicher, für eine Mehrheit sind nur 218 nötig.

Unter den Verlierern sind auch allerdings einige jener Kandidaten, die von der Tea Party unterstützt wurden: Der Abgeordnete Allen West aus Florida - dessen politische Karriere begann, nachdem ihn die Armee wegen Foltervorwürfen entlassen hatte - wird nicht mehr im neuen Repräsentantenhaus vertreten sein.

Verluste für Tea Party

Auch Tea-Party-Kandidat Joe Walsh aus Illinois verlor seinen Sitz. Ihn wird die Demokratin Tammy Duckworth ersetzen, die als Soldatin im Irakkrieg beide Beine verlor und zuletzt beim demokratischen Parteitag Anfang September eine vielbeachtete Rede gehalten hatte.

Wiedergewählt wurde Michele Bachmann. Die Republikanerin aus Minnesota galt als Star der Konservativen, scheiterte allerdings im Frühjahr als republikanische Präsidentschaftskandidatin.

Ebenfalls in republikanischer Hand ist nun der Sitz der 2011 bei einem Attentatsversuch schwer verletzten Gabrielle Giffords aus Arizona. Die Demokratin war aus gesundheitlichen Gründen in diesem Jahr nicht mehr angetreten.

In Massachusetts lebt nach zweijähriger Pause eine Tradition wieder auf: Mit Joe Kennedy zieht wieder ein Spross der demokratischen Politikerfamilie in den Kongress ein.

Wenige Verschiebungen gab es bei den Gouverneurswahlen: In North Carolina gewann der konservative Bürgermeister von Charlotte, Pat McCrory, und löste die Demokratin Beverly Perdue ab. In Missouri und West Virginia setzten sich die demokratischen Amtsinhaber durch. Auch in New Hampshire übernimmt die Demokratin Maggie Hassan das Gouverneursamt. (Manuel Escher, DER STANDARD, 8.11.2012)

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    Obama-Wahlparty in Chicago mit romantisch-politischer Botschaft: Wahlheferin Keesha Patterson macht ihrer Freundin Rowan Ha einen Heiratsantrag.

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    Harvard-Professorin Elizabeth Warren eroberte einen Sitz im Senat.

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    Joe Kennedy III. beendet zwei Kennedy-lose Jahre im Kongress.

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    Tea-Party-Favoritin Michele Bachmann wurde knapp wiedergewählt.

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