Als Österreich die Welt beherrschte

  • An den Siegen wie jenem des Olympiasiegers von Squaw Valley, Ernst Hinterseer, gesundete das angeschlagene Selbstbewusstsein der Nation. Verdrängung fand statt und sorgte für ein brüchiges Fundament, aus dem sich nachfolgende Ereignisse erklären. Teil eins der Zeitgeschichte-Doku "Jahrzehnte in Rot-Weiß-Rot" über die 1950er-Jahre: Donnerstag, 21.05 Uhr, ORF 2.
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    An den Siegen wie jenem des Olympiasiegers von Squaw Valley, Ernst Hinterseer, gesundete das angeschlagene Selbstbewusstsein der Nation. Verdrängung fand statt und sorgte für ein brüchiges Fundament, aus dem sich nachfolgende Ereignisse erklären. Teil eins der Zeitgeschichte-Doku "Jahrzehnte in Rot-Weiß-Rot" über die 1950er-Jahre: Donnerstag, 21.05 Uhr, ORF 2.

Drei Zeitgeschichte-Dokus erzählen ab Donnerstag im ORF vom Werden des Österreich-Bewusstseins: In den 1950ern zog Olympiasieger Ernst Hinterseer auf Skiern darin erste Spuren

Wien - Von wegen "große Töchter und Söhne": Knapp 65 Jahre bevor Geschlechtergerechtigkeit in Österreichs Bundeshymne herrschte, spaltete der richtige Ton schon einmal die Nation. Zwei Jahre dauerte es, bis entschieden war, welcher Text und welche Musik zur noch jungen Republik am besten passte. Die ÖVP wollte eine überarbeitete Kaiserhymne - für die SPÖ inakzeptabel. Nach Preisausschreiben mit 1800 Vorschlägen und schwülstigen Textproben wie "Hebt zum Schwur empor die Hand!" war die Jury ratlos. Im Glauben an Mozarts Urheberschaft - inzwischen gilt Johann Baptist Holzer als Komponist - und mit Text von Paula Preradovic konnten beide leben.

Von Kriegsende bis 1980

Vom schwierigen Wachsen und Werden des Österreich-Bewusstseins erzählt ein Dreiteiler über Jahrzehnte in Rot-Weiß-Rot ab Donnerstag, 21.00 Uhr, ORF 2. In einem Spagat aus Institutionen- und Alltagsgeschichte zeichnen Wolfgang Stickler, Robert Gokl und Peter Liska Fort- und Rückschritte im patriotischen Selbstverständnis von Kriegsende bis 1980 nach. Zu Wort kommen Politpromis wie Bundespräsident Heinz Fischer, die Politiker Karl Blecha, Hannes Androsch, Ferdinand Lacina, Ludwig Steiner, Friedhelm Frischenschlager und Norbert Steger sowie Künstlerpersönlichkeiten, etwa Senta Berger, Erni Mangold, Arik Brauer, Udo Jürgens, Hermann Nitsch, Roland Düringer und Lukas Resetarits.

Gehversuche

Zum Auftakt dokumentiert Stickler die ersten Gehversuche der neuen Republik. Maria Schaumayer tat sie tanzend: "Zwölf Bälle in der Saison" besuchte die spätere Nationalbankpräsidentin. An eine "Welle des Glücksgefühls" erinnert sie sich bei der Staatsvertragsunterzeichnung. Die Geisteshaltung eines Großteils der Bevölkerung hinkte den realpolitischen Verhältnissen nach, belegt Stickler, der sich auf herkömmliche Weise dem Thema nähert und bemüht ist, sämtliche Legenden rund um das Jahrzehnt zu nähren.

Selbstwertgefühl

An Kaffeemaschine, elektrischen Ofen und Bügeleisen erinnert sich Skilegende Ernst Hinterseer. Und an Momente der Macht im Land kollektiv empfundenen Minderwerts: "Unsere kleine Nation hat die ganze Welt beherrscht", sagt Hinterseer. Am alpinen Skisport gesundet die Nation und entwickelt zarte Ansätze von unverdächtigem Selbstwertgefühl.

Bröckelndes Patriachat

Trickreicher nähert sich Robert Gokl den 1960ern am 15. November. Kaufmännisches Talent wurde im Würfelspiel getestet, während gleichzeitig das Patriarchat bröckelte. Widerstand gegen die Alten wurde auch in Österreich mitunter nicht weit getrieben: Bei einer Straßenbefragung kann sich ein Halbwüchsiger beim besten Willen nicht erinnern, wer Adolf Hitler war: "Ein Politiker?"

Mollner gegen Kreisky

Am 22. November blickt Peter Liska auf vergessene Schauplätze der 70er, als etwa die oberösterreichischen Mollner gegen Bruno Kreisky aufbegehrten. Kreisky wollte Kraftwerke bauen. Aus zivilem Ungehorsam wurde der Nationalpark Kalkalpen. Fortsetzung folgt: 80er, 90er und 2000er legt der ORF 2013 nach. (Doris Priesching, DER STANDARD, 8.11.2012)

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