Als Österreich die Welt beherrschte

Doris Priesching
7. November 2012, 17:24
  • An den Siegen wie jenem des Olympiasiegers von Squaw Valley, Ernst Hinterseer, gesundete das angeschlagene Selbstbewusstsein der Nation. Verdrängung fand statt und sorgte für ein brüchiges Fundament, aus dem sich nachfolgende Ereignisse erklären. Teil eins der Zeitgeschichte-Doku "Jahrzehnte in Rot-Weiß-Rot" über die 1950er-Jahre: Donnerstag, 21.05 Uhr, ORF 2.
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    An den Siegen wie jenem des Olympiasiegers von Squaw Valley, Ernst Hinterseer, gesundete das angeschlagene Selbstbewusstsein der Nation. Verdrängung fand statt und sorgte für ein brüchiges Fundament, aus dem sich nachfolgende Ereignisse erklären. Teil eins der Zeitgeschichte-Doku "Jahrzehnte in Rot-Weiß-Rot" über die 1950er-Jahre: Donnerstag, 21.05 Uhr, ORF 2.

Drei Zeitgeschichte-Dokus erzählen ab Donnerstag im ORF vom Werden des Österreich-Bewusstseins: In den 1950ern zog Olympiasieger Ernst Hinterseer auf Skiern darin erste Spuren

Wien - Von wegen "große Töchter und Söhne": Knapp 65 Jahre bevor Geschlechtergerechtigkeit in Österreichs Bundeshymne herrschte, spaltete der richtige Ton schon einmal die Nation. Zwei Jahre dauerte es, bis entschieden war, welcher Text und welche Musik zur noch jungen Republik am besten passte. Die ÖVP wollte eine überarbeitete Kaiserhymne - für die SPÖ inakzeptabel. Nach Preisausschreiben mit 1800 Vorschlägen und schwülstigen Textproben wie "Hebt zum Schwur empor die Hand!" war die Jury ratlos. Im Glauben an Mozarts Urheberschaft - inzwischen gilt Johann Baptist Holzer als Komponist - und mit Text von Paula Preradovic konnten beide leben.

Von Kriegsende bis 1980

Vom schwierigen Wachsen und Werden des Österreich-Bewusstseins erzählt ein Dreiteiler über Jahrzehnte in Rot-Weiß-Rot ab Donnerstag, 21.00 Uhr, ORF 2. In einem Spagat aus Institutionen- und Alltagsgeschichte zeichnen Wolfgang Stickler, Robert Gokl und Peter Liska Fort- und Rückschritte im patriotischen Selbstverständnis von Kriegsende bis 1980 nach. Zu Wort kommen Politpromis wie Bundespräsident Heinz Fischer, die Politiker Karl Blecha, Hannes Androsch, Ferdinand Lacina, Ludwig Steiner, Friedhelm Frischenschlager und Norbert Steger sowie Künstlerpersönlichkeiten, etwa Senta Berger, Erni Mangold, Arik Brauer, Udo Jürgens, Hermann Nitsch, Roland Düringer und Lukas Resetarits.

Gehversuche

Zum Auftakt dokumentiert Stickler die ersten Gehversuche der neuen Republik. Maria Schaumayer tat sie tanzend: "Zwölf Bälle in der Saison" besuchte die spätere Nationalbankpräsidentin. An eine "Welle des Glücksgefühls" erinnert sie sich bei der Staatsvertragsunterzeichnung. Die Geisteshaltung eines Großteils der Bevölkerung hinkte den realpolitischen Verhältnissen nach, belegt Stickler, der sich auf herkömmliche Weise dem Thema nähert und bemüht ist, sämtliche Legenden rund um das Jahrzehnt zu nähren.

Selbstwertgefühl

An Kaffeemaschine, elektrischen Ofen und Bügeleisen erinnert sich Skilegende Ernst Hinterseer. Und an Momente der Macht im Land kollektiv empfundenen Minderwerts: "Unsere kleine Nation hat die ganze Welt beherrscht", sagt Hinterseer. Am alpinen Skisport gesundet die Nation und entwickelt zarte Ansätze von unverdächtigem Selbstwertgefühl.

Bröckelndes Patriachat

Trickreicher nähert sich Robert Gokl den 1960ern am 15. November. Kaufmännisches Talent wurde im Würfelspiel getestet, während gleichzeitig das Patriarchat bröckelte. Widerstand gegen die Alten wurde auch in Österreich mitunter nicht weit getrieben: Bei einer Straßenbefragung kann sich ein Halbwüchsiger beim besten Willen nicht erinnern, wer Adolf Hitler war: "Ein Politiker?"

Mollner gegen Kreisky

Am 22. November blickt Peter Liska auf vergessene Schauplätze der 70er, als etwa die oberösterreichischen Mollner gegen Bruno Kreisky aufbegehrten. Kreisky wollte Kraftwerke bauen. Aus zivilem Ungehorsam wurde der Nationalpark Kalkalpen. Fortsetzung folgt: 80er, 90er und 2000er legt der ORF 2013 nach. (Doris Priesching, DER STANDARD, 8.11.2012)

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Für mich weckt der Schirennsport eher beschämende Erinnerungen,

als dieser St. Antoner Schi- und Bundesheerreform-Dolm von Hunterttausenden Österreichern nach seinem Ausschluss bejubelt wurde...

Ich will eine Doku über das Wunderteam!

Molln gegen Kreisky?

der Widerstand gegen das damals geplante Pumpspeicherwerk Molln hatte sich schon in den 1960ern formiert; die Volksbefragung am 05. Juli 1969 brachte folgendes Ergebnis: Speicherkraftwerk Krumme Steyrling: Beteiligung 67% (1.424), contra 66 % (935) pro 34 % (478)

...und jetzt herrscht das Gegeenteil vor: totale Ohnmacht...

...und die Lachnummer für den Rest der Welt.

gell, du schliesst von dir auf die ganze nation? oder wie kommt man sonst zu so einer einschätzung?

Schranz 1972 - never forget

Schade finde ich in diesem Zusammenhang,

dass mit der politisch-korrekten Verhunzung unserer Hymne ein kleines Stück eigenständiges "Österreich-Bewusstsein" wieder genommen wurde.

Ein Stück weit ist damit nämlich die GEMEINSAME Hymne verloren gegangen - denn der größte Teil wird singt ja weiter die alte Version und nur ein paar Angepasste die neu Vorgeschriebene.

Eine Paralelle zur ersten Republik: Wenn die Melodie der Hymne gespielt wurde (Haydenhymne)endete das in Schreiduellen - die einen sangen die Kaiserhymne, die anderen das Deutschlandlied und eine Minderheit die offizielle Hymne.

Wer war...

...Hayden?

Oberlehrer ...

Haydn natürlich

Bin...

...Intelligenzrassist mit Rechtschreibfetisch und Interpunktions-Monk.

tja wenn man sonst im Leben nichts hat, bleiben die Beistriche.

Michael Vincent Hayden (* 17. März 1945 in Pittsburgh, Pennsylvania) ist ein ehemaliger General der US Air Force und ehemaliger Direktor der CIA (30. Mai 2006 bis zum 12. Februar 2009). Bis zu seiner militärischen Pensionierung 2008 war er der erste CIA-Direktor seit 1981, der noch aktiver Soldat war.

Und natürlich...

...Verfasser diverser Hymnen! ;-)

warum durch die Gleichstellung von Mann und Frau die gemeinsame Hymne verloren geht muss man mir erst erklären.

für Langsame: weil tatsächlich nicht mehr von allen der selbe Text gesungen wird.

Vom Langsamen: das liegt aber jetzt mehr an den singenden/nicht singenden Menschen. Schließlich gabs ja auch vorher Leute, die bei der Hymne nicht mitgesungen haben, eben weil die Frauen nicht vorgekommen sind. Ist es besser, wenn die nicht mitsingen, als die, denen der neue Text nicht passt?

ernsthaft? frauen haben nicht mitgesungen weils nicht vorgekommen sind?

ideologie und gutmenschentum ist ja was nettes, aber das war wohl nur ein kleiner kreis an menschen!

dennoch will ich anmerken, auch wenn positive diskriminierung und frauenqouten grundsätzlich unfair sind, macht beides mittelfristig sinn und ist auch gut so!

so jemand soll am besten nicht mitsingen - sondern ruhig sein ;)

dann sind wir uns ja einig: früher haben die einen nicht mitgesungen, jetzt die anderen und gut so :)

nein, wir zwei werden uns nicht einig

- denn ich habe ihnen schon vorher gesagt, dass ich immer mitgesungen habe und das auch weiter zu tun gedenke. Allerdings mit dem Text der Dichterin und nicht dem neuen Administrativtext der Verordnung.

Weil damals keine erzkatholischen Fundis über den Text gebrütet haben und gesagt haben "Die Frauen sind weniger wert, deswegen kommens auch nicht in die Hymne" - oder glauben Sie den Schmarrn tatsächlich?

Wer auch immer gebrütet hat (die Autorin ist ja bekannt): Frauen kommen jedenfalls im alten Text nicht vor. Darf man das nur ändern wenn reaktionäre katholische Fundis was schreiben?

Muss man es dementsprechend ändern wenn kein diskriminierendes Gedankengut dahintersteckt?
Und nachdem es, wie Sie ja richtig bemerkt haben, eine Frau verfasst hat, über die kein solches nach außen getretenes Gedankengut bekannt war/ist, und man in der Annahme gehen darf, dass sie sich wohl kaum selbst ausgeschlossen hätte, scheint die oben genannte Prämisse wohl erwiesen.

Das war einfach femministischer Wählerfang van der prächtigsten und alle GrünInnen klatschen begeistert Applaus. Den Beweis hierfür hat man ja mit der Menge des Aufwands zur Änderung (Regierungsbeschluss, Gesetzesentwurf,... etc.) bereits selbst angetreten. Warum? Weil sich 50 Jahre keine Sau dafür interessiert hat obs jetzt Söhne, Töchter oder Transvestiten sind.

Bei einer Straßenbefragung kann sich ein Halbwüchsiger beim besten Willen nicht erinnern, wer Adolf Hitler war: "Ein Politiker?"

Naja, ist ja nicht falsch.

Übrigens: dass er sich nicht "erinnern" kann, ist verständlich.

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