Vom Mikrokredit zum Social Business

Den Friedensnobelpreis erhielt Yunus für sein Konzept der Mikrokredite. Jetzt will er die Welt mit Social Business verbessern

Muhammad Yunus, der für sein Konzept der Mikrokredite den Friedensnobelpreis erhielt, versucht nun, mit Social Business die Welt ein klein wenig zu verbessern. Dabei gilt es, menschliche Gier zu überlisten.

 

Wien - Muhammad Yunus will über vieles nicht reden: Mikrokredite, sein Land Bangladesch, die Grameen Bank. Stattdessen übermittelt die eingeschaltete PR-Agentur ein umfangreiches Konvolut von "Q&As": Fragen und Antworten zu den Anschuldigungen der Regierung von Bangladesch und dem angeblichen Missbrauch von Mikrokrediten.

Ein erklärungsbedürftiges Konzept

Yunus, scheint es, hat es in dem Interessengeflecht zwischen Politik und einer schnell erfolgreich gewordenen Idee rund um Klein- und Kleinstdarlehen nicht leicht. Zwar konnte er die Vorwürfe entkräften und wurde auch von Unterschlagungsvorwürfen 2011 freigesprochen, er muss sich aber trotzdem jedes Mal von neuem rechtfertigen. Da lenkt er seine Energie doch lieber auf das Thema Social Business, erklären seine Public-Relations-Verantwortlichen.

Social Business, das ist in der Tat ein erklärungsbedürftiges Konzept, da es verspricht, der menschlichen Gier ein Schnippchen zu schlagen. Im Vordergrund der Unternehmensgründungen stehen nicht persönliches Gewinnstreben und Profitmaximierung, sondern die Lösung sozialer oder ökologischer Probleme. Ob das geht? "Ja", sagt Yunus. "Gier ist nur eines von vielen möglichen Zielen." Ident sind hingegen die Probleme überall in der Welt: Arbeitslosigkeit, Alter, Drogen.

Deshalb hat das Social-Business-Konzept auch bereits Eingang in Europa gefunden. Seit zwei Jahren ist Wiesbaden eine "Social Business City", erläutert Yunus. Von Armut betroffene Menschen können mithilfe der Plattform Kleinunternehmen gründen und so versuchen, aus eigener Kraft aus der Armutsspirale herauszukommen. "Man muss die Kreativität der Menschen freilegen und fördern", sagt Yunus, "besonders die der Armen." Als Beispiel führt er Lalaland an, einen Zusammenschluss von Wiesbadener Babykleidungsherstellerinnen, die unter diesem Namen ihre Produkte vermarkten.

"Social Business Academy" in Wien

Etwas Ähnliches ist auch in Österreich im Entstehen. Yunus hat bei einem Treffen mit Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) die Unterstützung für eine "Social Business Academy" mit Sitz in Wien erhalten. "Ziel der Ausbildungsstätte ist, eine neue Generation von SozialunternehmerInnen auszubilden und sie bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen zu unterstützen", so eine Aussendung. Und im Austria Center Vienna findet Donnerstag und Freitag der Global Social Business Summit statt, bei dem Pilotprojekte vorgestellt und die Ideen diskutiert werden.

Mikrokredite - das Konzept, für das Yunus den Friedensnobelpreis erhielt - sind dabei nur ein Teil. Die Finanzierungen, daran zweifelt Yunus nicht, seien nämlich häufig kein Problem. Es fänden sich geeignete Investoren für solche Projekte - auch ohne Turborendite. "Das ist attraktiv für Menschen, die Gutes tun wollen."

Doch gab es in der Vergangenheit Vorwürfe gegen das Mikrokredit-Wesen: Trotz der Kleinstdarlehen kam es zu Überschuldung; das Geld wurde für wenig sinnvolle Konsumgüter ausgegeben. - Yunus seufzt. Bei der Grameen Bank für solche Mikrokredite - er ist bei dem Institut nicht mehr aktiv - habe es solche Entwicklungen nicht gegeben. Aber viele Banken hätten Mikrokredite für sich entdeckt. Geschäft ist schließlich Geschäft.

Zielgruppe Frauen

Social Business richtet sich vor allem an arme Frauen, erläutert Yunus. " Frauen sind beim Geldausgeben vorsichtiger als Männer. Und sie wollen gezielter und schneller aus der Armut." Außerdem gelte es, den Frauen bei den vielen Hürden, die es bei Firmengründungen noch immer gibt, zu helfen. "In Teilen Europas bekommen Frauen keinen Cent, wenn sie nicht eine Bestätigung ihres Mannes vorlegen", sagt er. "Und diese Restriktionen sind in Asien noch viel, viel größer." (ruz, DER STANDARD, 8.11.2012)

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