Wirtschaftsweise fordern härteren Kurs von Merkel

Birgit Baumann
7. November 2012, 17:29

Die fünf Wirtschaftsweisen machen keinen Hehl daraus, dass die deutsche Regierung sich beim Sparen nicht genug anstrengt

Einen deutlichen Rüffel kassierte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch, als die fünf sogenannten Wirtschaftsweisen im Berliner Kanzleramt ihr Jahresgutachten überreichten. Sie machten keinen Hehl daraus, dass die deutsche Regierung sich beim Sparen nicht genug anstrenge.

"Da der Bund nicht dauerhaft auf Sonderfaktoren und eine günstige konjunkturelle Entwicklung bauen kann, ist deutlich mehr Ehrgeiz bei der Konsolidierung des Haushalts notwendig", sagte Wolfgang Franz, der Vorsitzende des Expertengremiums, das die Regierung berät. Vor allem das diese Woche beschlossene Betreuungsgeld, die Zuschusspension für Geringverdiener und die Abschaffung der Praxisgebühr gingen "in die falsche Richtung".

Vielmehr verlangen die Wirtschaftsweisen einen grundlegenden, marktwirtschaftlich ausgerichteten Umbau der Ökostromförderung, eine Reform der Unternehmensteuer und eine "spürbare Beitragssatzsenkung" in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung.

Dilemma im Kanzleramt

Merkel schilderte bei der Übergabe des Berichts ihr Dilemma. Einerseits wolle die schwarz-gelbe Regierung schon 2013 die Schuldenbremse einhalten, andererseits sei sie international dem Vorwurf ausgesetzt, zu stark zu sparen und damit der Weltwirtschaft Wachstumsimpulse zu entziehen. "In diesem Spannungsverhältnis versuchen wir immer, den Weg zu finden", betonte sie.

Die deutsche Konjunktur wird nach Einschätzung der Weisen nach einer Delle im vierten Quartal 2012 im Jahr darauf wieder mehr Fahrt aufnehmen. Sie rechnen damit, dass das BIP sowohl 2012 als auch 2013 um 0,8 Prozent ansteigen wird.

Äußerst positiv ist die Lage am deutschen Arbeitsmarkt. Mit einer Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent erlebt er das beste Jahr seit der deutschen Wiedervereinigung 1990. Für das Jahr 2013 erwarten die fünf Wirtschaftsweisen dann einen leichten Anstieg auf 6,9 Prozent. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 8.11.2012)

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13 Postings
der kampf gegen den zinseszins in schon hart......

rein mathematisch kann man den nur verlieren.

die Sophisten

treiben sich wieder um.
Lächerlicher gehts kaum mehr. Europas sozialer Friede franst von außen her aus, Gewalt und Armut steigen und die hoch geliebte 'Wirtschaft' funktioniert auch nicht mehr. Aber anstatt aus dem Reservoir der Traditionen der Ökonomie zu schöpfen, um sinnvolle Lösungen für alle zu konstruieren, repetieren sie wie Automaten fünf sechs neoklassische Phrasen und geben den Stempel 'Wirtschaftsweisheit' drauf.

Die schaut selbst aus wie die Eurokriese

Früher sagte man: Du glänzt aber wie a neuer Schilling, heute- Du schaust aus wie da Kriseneuro ...

Tolles Foto, einfach fesch

Sparen hat in der Politik noch jie funktioniert. Langfristiges denken schon gar nicht.

Die Rechnung wird kommen

Der sogenannte "Sparkurs" hat sich mittlerweile als sinnlos erwiesen

Wenn er noch fanatischer betrieben wird ist natürlich keine Verbesserung zu erwarten. Die weisen Knaben haben dies offensichtlich noch nicht ganz realisiert. Wirklich "Sparen" ist auch etwas anderes: Reduktion der Beamten, der Politiker und derer Gagen sowie Einstellen der gigantischen, ungerechtfertigten Bauernförderung auf Kosten derSteuerzahler.

und was ganz wichtig ist, die Politiker- sowie Beamten- pensionen sofort auf das ASVG-Niveau herabsetzen. Natürlich auch die bereits bestehenden.

allein die Reduktion

ist zu wenig, da es zuviel Verwaltungs- und Gesetzesebenen gibt. Seit Beginn der EU, gab es nie ein Verwaltungsvereinfachung, sondern nur das Gegenteil! Da auch die Korruption immer mehr steigt, braucht man zusätzliche Kontrollorgane, wie kann man da nur Beamte "reduzieren"? Bei den Politikern gebe ich Ihnen allerdings Recht;-).

Traurigerweise wiederholt sich die Geschichte immer wieder: Anstatt eine falsche Strategie zu wechseln verstärkt verstärkt man wieder und wieder die Intensität.

(Wenn wir genug Benzin auf einmal nehmen würden könnten wir die Flamme damit ersticken - ist doch logisch.)

wirtschaftsweise

dieser Begriff ist eine politische Drohung und analytisch betrachtet: ein Widerspruch in sich; philosophisch betrachtet ist es ein Affront gegen die, die die Weisheit wirklich lieben...

So weise können die nicht sein

sonst hätten Sie längst bemerkt, dass der Sparkurs bloß ein Kürzungskurs ist der in die Depression führt.

Wir sollten die lieber "Die fünf Wirtschaftsideologen" nennen.

Billionen an Banker und wir sollen sparen ? NEIN!!!!

NEIN ! NEIN ! NEIN !
Einzelne Aktionäre bekommen Millionen geschenkt. Umverteilung zugunsten von 1% der Reichsten auf Kosten des Volkes. Rechnerisch pro Person über 500.000 Euro bekommt jeder von denen.
Island hat seine Banken nicht gerettet und hat schon wieder über 3% Wirtschaftswachstum.
Die Linken haben die Ideale ihrer Väter verraten und verkauft.
http://www.youtube.com/watch?v=ocol_COB2us
Professor Hankel klärt über die Volksverräter auf.

Ja, macht das. Kracht der Laden wenigstens schneller zusammen.

Echt interessieren würde mich ja, wie sich so Wirtschafts'weise' das Ende des Kürzens vulgo "Sparens" denn dann vorstellen? Bzw bis wohin wird gespart? Wann ist fertiggespart? Oder wer gibt denn dann noch Geld aus? Oder machen wir nach dem Fertigsparen schlicht Schluß mit dem Sein-und-Tun-um-des-Geldes-willens? Weil irgendwann, vermutlich eher demnächst als in weiterer Zukunft alle sozialen und materiellen, auch Wissensressourcen stillgelegt sind, geopfert dem Erhalt der abstrakten Form von Reichtum, von Kontoständen und bedrucktem Papier. Wird alles zurückgenommen, was der Mensch geschaffen hat, bloß weil es nicht mehr finanzierbar, nicht mehr mehr rentierend ist?

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