Architekturstudenten protestieren gegen Zugangsbeschränkungen

7. November 2012, 16:33
  • "Ted-Mosby-Effekt" in der Studienrichtung Architektur? Die Fachschaft ärgert sich über die populistische Vermarktung.
    foto: derstandard.at

    "Ted-Mosby-Effekt" in der Studienrichtung Architektur? Die Fachschaft ärgert sich über die populistische Vermarktung.

Offener Brief an Regierungsmitglieder: Studium soll frei zugänglich bleiben

Für die Studienrichtung Architektur soll es schon bald Zugangsbeschränkungen geben. Bestätigt wurde das offiziell zwar noch nicht, Architektur ist aber eines jener fünf Fächer, die in den Verhandlungen über Zugangsbeschränkungen im Mittelpunkt stehen. Am Freitag sollen die endgültigen Pläne präsentiert werden (DER STANDARD berichtete).

Um die Hürden für Studierende zu verhindern, wendet sich die Fachschaft Architektur der Technischen Universität Wien nun - quasi in letzter Sekunde - mit einem offenen Brief an die Bundesregierung und Vertreter des Parlaments. "Architektur ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft und Kultur", heißt es darin.

"Weil sich unsere gebaute Umwelt rapide verändert und dies eigentlich uns alle betrifft, muss wieder mehr Pflichtbewusstsein geschaffen werden, damit die Gesellschaft und die Verantwortlichen selbst dazu befähigt sind, das Baugeschehen kritisch zu bewerten." Es sei wichtig, nachfolgenden Generationen einen sozialen Raum zu bieten - "einen Platz zum gesellschaftlichen Austausch und zur Selbstentwicklung".

"Ted-Mosby-Effekt"

Die Fachschaft kritisiert, dass die Studienrichtung Architektur als "hypergeile Disziplin" populistisch vermarktet werde. Die Verfasser des Briefes sprechen in diesem Zusammenhang vom "Ted-Mosby-Effekt". Architekt Mosby ist die zentrale Figur in der Fernsehserie "How I Met Your Mother".

Die Fachschaft erinnert außerdem an die hohe Drop-out-Rate. Nach dem ersten Semester bleiben nur 600 der zunächst noch 960 Studierenden übrig. Das zeige, dass viele nicht wissen, worauf sie sich einlassen. Für die Studierendenvertreter sind Zugangsbeschränkungen aber nicht die Lösung des Problems.

Stattdessen fordern sie das Bereitstellen und Vermitteln von Informationen über die Studienrichtung. "Die Verankerung der Architektur ist schon im Schulwesen notwendig." Sie verlangen eine flächendeckende Beratung der Maturantinnen und Maturanten.

"Versteckte Talente"

Für viele Probleme sei auch der überfrachtete Bachelor-Studienplan verantwortlich. Es sei kaum möglich, das Studium innerhalb der Mindeststudienzeit abzuschließen.

Die Fachschaft fordert Wahlfreiheit: "Niemand kann am Anfang wissen, wer gute Architektur schaffen wird und wer nicht. Es gibt viele versteckte Talente." (red, derStandard.at, 7.11.2012)

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Orientierungskurs

Es gibt für Erstsemestrige verpflichtend einen Orientierungskurs, in dem ein erster Eindruck über das, was die Anfänger im Studium erwartet, vermittelt wird. Zeitdruck, Entwürfe plus dahinterstehende Konzepte, Präsentation...
Das Problem ist, dass dieser Kurs in der ersten Semesterwoche stattfindet, die Bewertung dementsprechend später. Studierende also, die nach der Woche drauf kommen, dass diese Richtung vielleicht doch nicht das Richtige für sie ist (bzw. negativ beurteilt werden), wechseln nicht mehr, weil das Semester ja schon begonnen hat.
MMn wäre es sowohl sinnvoll als auch einfach, diesen Kurs einfach vor dem Semester anzusetzen, plus einem anschließenden Gespräch evtl., womit von den 900 vielleicht schon 200 wegfallen.

Das geht leider aus studienrechtlichen Gründen nicht. Auch ist das Ihrerseits geforderte Gespräch ca. drei Wochen später Teil des Orientierungskurses.

Freie wahl und freier zugang zu allen studienrichtungen

Demokratie und ihre entwicklung ist unabdingbar mit dem bildungsgrad der bevölkerung verbunden - ohne bildung keine demokratische entwicklung.

Das bedingt jedenfalls aktive information an alle betroffene, insbesonders auch über architektur - unsere gebaute umwelt (und deren wirkung auf uns als einzelne oder als gruppe).

Zugangsbeschränkungen zeigen lediglich die versäumnisse (beschränkungen) der aktuellen bildungspolitik auf. Sie sind kein positiver beitrag für unsere demokratische zukunft.

Da müssen Sie aber konsequenter Weise auch gegen Matura als Voraussetzung sein...

Schon mal in den Sinn gekommen, dass ein Studium ein gewisses Level haben sollte, und nicht jeder für jedes Studium geeignet ist?

Zudem müssten dann auch alle Wifi-Kurse für Leute ohne Matura kostenlos sein. Jaaa, auch das ist Bildung.

stimme zum großteil zu. jedoch sollte man sich mal ernsthaft gedanken über diesen hype auf stararchitekten büros machen die unbezahlte arbeiter gerne annehmen. da sollte mal etwas passieren, schon auf der uni! für mich nicht nachvollziehbar, damn CV!

hehe, ich hatte sie alle schon als kollegen in projektteams, die hadid-mitarbeiter, die coop-himmelblau ex-sklaven, die akademieabgänger, durchschnittliche verweildauer so ca. 3 monate, dann rausschmiss, weil unbrauchbar. heiße luft und ein paar renderings, sonst nichts

Die Standesvertretung d. Ärzte hat immer schon d. Anzahl der Medizionstudenten einzuschränken verstanden: zum Wohl aller Ärzte

Wollen die Architekten ins Prekariat? dann keine Beschränkungen!

Einseitige Sichtweise, die darin ihren Ursprung hat, dass man die Arbeit des Architekten und der Architektinnen nicht kennt. Das wird auch vielen architekturstudenten zum Verhängnis, denn Entwurf im täglichen leben macht grad mal 5% aus, der Rest ist Protokolle schreiben, Rechnungen prüfen, Ausschreibungen verfassen, mengenberechnungen, örtliche Bauaufsicht, viel Gespräche und Infos an die Bauschaft, koordinieren von Terminen usw usw.

Der Vorwurf bzgl 0815 Haus mag stimmen, wenn man die finanzielle Gratwanderung der Bauschaft einfach als Unfähigkeit der Architekten hernimmt.
De Trennung zwischen Statik, Ausführung, Planung und Kontrolle sollte Vorschrift sein, und nicht Baumeister alles machen, u Bauingenieure unterzeichnen dessen Pläne

genau

die Planung des Abflußrohrdurchmesser haben sie vergessen, damit wenn in einem Sozialbau, bei einem Fußballspiel, in der Pause, wenn alle auf´s Klo gehen, alles runterkommt!

Das war mein Grund für den Ausstieg aus der Architektur!

Zu meiner Zeit war die Zugangsbeschränkung: DG, der Krier und Statik, wenn Du die ersten 6 Semester überlebt hast, durftest Du Architekt werden.
Da finde ich eine kontrollierte Zugangsbeschränkung, nach Talent und anderen Kriterien viel besser!

statik? ich weiß nicht wie lange "zu ihrer zeit" her ist, aber was heute architekten unter statik verstehen, damit schaffst in einem echten technischen studium nichtmal materialkunde.
selbiges gilt übrigens natürlich auch für die restlichen pseudotechnischen vorlesungen.

Da viele technische Disziplinen in den letzten 20 Jahren zunehmend computersiert wurden und der Anteil an Berechnung verschiedenster Art stark gestiegen ist, wäre ich stark dafür, dass (technische) Architekten wieder verpflichtend Mathematik lernen müssen. Zwei Semester. Damit man sich zumindest grundsätzlich mit einem Statiker und Bauingenieur unterhalten kann.

als einer der von ihnen genannten gruppe, kann ich ihnen nur zustimmen... ich bin zwar zu alt für die auf der tu übliche "architektenbasherei" aber wenn ich hier einen kommentare der sorte "architekten haben auch technische kenntnisse" lese, muss ich nochimmer lachen.
kann nur von architekten selber oder ahnungslosen, bzw beidem kommen.
wie sie schon gesagt haben... wie sollten sie auch ohne die grundlagen der grundlagen der grundlagen zu verstehen.

was sie hier beschreiben ist die konservative sichtweise des architekturstudiums und danach. was auch stimmt in den meisten fällen. aber als archstudent selbst würd ich sagen das von meinem kreis 50% eine andere richtung einschlagen als ihren beschriebenen weg. (seis jetzt grafik, visuelle kommunikation,produktdesign,journalist,etc.)

dann

wäre es vermutlich besser wenn diese von ihnen genannten 50% auch etwas anderes studieren würden. denn dann wären zumutbare studien- und betreuungsverhältnisse für jene studenten, die wirklich architekten werden wollen, erzielbar!

Architektur ist mehr als nur "Häusl-bauen".

Architektur ist ein Verständnis für die gebaute Umwelt, Architektur ist Design, Architektur ist Kommunikation...

Berufstätig waren Sie aber noch nicht?

Seit 1999...

super, alternativfelder mit noch großartigeren perspektiven als bei der architektur

glaubens mir es gibt auch glückliche menschen die sich mit grafik und design befassen. bei denen steht aber die karriere in einem poshy office nicht im vordergrund.

nichts neues

und wieviele dieser start-ups gibts nach ein paar jahren noch?

die architekten unterschätzen immer einen wesentlichen faktor. die meisten kommen irgendwann aus der mode, auch wenn sie ein paar jahre erfolgreich waren...
aber auch ein architekten berufsleben dauert >30 jahre. die meisten werden vorher von jungen archs. verdrängt.

teils sind es start-ups, manche sind einfach in firmen untergekommen (werbe,design,grafik). diese verdrängung hast du doch immer egal wo du arbeitest. wenigstens hat man ein paar jahre lang etwas geschaffen an dem man wirklich spaß hatte. in die zwangsjacke kann man später immer noch schlüpfen. aber ich weiß, entweder einen "gesicherten" büro-cad-job oder doch der riskante weg der ins bodenlose führen kann (geld und arbeit)...

schwachsinn

wenn sie glauben, nach ein paar jahren im funky grafikbüro, in der baubranche fuß fassen zu können, muss ich sie enttäuschen, kein mensch wartet auf jemanden, der ende 30 null bauerfahrung hat, wenn ich als architekt billige zeichner will, hole ich mir wen frisch von der uni oder einen unserer deutschen nachbarn, die den arbeitsmarkt fluten, die arbeiten für noch weniger.

billige zeichner bekommens scho früher, da brauchens net auf uniabsolventen warten... wer sagt denn das diese leute im arch.büro arbeiten wollen. außerdem wer braucht den schon bauerfahrung, für was gibts kollektive!!man kann net alles können ;)

liebe cand-arch.

seid froh über die zugangsbeschränkungen, es gibt keinen überlaufeneren beruf, als den der architekten.
der konkurrenzkampf unter den jungen architekten ist enorm.

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