Architekturstudenten protestieren gegen Zugangsbeschränkungen

  • "Ted-Mosby-Effekt" in der Studienrichtung Architektur? Die Fachschaft ärgert sich über die populistische Vermarktung.
    foto: derstandard.at

    "Ted-Mosby-Effekt" in der Studienrichtung Architektur? Die Fachschaft ärgert sich über die populistische Vermarktung.

Offener Brief an Regierungsmitglieder: Studium soll frei zugänglich bleiben

Für die Studienrichtung Architektur soll es schon bald Zugangsbeschränkungen geben. Bestätigt wurde das offiziell zwar noch nicht, Architektur ist aber eines jener fünf Fächer, die in den Verhandlungen über Zugangsbeschränkungen im Mittelpunkt stehen. Am Freitag sollen die endgültigen Pläne präsentiert werden (DER STANDARD berichtete).

Um die Hürden für Studierende zu verhindern, wendet sich die Fachschaft Architektur der Technischen Universität Wien nun - quasi in letzter Sekunde - mit einem offenen Brief an die Bundesregierung und Vertreter des Parlaments. "Architektur ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft und Kultur", heißt es darin.

"Weil sich unsere gebaute Umwelt rapide verändert und dies eigentlich uns alle betrifft, muss wieder mehr Pflichtbewusstsein geschaffen werden, damit die Gesellschaft und die Verantwortlichen selbst dazu befähigt sind, das Baugeschehen kritisch zu bewerten." Es sei wichtig, nachfolgenden Generationen einen sozialen Raum zu bieten - "einen Platz zum gesellschaftlichen Austausch und zur Selbstentwicklung".

"Ted-Mosby-Effekt"

Die Fachschaft kritisiert, dass die Studienrichtung Architektur als "hypergeile Disziplin" populistisch vermarktet werde. Die Verfasser des Briefes sprechen in diesem Zusammenhang vom "Ted-Mosby-Effekt". Architekt Mosby ist die zentrale Figur in der Fernsehserie "How I Met Your Mother".

Die Fachschaft erinnert außerdem an die hohe Drop-out-Rate. Nach dem ersten Semester bleiben nur 600 der zunächst noch 960 Studierenden übrig. Das zeige, dass viele nicht wissen, worauf sie sich einlassen. Für die Studierendenvertreter sind Zugangsbeschränkungen aber nicht die Lösung des Problems.

Stattdessen fordern sie das Bereitstellen und Vermitteln von Informationen über die Studienrichtung. "Die Verankerung der Architektur ist schon im Schulwesen notwendig." Sie verlangen eine flächendeckende Beratung der Maturantinnen und Maturanten.

"Versteckte Talente"

Für viele Probleme sei auch der überfrachtete Bachelor-Studienplan verantwortlich. Es sei kaum möglich, das Studium innerhalb der Mindeststudienzeit abzuschließen.

Die Fachschaft fordert Wahlfreiheit: "Niemand kann am Anfang wissen, wer gute Architektur schaffen wird und wer nicht. Es gibt viele versteckte Talente." (red, derStandard.at, 7.11.2012)

Share if you care