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Heute haben viele Studenten den eigenen Laptop mit im Hörsaal.

Tanja Paar ist nach 20 Jahren an die Uni zurückgekehrt.
300 Hörer, darunter nur rund 40 Frauen, alle Typen mit Rossschwanz mitgerechnet. 17 Studierende haben ihren Laptop mitgebracht, um sich gleich als "Digital Natives" auszuweisen. Papier war gestern. Die Einführungsvorlesung ist rappelvoll. Die Veranstaltung dient dazu, zu zeigen, welche Bandbreite die Informatik an der Universität Wien hat. Denn bereits im ersten Semester haben Studierende die Möglichkeit, sich für eines der Ausprägungsfächer zu entscheiden. In vier Halbtagen werden die Wirtschafts- und Bioinformatik, die Medien- und die Medizininformatik vorgestellt.
"Muss ich alle vier Module besuchen, wenn ich schon weiß, dass ich Wirtschaftsinformatik wählen möchte?", lautet eine der ersten Fragen. Das Effizienzfieber wird gleich gebremst. Man befinde sich schließlich an einer Universität, lässt der Vortragende den Studenten wissen, da täte es schon gut, wenigstens einmal über den Tellerrand zu blicken. Das genau sei der Sinn der Orientierungsveranstaltung.
"Gott sei Dank" gebe es noch immer ein bisschen Freiraum bei der Gestaltung, auch wenn das organisatorische Probleme verursache. Man gewinnt den Eindruck, dass hier die gesetzlich vorgeschriebene Studieneingangs- und Orientierungsphase, kurz STEOP, durchaus kritisch gesehen wird. Im Unterschied zu früher, wo die Studenten das ganze Grundstudium über Zeit hatten, sich ihre Spezialisierung zu überlegen, muss heute alles sehr schnell gehen.
Nur wer die in der STEOP vorgeschriebenen Prüfungen bis zum Ende des ersten Semesters erfolgreich absolviert, kann im Curriculum weitermachen. "Ich verstehe nicht, warum man am Gymnasium das Sitzenbleiben abschafft und es gleichzeitig an der Uni einführt", sagt einer der Vortragenden. Deswegen solle keiner diese Lehrveranstaltung als versteckte Knock-out-Prüfung verstehen.
Um positiv beurteilt zu werden, muss man ein fünfseitiges Motivationsschreiben verfassen, das anonym ins Uni-System hochgeladen wird. Originellerweise korrigiert dann jeder Studierende zwei Arbeiten seiner Kommilitonen. Aus der Korrektur all dieser Elemente durch die Prüfer ergibt sich die Gesamtnote. Dieses System hätte schon vor 20 Jahren vielen ermüdend langen Seminararbeiten den Garaus gemacht! (Tanja Paar, derStandard.at, 8.11.2012)
Tanja Paar, geb. 1970, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Graz, Wien und Lausanne. Nach journalistischen Aufenthalten bei "Falter", "Trend" und "Profil" ist sie seit zehn Jahren Redakteurin des STANDARD. Nun macht sie ein Jahr lang Bildungskarenz und kehrt an die Uni zurück. Sie studiert Informatik an der Universität Wien.
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Offenbar hat sich bei den Studenten noch immer nicht herumgesprochen: die STEOP sind ausschließlich von den Studienkonferenzen deswegen beschlossen worden, um die Studierendenzahlen legitim durch Knock-out-Prüfungen zu dezimieren.
Nicht, das wir in Ö. etwa zuviele Studenten hätten, wo auch die Einwohnerzahlen Österreichs gestiegen sind. Nein, die Regierung will einfach nicht mehr für die Uni bezahlen als wie vor 20-30 Jahren (= für Personal, Räume, Ausstattung, Forschungsmaterial). Die Milliarden werden woanders benötigt - z.B. in Brüssel. Also müssen die "überzähligen" Studenten verschwinden - irgendwie.
Durch Zulassungsbeschränkungen, Studiengebühren oder der STEOP. Reguläre Aufnahmeprüfungen (statt Matura!) wären dabei gerechter!
"Deswegen solle keiner diese Lehrveranstaltung als versteckte Knock-out-Prüfung verstehen."
Ich finde es ein bisschen lächerlich eine der wenigen, nicht maßlos überlaufenen Studienrichtungen heranzunehmen und dann etwas daraus ableiten zu wollen. Wenn man auf die überlaufenen Studien wie Wirtschaft und Jus schaut, sieht das Bild ganz anders aus. An der WU kenn ich aus eigener Erfahrung eine Durchfall-quote von 75% bei Volkswirtschaft (eine von vier Pflicht-LVs der STEOP)-
Die Zuständigen an der Uni haben Listen, z.B. haben sie 300 Plätze für neue Studenten in einem Fach, wenn sich 1200 bewerben, müssen die Prüfungen so gestaltet werden, dass 900 durchfallen. So einfach ist das, und legitim (!) - die Studierwilligen werden getäuscht und gefoppt wie nur was. Denn so hohe Durchfallquoten sind entweder unfair - oder die Leute sind als Absolventen von höheren Schulen absolute Nieten gewesen (wozu eigentlich dann noch Gesamtmatura, wenn sie nichts mehr zählt..?).
Weitere Selektionsmöglichkeit: Studiengebühren, die halten die unteren Klassen fern, da die sich ein Studium trotz Nebenjobs kaum mehr leisten können...
Allerdings... Das Problem liegt oft weniger an den STEOP-Prüfungen sondern darin, daß es sichtlich möglich ist die Matura zu bestehen ohne eine Ahnung von bestimmten Fächern zu haben – Mathematik steht da ganz oben auf der Liste. Wenn's danach geht, wer die einfachsten Prinzipien der Mittelschulmathematik verstanden hat, könnte man theoretisch bei so manchen STEOP-Mathekurses 90% durchfallen lassen. Wobei die Mathematik-Einführungsprüfungen an der WU ohnehin lächerlich sind, denn die sind durch Auswendiglernen der Antworten ebenfalls absolvierbar – 75% der Studenten dürften aber sowohl für Mathematik als auch für's Auswendiglernen zu unfähig sein.
Klar kann sichs die Informatik mit ihren relativ wenigen Studienanfängern leisten, die STEOP zur Farce zu machen.
Schauts euch mal Pharmazie, Biologie, Jus etc. an - da ist es egal, wie kritisch die Lehrenden die STEOP sehen, die müssen einfach Studierende loswerden.
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