ORF-Finanzen: Lage des ORF hat sich nach drittem Quartal gebessert

7. November 2012, 13:18
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Sender rechnet für Gesamtjahr mit positivem Ergebnis von 2,8 Millionen und schwarzer Null in ORF-Mutter - Verhandlungen über Sparmaßnahmen starten demnächst - TV-Budget 2013 "unter Dach und Fach"

Wien - Sido, Alaba, Radio-Innenpolitik - nach den Negativ-Schlagzeilen der vergangenen Tage gibt es für den ORF positive Nachrichten an der Finanz-Front. Im Vergleich zum Halbjahresbericht hat sich die finanzielle Situation des öffentlich-rechtlichen Senders im Jahr 2012 wieder leicht gebessert, heißt es im aktuellen Quartalsbericht, der den Mitgliedern des ORF-Stiftungsrats am Mittwoch per Post zugestellt wurde. Für das Gesamtjahr rechnet der Sender mit einem positiven Ergebnis (EGT) von 2,8 Millionen Euro, auch in der ORF-Mutter will man mit 0,1 Mio. schwarze Zahlen schreiben. "Finanzwirtschaftlich ist der ORF auf Kurs", erklärte ein Stiftungsrat.

Werbeerlöse besser als erwartet

Der ORF liegt nach neun konjunkturbedingt schwierigen Monaten fast wieder im Plan. "Dies ist zum einen der strengen Kostendisziplin in allen Direktionen zu danken, andererseits haben sich aber auch die Werbeerlöse im dritten Quartal besser als zuletzt erwartet entwickelt. Wir konnten daher unsere Ganzjahres-Erwartung für die Werbung ein wenig nach oben korrigieren", teilten Finanzdirektor Richard Grasl und Generaldirektor Alexander Wrabetz dem Stiftungsrat in einem begleitenden Schreiben mit.

Kostenseitig konnten demnach im Vergleich zum Finanzplan sieben Mio. Euro eingespart werden, was das Minus bei den Werbeerlösen ausreichend kompensiert. Die Werbeeinnahmen des ORF betrugen in den ersten drei Quartalen 147,8 Mio. Euro. Sie lagen damit 7,9 Mio. unter Plan und 5,2 Mio. unter Vorjahresniveau.

Start der Verhandlungen über Sparmaßnahmen

Für die letzten Wochen des Jahres stünden nun noch "schwierige Herausforderungen" vor dem ORF, berichten die ORF-Manager. Damit der ORF die gesetzlich verankerte Senkung der Pro-Kopf-Kosten erreicht, brauche es noch ein "positives Verhandlungsergebnis mit der Belegschaftsvertretung über die Sparmaßnahmen 2012/2013". Nachdem der Betriebsrat entsprechende Verhandlungen zunächst abgelehnt habe, "haben wir nun einen neuen Vorschlag vorgelegt, der vom Zentralbetriebsrat als Verhandlungsgrundlage akzeptiert wurde". Eine erste Gesprächsrunde finde "bereits in den kommenden Tagen" statt.

TV-Budget 2013 "unter Dach und Fach"

Details des Quartalsberichts werden kommende Woche in den ORF-Gremiensitzungen präsentiert. Der Finanzplan 2013 wird am 15. November fertiggestellt. Und Wrabetz und Grasl weisen auch darauf hin, dass es in der Vorwoche "erfreulicherweise gelungen" sei, "das TV-Budget 2013 unter Dach und Fach zu bringen". Die programmlichen Reformschritte seien so mit dem Ziel der finanziellen Stabilität des Unternehmens auf einen "größtmöglichen gemeinsamen Nenner" gebracht worden.

"Kosten- und ertragseitige Anstrengungen"

Gespannt warten Stiftungsräte nun auf die mittelfristige Finanzvorschau im Finanzplan 2013. Vor allem 2014 könnte für den ORF herausfordernd werden, falls es nicht zu einer gesetzlichen Verlängerung der 2013 auslaufenden Gebührenrefundierung kommt. Mit Olympischen Winterspielen und einer Fußball-Weltmeisterschaft stehen 2014 nämlich gleich zwei kostenintensive Großereignisse auf dem Programm. Die ORF-Führung benötigt deshalb einen erfolgreichen Abschluss der Sparverhandlungen mit der Belegschaftsvertretung. "Der eingeschlagene Kurs ist positiv, aber die Zeiten für den ORF werden nicht leichter. Es braucht weitere kosten- und ertragseitige Anstrengungen", fasste ein Stiftungsratsmitglied die Lage zusammen. (APA, 7.11.2012)

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