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"Mehr als 90 Prozent aller Patienten können nach dem Eingriff wesentlich besser sehen, sofern keine weiteren Augenkrankheiten vorliegen", meint der Mediziner Christian Ohrloff von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft.
München - Wenn ältere Menschen sich einer Operation am Auge zur Behandlung des Grauen Star unterziehen, verbessern sie nicht nur ihre Sehfähigkeit, sondern der Eingriff mindert auch das Risiko von Stürzen und damit die Wahrscheinlichkeit schwere Knochenbrüche zu erleiden. Dieser Vorteil ist laut einer aktuellen Studie bei über 80-Jährigen am größten. Deshalb sollten sich nach Meinung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) auch hochbetagte Menschen eine vom Grauen Star getrübte Linse ersetzen lassen, wenn die Sehfähigkeit stark gemindert ist. Eine Altersgrenze für die Kataraktoperation gebe es laut DOG nicht.
"Dass ein fortgeschrittener Grauer Star, auch Katarakt genannt, das Sturzrisiko erhöht, ist seit längerem bekannt und durch Studien belegt", erläutert Berthold Seitz, Präsident der DOG und Direktor der Universitäts-Augenklinik Homburg/Saar. Der Grund ist nicht allein die schlechtere Sehfähigkeit durch die getrübten Augenlinsen - auch der Gleichgewichtssinn hängt eng mit der Sehvermögen zusammen. Menschen mit Grauem Star haben deshalb zunehmend Schwierigkeiten, ihre körperliche Balance zu halten. "Mit fortschreitender Erkrankung werden sie im Stehen und Gehen unsicherer, so dass Stürze programmiert sind", sagt Seitz. Im Alter geht ein solcher Sturz häufig mit einem Verlust an Mobilität und Unabhängigkeit einher. Mitunter werden Betroffene anschließend dauerhaft bettlägerig.
Die nun im amerikanischen Ärzteblatt JAMA veröffentlichte Untersuchung an mehr als 1,1 Millionen Senioren zeigte, dass eine Operation bei Katarakt das Risiko für eine gebrochene Hüfte senkt. So ging die Zahl der Oberschenkelhalsbrüche im ersten Jahr nach der Operation um 16 Prozent zurück. Der positive Effekt scheint mit dem Alter der Senioren zu steigen, denn unter den 80- bis 84-Jährigen erlitten 28 Prozent weniger eine Hüftfraktur.
Warum sich bei Grauem Star die Linse trübt, ist nicht abschließend erforscht. In 90 Prozent der Fälle sind alte Menschen betroffen. Sie sehen zunehmend verschwommen, weniger scharf und reagieren empfindlich auf helles Licht. "Die Implantation einer Intraokularlinse ist eine sichere Operation mit einer hohen Erfolgsrate. Mehr als 90 Prozent aller Patienten können nach dem Eingriff wesentlich besser sehen, sofern keine weiteren Augenkrankheiten vorliegen", ist der DOG-Mediziner Christian Ohrloff überzeugt. Der Eingriff wird ambulant durchgeführt, und ist in der Regel auch bei Menschen mit Herzerkrankungen möglich. (red, derStandard.at, 7.11.2012)
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