Wirbel um Diplomatenposten für serbischen Ex-Geheimdienstchef

7. November 2012, 11:40
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Rade Bulatovic steht unter Verdacht, Ratko Mladic Fluchthilfe geleistet zu haben

Belgrad - Serbiens Außenminister Ivan Mrkic sorgt mit seiner Personalpolitik für Aufsehen. Zum Leiter der Direktion für Blockfreie Staaten wurde laut Medienberichten ein enger Mitarbeiter des früheren nationalkonservativen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica bestellt. Der einstige Chef des Nachrichtendiensts BIA, Rade Bulatovic, soll demnächst als Botschafter Serbiens ins Ausland geschickt werden. Der Name des Diplomaten wird in Belgrad mit zahlreichen Affären verknüpft.

Unter anderem steht Bulatovic unter dem Verdacht, zwischen 2004 und 2008 als BIA-Chef Fluchthilfe für den des Genozids angeklagten ehemaligen Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, geleistet zu haben. Der Sonderstaatsanwalt für Kriegsverbrechen Vladimir Vukcevic ließ vor Monaten wissen, dass er Bulatovic in diesem Fall einvernehmen möchte. Genügend Beweise für ein Strafverfahren würden laut Vukcevic allerdings fehlen. Mladic wurde nach langjähriger Flucht im Mai 2011 in Serbien festgenommen.

Nach Mord an Premier Djindjic verhaftet

Der in den vergangenen Jahren als Anwalt tätige Bulatovic kam nach dem Mord an dem Premier Zoran Djindjic im März 2003 in Haft wegen seiner Kontakte zu der Mafia-Gruppe in Zemun, die am Attentat direkt beteiligt war. Drei Monate später wurde er auf freien Fuß gesetzt.

Der Diplomat, der während der Amtszeit von Kostunica den Nachrichtendienst BIA leitete, war in den 1990er-Jahren als ein Mann mit engen Kontakten zur neokommunistischen JUL-Partei von Mira Markovic, der Gattin von Slobodan Milosevic, bekannt. Er war im Konsulat in Rom tätig, als aus seinem Dienstwagen eine Tasche mit 50.000 Dollar gestohlen wurde. Bulatovic musste nach Belgrad zurückkehren, zur Rechenschaft wurde er in diesem Fall allerdings nie gezogen.

Erst kürzlich berichteten Belgrader Medien, dass in den kommenden Monaten 33 Botschafter Serbiens nach Belgrad zurückkehren sollten. Bei einer großen Anzahl würde es sich um eine politische Entscheidung handeln, hieß es. (APA, 7.11.2012)

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