Paul Scharner über der Schmerzgrenze

Interview | Florian Vetter
8. November 2012, 11:25
  • "Ich hab früher auch immer eine Riesenportion Nudeln vor dem Match 
gegessen, das brachte mir aber im Nachhinein gar nichts weil ich eine 
Gluten-Intoleranz hatte."
    foto: ap/heimken

    "Ich hab früher auch immer eine Riesenportion Nudeln vor dem Match gegessen, das brachte mir aber im Nachhinein gar nichts weil ich eine Gluten-Intoleranz hatte."

Der HSV-Legionär über englischen und deutschen Kick, sein Comeback und ganzheitliche Leistungsoptimierung

Wien - Paul Scharner wird nicht für das ÖFB-Team gegen die Elfenbeinküste spielen. Dafür lief er am Dienstag vor 200 Zuschauern für die HSV-Amateure auf. Mit derStandard.at sprach der 32-jährige Verteidiger über seine Rehabilitation, die Stärken der deutschen Liga und sein ganz persönliches Projektmanagement.

derStandard.at: Wie geht es Ihrem rechten Knie?

Paul Scharner: Das ist verheilt. Ich bin wieder zu 100 Prozent bereit. Nach dem Match mit den Amateuren gegen Werder Bremen II sollte die Matchfitness auch wieder da sein.

derStandard.at: Wie hat sich Ihre Therapie gestaltet?

Scharner: Was fehlte, war natürlich die Bewegung von den Beinen her. Ich habe aber mit einem Tabata-Programm daran gearbeitet, mein Konditions-Level zu halten. (Die Basis des Tabata ist ein vier Minuten langes, hochintensives Training, bei dem möglichst viele und große Muskeln beansprucht werden, Anm.).

derStandard.at: NBA-Star Dirk Nowitzki hat nach seiner Knie-Arthroskopie mit einem Handbike trainiert.

Scharner: Das habe ich auch gemacht. Die vier Minuten volle Belastung bringen einen Benefit wie eine Stunde reguläres Training. Da musst du aber den Willen haben, die Schmerzgrenze höher anzusetzen oder am besten ganz auszuschalten. Wenn du Erfolg haben willst.

derStandard.at: Sie sind noch immer in der Amateurmannschaft im Einsatz. Müssen Sie sich in Hamburg noch gedulden?

Scharner: Richtig. Da ich mich entschieden habe, nur mehr Innenverteidiger zu spielen, habe ich weniger Möglichkeiten. Abgesehen vom Bayern-Match hat der HSV zuletzt sehr erfolgreich gespielt, da wird das Team nicht verändert. Ich warte auf den richtigen Zeitpunkt.

derStandard.at: Ihr Debüt in der Kampfmannschaft des HSV haben Sie schon gegeben - als Stürmer.

Scharner: Das war etwas ungewöhnlich. Passiert ist es gegen Stuttgart, wir lagen 0:1 zurück. Der Trainer hat die Brechstange ausgepackt und mich gefragt, ob ich im Sturm diese Brechstange sein kann. Neun Minuten war ich am Feld. 

derStandard.at: Wie beurteilen Sie die Trainerarbeit von Thorsten Fink?

Scharner: Er ist ein junger, offener Trainer, der neue Methoden, auch im individuellen Training, zulässt. Ich bin schwer beeindruckt.

derStandard.at: Gibt es Unterschiede zu Ihrem letzten Trainer in England?

Scharner: Das ist wie Tag und Nacht. Ein Roy Hodgson ist seit fast 40 Jahren im Trainergeschäft und mit allen Wassern gewaschen. Während Fink das Ganze ins Auge fasst, hat Hodgson als Eigenpromoter sich selbst als höchstes Ziel.

derStandard.at: Kommen wir zum Thema Fußballkultur. Sie haben eine internationale Fußballkarriere hingelegt. Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem englischen Fußball?

Scharner: Sportlich ist es für mich natürlich schwer, das bisher zu beurteilen. Bezüglich Infrastruktur und Fankaufkommen ist Deutschland schon auf einem eigenen Level. In England stehen die ersten vier Teams medial total im Fokus, der Rest wird sehr weit hinten angereiht.

In Deutschland wird die ganze Liga vermarket. Bei unseren Trainings haben wir einen Schnitt von 500 bis 800 Zuschauern. Bei Wigan oder West Bromwich war das Teamtraining komplett abgeriegelt, da gab es keine Chance, auch nur in die Nähe zu kommen. Es wurden sogar Warnschilder aufgehängt und Strafen für ungebetene Gäste angedroht.

derStandard.at: Gibt es einen Kontrast in der Spielphilosophie?

Scharner: Der englische Fußball wird direkter und mit mehr Tempo gespielt. In Deutschland wird der Ball mehr innerhalb der Mannschaft gehalten und es wird versucht, den Ball abwartender aus der Verteidigung herauszuspielen.

derStandard.at: Ist der Umgangston in einer Premier-League-Kabine ein anderer?

Scharner: Der Unterschied in Hamburg ist die Muttersprache, da rennt der Schmäh besser. In England ging es manchmal nicht so kollegial zu. Ich erinnere mich an Trainings in der Früh, wo niemand gegrüßt hat. Du trainierst, isst zu Mittag und gehst nach Hause, fertig. Bei Wigan oder West Bromwich hatte ich über 15 verschiedene Nationalitäten im Team. Da kann auch nicht jeder Englisch.

derStandard.at: Mit sechs Jahren Premier League auf dem Buckel: Was haben Sie da für ein Standing innerhalb der Mannschaft?

Scharner: Das ist absoluter Respekt da nach 207 Premier League-Spielen und 21 Toren.

derStandard.at: Das Nationalteam bestreitet dieser Tage einen Test. Denken Sie über die Geschehnisse in der jüngsten Vergangenheit nach, oder ist die Sache für Sie abgeschlossen?

Scharner: Das Thema arbeitet natürlich noch in meinem Kopf. Beim Verfolgen der beiden Kasachstan-Länderspiele war ich traurig, dass ich nicht dabei war. Aber so ist es jetzt. Über Konsequenzen muss man sich klar sein, bevor man derartige Entscheidungen trifft.

derStandard.at: Wurden Sie beim HSV auf ihren Teamabschied angesprochen?

Scharner: Der eine oder andere hat mich natürlich darauf angeredet. Die Parodie "Paul Scharner 2.0" auf Youtube ist sehr gut angekommen, vor allem beim Trainerteam. Ich glaube, von den 25.000 Zugriffen waren 10.000 von den HSV-Betreuern. (lacht)

derStandard.at: Sie haben in einem Interview zu ihrem Nationalteam-Abschied gesagt: "Man wird in der Endabrechnung sehen, ob dies ein Fehler war oder nicht." Heißt das, wenn das ÖFB-Team die Quali nicht schafft, dann, weil Paul Scharner nicht dabei war?

Scharner: Nein. Vielleicht ist es auch genau umgekehrt. Das kann man nicht so genau sagen. Wenn ich mit meiner Karriere selbst abrechne, dann werde ich sehen ob es ein Fehler war oder nicht.

derStandard.at: Wann wird das sein? Sie sind 32 Jahre alt.

Scharner: Vier bis sechs Jahre möchte ich noch auf höchstem Level spielen, am liebsten in Hamburg. Körperlich fühlt es nicht viel anders an als früher. Ich schaue außerdem sehr gezielt auf mich, lasse mein Blut und meinen Stuhl seit Jahren ständig kontrollieren. Das betrifft vor allem Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

derStandard.at: Das hat enorme Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit.

Scharner: Auf jeden Fall. 2008 habe ich mir meine Nasenscheidenwandverkrümmung operieren lassen, ein Nasenloch war vorher komplett zu. Durch die OP ist die Konditionsleistung um 20 bis 30 Prozent gestiegen. Ich hab früher auch immer eine Riesenportion Nudeln vor dem Match gegessen, das brachte mir aber im Nachhinein gar nichts weil ich eine Gluten-Intoleranz hatte. Der Körper musste die ganze Energie für die Verdauung verwenden. Im Fußball sind diese Herangehensweisen aber bisher kaum ein Thema.

derStandard.at: Wann kehren Sie endlich in die österreichische Bundesliga zurück?

Scharner: Ob dieser Tag kommen wird, weiß ich nicht. Geplant ist ein Ende in Österreich nicht. Aber sag niemals nie. (Florian Vetter, derStandard.at, 8.11.2012)

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Man ist sich einig

Regelmäßige Blut und Stuhlkontrollen seit Jahren steigern die Leistungsfähigkeit ... eine neue Form des Dopings ?

ÖFB-Legionäre im Gespräch

Sehr passende Überschrift ^^

ja und?

Scharner ist nach wie vor ein ÖFB-Legionär.

Sie verwechseln da etwas...

Legionär ja, aber ÖFB?

Man ist doch als Fussballer nicht direkt ÖFB Mitglied, sondern als Mitgleid eines im ÖFB verBUNDenen Vereins. Der HSV ist sicher nicht Teil des ÖFB.

Eine zweite Variante, wäre ein Spieler für die ÖFB Auswahl - aka Nationalteam. Naja - auch nicht

vollkommen korrekt, ich hatte einen Denkfehler.

seine spitzenfähigkeiten gleich einmal mit einem platzverweis bewiesen!

warum ist dem standard der herr scharner so wichtig...

...haben die einen pr vertrag mit ihm? wozu ein so ausführliches interview mit jemandem, der nach einer nicht allzu ungewöhnlichen verletzungspause wieder gesundet ist. ich werde das gefühl nicht los, dass man hier gewisse karrieren pushen möchte. oder hat man seitens des standards gar den etwas durchsichtigen masterplan, hr. scharner wieder als unentbehrlich ins team zu loben. nicht falsch verstehen. ich wünsche dem herr scharner auch gute gesundheit, aber man kann es auch übertreiben.

der wird eher in der abteilung der hamburg philosophen

eingesetzt als in der ersten kampfmannschaft

...philosophen?

(bauchredner!)

aussortiert

Dieser Selbstdarsteller Scharner ist doch in Österreich aussortiert, trotzdem bekommt der Wadelbeisser und Durchschnittskicker hier eine Bühne.

Man muß ihn nicht mögen,

man kann aber trotzdem feststellen, dass er aus einer eher mittelmäßigen Begabung eine tolle Karriere gemacht hat.
Vor allem durch unbedingten Einsatz, aber auch durch dauernde Reflexion seiner Möglichkeiten und Defizite und Umsetzung der Ergebnisse dieses Nachdenkens.
Das ist im österreichischen Fußball selten, weil es Mut zur Veränderung und Bereitschaft gewohntes aufzugeben erfordert, und ich finde das ist sehr zu respektieren.
Ich bin mir sicher, dass man auch nach seiner aktiven Fußball-Karriere noch einiges von Ihm hören wird. Im positiven Sinne wohlgemerkt.

Jupp

Kein österreichischer Spieler kann +200 Spiele und +20 Tore vorweisen in der Premier League. Das ist einfach eine tolle Leistung, auch wenn es irgendwelche Neidfratzln wohl nie so sehen werden;) Durch seine professionelle Herangehensweise (hat sich sicher immer gut ernährt und vorbildlich gelebt) könnte er tatsächlich noch fit wie ein 28-jähriger sein.

Untenstehend...

sind ein paar echt lustige Beiträge dabei. Respekt. Ich musste wirklich seit längerer Zeit mal schmunzeln. Pauli macht es möglich. Thank you, Paul 2.0!

"Ich musste wirklich seit längerer Zeit mal schmunzeln". Klingt nach einem eher freudlosen Leben.

"...weil ich eine Gluten-Intoleranz hatte. "

Das dürfte nicht Paulis einzige Intoleranz sein...

4 minuten training so wie eine stunde...

dann stimmen die ganzen angaben der trainingsgeräte doch auf div. verkaufschannels die sagen, daß man mit ein paar minuten pro tag in 6 wochen den fettbauch zu einem sixpack macht doch?

Klar. Geht aber auch ohne diese Geräte.

Ohne Schmäh

Gib mir bitte ein paar Tipps!

[3]

...auf (Sitzball). Nach vorne (sodass der OK auf dem Ball aufliegt) und wieder zurück rollen. Die Arme sind in Liegestützposition am Boden. Bei Übungen auf instabiler Unterlage ist in der Regel eine höhere Muskelaktivierung gegeben.
4) Liegestütze, bei denen du extrem langsam nach unten und wieder nach oben gehst. Auf Spannung achten, kein Hohlkreuz machen.

[3]

...auf (Sitzball). Nach vorne (sodass der OK auf dem Ball aufliegt) und wieder zurück rollen. Die Arme sind in Liegestützposition am Boden. Bei Übungen auf instabiler Unterlage ist in der Regel eine höhere Muskelaktivierung gegeben.

[2]

Übungen:
1)Klappmesser: Auf dem Rücken liegen, ein Bein angewinkelt, das andere gestreckt. Bein und Oberkörper(OK) nach oben zusammen führen.
2)Bauchpresse: Auf dem Rücken liegen, Oberschenkel (OS) stehen senkrecht, die Knie sind gebeugt. Knie durch Einrollen der Wirbelsäule zum Kopf bringen. Um auch die schrägen Bauchmuskeln zu trainieren (M. oliquus extern. und internus abdominis) linker Ellbogen zum rechten Knie, rechter EB zum linken Knie bringen.
3)Auf dem Rücken liegen, OS sind senkrecht, Knie gestreckt. OK aufrichten und mit den Händen die Zehen berühren. Im Idealfall sind die Bauchmuskeln während der Übungen immer angespannt und der OK leicht nach oben gebeugt.
4)Gerader Rücken, Unterschenkel liegen auf instabiler Unterlage...

Ohne mich jetzt allzusehr in Literatur vertieft zu haben:

Kurze Pausen, rasche Wiederholungen, während der Übung Bauchmuskeln möglichst immer unter Spannung halten (=Time under Tension). Übungen für den Bauch unbedingt mit gerundetem Rücken durchführen (Einrollen der Wirbelsäule); Achtung: gilt für Standardübungen ohne Zusatzgewicht, nicht für Kniebeugen!!!

glaub trotzdem nicht, daß das mit 4 minuten am tag eine so tolle auswirkung hat

Ausprobieren! 5-10 min, glaube da erkennt man schon nach einigen Tagen was.

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